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Dillinger Fitnessstudio Be Fit seit drei Wochen dicht: Was ist da los?

Das Be Fit in Dillingen ist dicht, die Fitnessgeräte stehen aber noch im Studio. Fotos: Thomas Seeber

Das Be Fit in Dillingen ist dicht, die Fitnessgeräte stehen aber noch im Studio. Fotos: Thomas Seeber

Wolfgang W. (Name von der Redaktion geändert) stemmt gerade seine Gewichte, als im Fitnessstudio Be Fit in Dillingen plötzlich die Lichter ausgehen. Mitarbeiter der Stadtwerke drehen dort am Donnerstag, 16. April, den Saft ab. W. und die anderen Kunden müssen das Studio verlassen. Seitdem hängt an der Tür in der Merziger Straße 23 das Schild mit der Aufschrift „Vorübergehend wegen Renovierungsarbeiten geschlossen!!!“. Dasselbe Spiel ereignete sich beim Be Fit in Zweibrücken, dort ist seit 20. April dicht.
 

Betreiber ist nicht zu erreichen

Bei den Fitnessstudio-Kunden herrscht Ratlosigkeit. Denn: Ans Telefon geht niemand mehr, die Internetseite des Studios führt ins Nirwana, beim Betreiber, der Be Fit Süd GmbH, ist niemand zu erreichen. Öffnet das Studio überhaupt wieder? Wer ist eigentlich Ansprechpartner?

Im März wurden die Mitglieder per Aushang darüber informiert, dass zukünftig die H&H Immobilienverwaltung GmbH die Beiträge abbuchen werde. Viele hat das gewundert und „viele haben das überhaupt nicht gelesen und deshalb den Betrag zurückgebucht“, erzählt W.

Im Zusammenhang mit dem Fitnessstudio taucht allerdings auch die „Wellness Company“ auf, die ihren Sitz – wie die Be Fit Süd GmbH vor Kurzem auch noch – in der Saarbrücker Kossmannstraße 23 hat. Der Firmenname stehe auf den Mitgliedsausweisen, schreibt eine Kundin des Fitnessstudios auf Facebook . Doch bei der Wellness Company will man nicht näher Auskunft geben. Das Studio in Dillingen gehöre schon zur Firma, einige der Be-Fit-Studios seien aber vorübergehend „wegen Rohrbruch“ geschlossen, sagt ein Mitarbeiter am Telefon. Geschäftsführer Michael H. war nicht zu sprechen, auch einen Rückruf blieb er der Redaktion bis zum Redaktionsschluss gestern Abend schuldig.

Das Kuriose an der ganzen Sache: Michael H. taucht auch bei Be Fit Süd GmbH und H&H Immobilienverwaltung GmbH als Geschäftsführer auf. H. ist auch Studioleiter in Dillingen . Ein Blick ins Handelsregister verrät: Zum 8. April hatte seine Be Fit Süd GmbH allerdings ihren Firmensitz von Saarbrücken nach Ratingen in Nordrhein-Westfalen verlagert. Gleichzeitig schied H. als Geschäftsführer aus. Neu eingetragen wurde Dr. Norbert Ludwig Johannes Greven, 86 Jahre alt.

Auf SZ-Anfrage gibt Greven an, bei der Übernahme nicht gewusst zu haben, wie schlecht es um die Firma, zu der vier Fitnessstudios gehören, steht, und dass das Studio in Dillingen und auch das in Zweibrücken in Kürze schließen würden. „Ich habe die Firma für meine Tochter gekauft und bin über den Tisch gezogen worden. Die Firma ist ja insolvent“, sagt er. Michael H. kenne er seit vielen Jahren, er sei enttäuscht, dass er so von ihm getäuscht wurde, erzählt er weiter. „Ich kann ihn auch nirgends erreichen.“ Greven verweist für weitere Auskünfte auf den vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Bach von der Saarbrücker Kanzlei Heimes und Müller.

