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Dillinger Hütte: Drohen weitere Einsparungen?

Der Dillinger Hütte drohen weitere Einsparungen.

Der Dillinger Hütte drohen weitere Einsparungen.

Versteinerte Mienen bei allen Vorstandsmitgliedern während des Vortrags von Vorstandschef Karlheinz Blessing. So etwas hat es noch nicht gegeben. Die Dillinger Hütte ist in tiefrote Zahlen geraten. „2013 war das schwierigste Jahr für die Dillinger Hütte seit Jahrzehnten“, sagt Blessing. Das konsolidierte Ergebnis der Hütte vor Zinsen und Steuern (Ebit) belief sich 2013 auf ein Minus von 167 Millionen Euro. Im Jahr davor hatte das Unternehmen noch 161 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen. Der Umsatz stürzte um 20,8 Prozent auf 1,98 Milliarden Euro ab. Die Lage ist derart angespannt, dass der Vorstandsvorsitzende in der Bilanz-Pressekonferenz sogar einräumen muss, dass er ein weiteres Sparprogramm nicht mehr ausschließt. Jetzt schon sind jährliche Einsparungen in einer Höhe von 130 Millionen Euro beschlossen. Und der Abbau von 450 Arbeitsplätzen.

150 Mitarbeiter können zu Saarstahl wechseln. Dort wird ihnen ihre Lohnhöhe nach Auskunft von Arbeitsdirektor Peter Schweda für 24 Monate garantiert. Außerdem sollen sie ähnliche Tätigkeiten auf vergleichbarem Qualifikationsniveau ausüben. Für die übrigen betroffenen Mitarbeiter sind sozialverträgliche Lösungen vereinbart. Blessing hofft, aus eigener Kraft noch im laufenden Jahr wieder aus den roten Zahlen zu kommen. Das könne jedoch nur gelingen, wenn das laufende Sparprogramm schnell umgesetzt wird. 90 Prozent davon sollen bis zum Jahresende erfüllt sein. Auch die Marktbedingungen müssten sich positiv verändern. Ein weiteres Problem sei, dass Kunden ihre Aufträge immer kurzfristiger vergeben und testen, ob in letzter Minute noch weitere Preissenkungen zu erreichen sind. Für das zweite Quartal 2014 sind bei der Dillinger Hütte dagegen bereits Preiserhöhungen „in der Umsetzung“, für das dritte Quartal geplant. Zudem müsse das Unternehmen noch wesentlich flexibler werden und noch kurzfristiger auf Kundenanfragen reagieren.

Vorsichtshalber spricht Blessing schon einmal von 2014 als einem „erneut schwierigen Jahr“. Das South-Stream Pipeline- Projekt, für das die Dillinger Hütte Rohrblech liefert, trage ab dem zweiten Quartal zur Grundauslastung bei. Umsatz und Ergebnis würden wieder steigen, allerdings auf einem weiterhin unbefriedigenden Niveau.

Ob auch er Fehler in der Beurteilung der Marktchancen gemacht habe, wird Blessing gefragt. „Möglicherweise haben wir die dramatische Entwicklung im Rohrblechbereich 2013 so nicht vorausgesehen.“ Große Hoffnungen setzt der Vorstandschef in das Werk Nordenham, in dem Teile für Offshore-Windparks produziert werden. Man könne auf Aufträge aus Deutschland, England und Dänemark setzen.

Bei den Investitionen hat das Unternehmen trotz der schweren Krise Zeichen gesetzt: 310 Millionen Euro hat die Dillinger Hütte im vergangenen Jahr in die Modernisierung ihrer Werke und Anlagen gesteckt, im Jahr 2012 waren es nur 222 Millionen Euro.


MEINUNG

Explosive Stimmung

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Zwei Welten in der saarländischen Stahlindustrie: Die Belegschaft von Saarstahl weiß mit Krisen umzugehen, sie hat sogar schon einen Konkurs erfolgreich gemeistert. In Dillingen dagegen ist man nur an Erfolge gewöhnt. Jetzt steht die Hütte vor einer enormen Bewährungsprobe, von der noch nicht absehbar ist, ob sie gelingt. Zu unberechenbar sind die Weltmärkte, zu klein ist die saarländische Stahlindustrie im Vergleich zu Mitbewerbern. Es steht sehr viel auf dem Spiel, will man nicht mittel- oder langfristig auf die Hilfe eines größeren Stahlproduzenten angewiesen sein. Oder gar Gefahr laufen, ein Übernahmekandidat zu werden. Vorstandschef Blessing gerät zunehmend unter Druck.

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