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Donlons Ballettabend „Blue“ hat Festival n.o.w. dance saar eröffnet

Marguerite Donlon, Künstlerische Leiterin des Internationalen Festivals n.o.w. dance saar

Marguerite Donlon, Künstlerische Leiterin des Internationalen Festivals n.o.w. dance saar

Saarbrücken. Ein Meer aus blau schimmerndem Tuch brandet und wogt. Aus seiner Wellenspitze ragt ein Frauenoberkörper heraus, wie ein Jugendstilornament, in wilden Verrenkungen. Ist das noch die Kraft der Natur oder ein Hilferuf? Dahinter spazieren graue Männer, Frauen und Kinder neugierig durch ein Feld aus blitz-blanken Plastikflaschen. Doch so rein diese auch schimmern, sie bestehen aus gesundheitsschädlichen Substanzen. Gleich werden die grauen Menschen sie zu Müll zusammentreten und ins Meer abschieben.

Es sind solche Kontrastbilder, die Marguerite Donlon in ihrem neuen Ballettabend „Blue“ immer wieder gegeneinander setzt, um uns vor Augen zu halten, wie wir die Ozeane vergiften. Die Premiere am Donnerstag feierte das Publikum im großen Staatstheaterhaus mit langem, jubelndem Applaus. Einen äußerst üppigen Bilderbogen hat Donlon zusammengestellt, der durch seine phantasievollen Ideen besticht, oft aber sehr plakativ daherkommt und seine Aussagen zu oft wiederholt. Das gilt nicht nur für das Aquarium, das leitmotivisch immer wieder im Bühnenhintergrund auftaucht. Im ersten Moment staunt man über das große erleuchtete Wasserbecken (Bühne: stilsicher Cécile Bouchier), in dem zwei Menschen unbeschwert durch sauberes Wasser gleiten. Auch wenn man das schon in beeindruckerenden Dimensionen in Sasha Waltz' „Dido und Aeneas“ gesehen hat. Im Laufe des Abends trübt sich das Becken zunehmend durch Plastik-Flaschen, -tüten, -folien ein.  Auch für den Zuschauer fast körperlich spürbar wird die Atemnot, in die die tauchenden Tänzer allmählich geraten.



Doch schon beim zweiten Mal sieht man diese Erstickungsgefahr voraus. Die uns dann noch einmal mit Kindern vorgeführt wird, denen man Plastikfolie zu Kleidchen umdrapiert, bevor sie, eine Tüte über dem Kopf, leblos zu Boden sinken. Kinder aller Hautfarben – Donlon lässt sie uns in zarten Gesten vertrauensvoll ihre Ärmchen entgegenrecken, arglos mit giftigen Luftmatratzen spielen, um uns an unsere Verantwortung zu gemahnen. Bemerkenswert, dass ihr das ohne Kitsch und Rührseligkeit gelingt. Am berührendsten, auch künstlerisch am stärksten aber sind jene Tanzszenen, die Donlon den leidtragenden Opfern unserer Plastikwut im und über dem Wasser widmet. Riesige Filmprojektionen tauchen uns in ihre Welt. Zu elegischen Klängen von Bach und Messiaen, auf einer Hochbühne live an Cello und Flügel gespielt, lässt Donlon vornehmlich in Pas-de-Deux Todesreigen tanzen. So fragil, so verletzlich, hochbeinig auf Spitze, sah man ihre Tänzerinnen und Tänzer noch nie. In raffinierten Kostümen (Markus Maas) dezent zu Albatrossen oder auch Krebsen stilisiert, ergreifen sie mit ihrer Schönheit und Schutzbedürftigkeit. Unnötig, dass man dazu noch Fotos verendeter Vögel präsentiert.  Ebenso die Männerstimme, die uns Fakten wie in einem Dokumentarfilm liefert und unmotiviert ins Zynische abgleitet.



Cool, rüpelhaft, hektisch wiederum gebärden sich die grau kostümierten Tänzer, die als Verkörperung unserer Konsumgesellschaft, zu elektronischem Kratzen und Knistern von Ben Frost, das an unseren Nerven sägen soll, all die Flaschen und Säcke verschieben. Sie beglücken uns unter anderem mit brillanten Sprüngen. Tänzerisch beweist die Donlon-Truppe wieder große Klasse, doch inhaltlich laufen diese Szenen oft ins Leere. Die Meereswelle vom Anfang, die noch einmal, müllverseucht aufzieht, die graue Truppe, die uns mit kryptischen Gesten entgegentritt, beides wäre ein starker Schluss gewesen. Doch wieder einmal traut sich Donlon nicht, ihr Publikum verstört zu entlassen. So hebt sie dessen Wirkung mit lustigen Kinderideen im Dingsda-Filmstil wieder auf.

Termine am heutigen Samstag (29.10.2011): 17 Uhr, Alte Feuerwache: Corpus Spiritus. 19.30 SST: Memoires d'oublettes mit dem Nederlands Dans Theater. 22 Uhr, Theater im Viertel: Logobi 2. 22 Uhr, Sparte 4: Lili Handel.

Das gesamte Programm unter:
www.nowdancesaar.de
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