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Doping: Illegaler Handel mit Merziger Pillen

Von SZ-Redaktionsmitglied Gregor Haschnik

Merzig. Es war einer der bundesweit größten Schläge gegen die Doping-Szene: Vor kurzem nahmen Fahnder des Landeskriminalamtes (LKA) drei Saarländer fest, die im Verdacht stehen, illegal mit Dopingmitteln gehandelt zu haben: einen 34-Jährigen aus St. Wendel, einen 40-Jährigen aus Heusweiler sowie einen 30-Jährigen aus Saarlouis. In den Wohnungen der Verdächtigen stellten die Beamten eine hohe Anzahl verschreibungspflichtiger Arznei- und Betäubungsmittel sicher sowie umfangreiche Computerdaten. Die Festgenommenen gestanden während der richterlichen Vernehmung die gegen sie erhobenen Vorwürfe und wurden in Untersuchungshaft gebracht.

Die drei Männer sollen schon seit vielen Jahren unter anderem Anabolika, Testosteron, Appetitzügler sowie Potenzmittel verkauft und damit hohe Gewinne erzielt haben. Anscheinend kooperierten die Beschuldigten dabei miteinander.
Eine Spur in diesem großangelegten Doping-Handel führt nach Merzig: Wie SZ-Recherchen ergaben, handelt es sich bei einem der Tatverdächtigen um einen ehemaligen Mitarbeiter des Pharmaunternehmens Kohlpharma. Einen Teil seiner Ware hat er offenbar bei seiner Tätigkeit im Lager von Kohlpharma gestohlen.

"Aufgrund des massiven Vertrauensbruchs haben wir dem Mitarbeiter fristlos gekündigt“, sagt Kohlpharma-Sprecher Karsten Wurzer. Darüber hinaus entließ das Unternehmen die ebenfalls dort beschäftigte Ehefrau des Inhaftierten, die verdächtigt wird, an dem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein.  Ins Visier der Fahnder war der mutmaßliche Täter auch durch einen aufwendigen Lebensstil geraten, der mit dem Gehalt eines Lagerarbeiters kaum zu finanzieren war. Unter anderem soll sich der Beschuldigte durch den Handel mit Doping-Mitteln einen Luxus-Sportwagen finanziert haben.


Nach Angaben von Kohlpharma war dies das erste Mal, dass ein Mitarbeiter aufgeflogen ist, der Medikamente in der Firma gestohlen und mit ihnen gehandelt haben soll: „Wir haben in unserem Unternehmen mehrere gut funktionierende Kontrollmechanismen“, sagt Wurzer. Zum einen würden die Mengen während der Verteilung der Medikamente immer wieder überprüft, zum anderen würden Stichproben gemacht, wenn Mitarbeiter das Firmengelände wieder verlassen. „Aber eine 100-prozentige Garantie dafür, dass keine einzige Medikamenten-Packung gestohlen wird, können wir nun einmal nicht geben.“

Kohlpharma will seine Kontrollmechanismen nun überprüfen, „andererseits werden wir niemanden unter Generalverdacht stellen. Grundsätzlich können wir uns auf unsere Mitarbeiter verlassen“, betont Sprecher Karsten Wurzer.

Die Ermittlungen könnten noch zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen. Doch bereits jetzt spricht das LKA von einem Erfolg: Der Fall biete wichtige Einblicke in eine bestens organisierte, abgeschirmte und verschwiegen arbeitende Szene.



Hintergrund
Doping gibt es nicht nur im Spitzensport. Wie Studien belegen, dopen zunehmend auch Freizeitsportler. Laut einer Studie der Universität Tübingen aus dem Jahr 2006 nimmt fast jeder siebte in Fitness-Studios aktive Sportler gelegentlich oder sogar regelmäßig Anabolika ein. gha
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