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Diskussion: Wieviel Bio steckt in Bio-Produkten?

Die verstärkte Produktion regionaler Bio-Waren soll das ungehemmte Wachstum der Branche ersetzen: In der Kritik an der Globalisierung der Ökobranche waren sich die Experten bei einer Debatte einig.

Saarbrücken. Die Euphorie über das rasante Wachstum der Bio-Branche in Deutschland und Europa in den vergangenen 20 Jahren scheint verflogen, Ernüchterung macht sich breit. Diesen Eindruck konnten jetzt die Zuhörer einer Podiumsdiskussion unter dem provokanten Titel „Die Biolüge oder: wie Bio seinen Ruf verliert“ im Saarbrücker Schloss gewinnen, zu der die der Linkspartei nahestehenden Einrichtungen Rosa-Luxemburg-Stiftung Saar und Peter-Imandt-Gesellschaft eingeladen hatten.

„Was nützt es, wenn in Afrika ökologische und fair gehandelte Schnittblumen für Europäerinnen angebaut werden, aber gleichzeitig nicht genug Anbauflächen bereit stehen, um die Bevölkerung zu ernähren?“, zog der Bielefelder Bio-Berater Detlef Stoffel, ein Pionier der Bioladen-Bewegung, in seinem Vortrag den sozialen Wert von Bio-Siegeln in Zweifel. Stoffel plädierte für eine Rückbesinnung auf regionale Produkte, zu denen der Verbraucher das meiste Vertrauen habe.

Bio-Birnen aus Argentinien?
Dem Ruf nach einer Stärkung der regionalen Produkte schlossen sich alle Podiumsteilnehmer an. Bioland-Bauer Manfred Nafziger aus Contwig sagte, er sei in einem ständigen Konflikt, ob er in seinem Hofladen Bio-Birnen aus Argentinien anbieten solle. Die Transportwege mancher Bio-Waren sind tausende Kilometer lang, nicht eben günstig fürs Klima. Gleichzeitig schilderte Nafziger, wie schwer es regionale Produkte gegen die Konkurrenz des Weltmarkts haben.

„Ich baue Hirse an, kann die Hirse aber nicht verkaufen, weil der Handel viel billigere Bio-Hirse aus China nimmt. Also verkaufe ich die Hirse an Hundefutter-Produzenten und erziele dabei einen guten Preis. Dadurch bekommen eben Hunde unsere gute Bioland-Hirse“, so Nafziger. Der Bioland-Bauer war der einzige, der darauf hinwies, dass mit der regionalen Produktion allein der Hunger der Saarländer keinesfalls zu stillen ist. So werde etwa nur drei Prozent des Schweinefleisches, dass an der Saar verzehrt wird, auch hier produziert.

Discounter als Kunden der Bio-Bauern
Die vom Bundesernährungsministerium 2004 zur Bio-Spitzenköchin ernannte Sigrun Essenpreis vom Landgasthof Paulus in Nonnweiler-Sitzerath schilderte ihre Probleme mit den Beamten aus Berlin, die ihr den Titel Bio-Spitzenköchin jetzt wieder abnehmen wollten. „Wir verarbeiten zum Beispiel Limousin-Rinder, die stehen 18 Monate auf einer Weide vier Kilometer von unserem Restaurant entfernt. Die bekommen nur Futter von dort und werden dort auch geschlachtet. Da brauche ich kein Bio-Zertifikat“, sagte Essenpreis energisch, die sich selbst den Namenszusatz „EH“ gegeben hat – „ethische Hedonistin“.

„Wir haben ein lustvolles Leben, mit einem eigenen Garten beim Restaurant. Dort habe ich das Gefühl, als habe ich Urlaub“, tat Essenpreis begeistert ihre Philosophie kund. Roland Röder (Aktion 3. Welt Saar) griff die Groß-Molkerei Hochwald in Thalfang/Hunsrück an, die trotz Subventionen immer noch keine Bio-Linie habe. „Biobauern aus dem Saarland müssen deshalb ihre Milch nach Belgien liefern“, sagte Röder. Trotz aller Kritik an den Discountern sah Monika Böhme (BUND) auch eine Chance im Verkauf von Bio-Produkten bei Aldi, Lidl und Co. „Viele Menschen, die nie einen Bio-Laden betreten würden, sehen so erstmals Bio-Waren. Das ist auch eine Chance“, so Böhme.


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