Dieser erklärt, vergangenen Donnerstag, 30. April, sei er vom Saarbrücker Amtsgericht als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden, nachdem er vorher als Sachverständiger in der Sache herangezogen worden war. „Momentan verschaffe ich mir einen Überblick über die Gesellschafterstruktur der Be Fit Süd GmbH“, sagt Bach.

Das Be Fit in Dillingen mit weit mehr als 500 Kunden sei seit Mitte April geschlossen, das Zweibrücker Studio seit 20. April, bestätigt er. Das zur Be Fit Süd GmbH gehörende Studio im baden-württembergischen Göppingen laufe weiter, weil der Vermieter einen Neubetreiber eingesetzt habe. Auch Merzig laufe derzeit fort. Warum hat das Saarbrücker Amtsgericht ihn eingesetzt, wo die Be Fit Süd GmbH zum 8. April nach Ratingen umgezogen ist? Bach: „Mehrere Insolvenzanträge gab es bereits wesentlich vorher.“
 

Mietvertrag besteht noch

Der Mietvertrag für die Immobilie in Dillingen besteht allerdings noch. Die Erbengemeinschaft um Stefan Welsch hatte ihn im Jahr 2011 mit der H&H Vermögensverwaltungsgesellschaft, verantwortlich zeichnete hier ebenfalls H. als Geschäftsführer, abgeschlossen. Welsch wurde zu keiner Zeit über eine Schließung informiert. „Ich bin da ratlos, wir wissen nicht, wo wir Herrn H. erreichen können.“ Mietzahlungen stünden keine aus, „da Herr H. mit Umbaumaßnahmen viel investiert hat, hatten wir uns darauf geeinigt, dass er zunächst keine Miete zahlen muss“, erklärt Welsch. Die Vereinbarung laufe allerdings in ein paar Monaten aus. „Formal gilt der Mietvertrag also noch, juristisch kann ich da nichts machen.“


Eine Nachfrage bei der saarländischen Staatsanwaltschaft ergibt, dass gegen H. als vormaligen Geschäftsführer der Be Fit Süd GmbH ermittelt wird. Laut Christoph Rebmann, Sprecher der Saarbrücker Staatsanwaltschaft, wird H. „im Zusammenhang mit dem Betrieb mehrerer Fitnessstudios“ verdächtigt, Insolvenzverschleppung betrieben zu haben.

Die Ermittlungen laufen bereits seit 2013 (Aktenzeichen: 39js58/13). Zum aktuellen Stand der Ermittlungen konnte Rebmann sich nicht äußern. Was soll man als Be-Fit-Kunde angesichts der vorläufigen Insolvenz tun? Christian Gollner, der Rechtsexperte der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale, empfiehlt, sich zunächst an den vorläufigen Insolvenzverwalter zu wenden, hier also Michael Bach, von der Saarbrücker Kanzlei Heimes und Müller.

Gollner: „Dessen Stellung kann unterschiedlich ausgestaltet sein. Betroffene sollten sich bei ihm erkundigen, wer zur Entgegennahme von Kündigungen befugt ist.“

Denn obwohl die Be Fit Süd GmbH Insolvenz angemeldet habe, würden die bestehenden Verträge nicht automatisch unwirksam. Gollner empfiehlt, dass Kunden dem Studiobetreiber zunächst per Einschreiben mit Rückschein eine Frist setzen sollten, innerhalb derer er das Studio wieder öffnen soll, um so das das Training wieder zu ermöglichen.
 

Eine Woche Frist

„Die Frist sollte eine Woche betragen. Für den Fall, dass die Öffnung nicht möglich ist, sollten sie schon in diesem Schreiben die fristlose Kündigung erklären. Wer vorab Beträge eingezahlt hat, sollte diese zurückfordern“, sagt Gollner weiter.

Wer Beträge einziehen lässt, sollte seiner Bank entsprechend Bescheid geben; wer sie selbst überweist, dies ab sofort unterlassen. Wer glaubt, es liege hier ein Betrug vor, der könne auch mit einer Strafanzeige drohen.
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