A620 Saarlouis - Saarbrücken Zwischen AS Saarbrücken-Luisenbrücke und AS Saarbrücken-Bismarckbrücke in beiden Richtungen mit Hochwasser ist zu rechnen Eine Einrichtung der Hochwasserumfahrung auf der A 620 für den späten Nachmittag/ Abend kann zur Zeit nicht ausgeschlossen werden. Die Verkehrsteilnehmer werden gebeten, ihre Fahrzeuge vorsorglich nicht im Umfahrungsbereich/ Gefährdungsbereich abzustellen und die mögliche Sperrung in die Fahrzeit einzuberechnen. (11.12.2017, 16:21)

A620

Priorität: Dringend

1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
1°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Drag-Queen Conchita Wurst siegt bei Song Contest

Wie schon Nicole bei ihrem Sieg vor 32 Jahren wünscht sich Conchita Wurst ein „bisschen Frieden“ und ein harmonisches Europa. Samstagnacht um 0.23 Uhr steht fest: Die Drag-Queen hat den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen. Im golden funkelnden Abendkleid singt sie inmitten eines elektronischen Feuerregens ihren Siegertitel im James-Bond-Stil: „Rise like a Phoenix“. Österreich hat wieder eine Kaiserin – sie trägt einen Bart. Mit dem pompösen Triumph von Conchita Wurst feiert die Alpenrepublik 48 Jahre nach Udo Jürgens und „Merci Chérie“ erneut eine musikalische Thronbesteigung.

Und quer durch Europa feiert man den Sieg des Transvestiten als Signal für mehr Toleranz. Ihr Erfolg machte die 25-Jährige sprachlos: „Ich habe keine Worte“, flüsterte sie und schlug immer wieder ihre Hände mit den künstlichen Fingernägeln vor dem Gesicht zusammen. Doch dann sagte sie: „Das hier ist nicht nur für mich, sondern für alle da draußen, die an die Zukunft, Liebe, Frieden, Toleranz und Akzeptanz glauben.“

Deutschland landete in Kopenhagen mit dem Song „Is it right“ abgeschlagen auf dem 18. Platz. Das Trio Elaiza mit der saarländischen Frontfrau bekam insgesamt 39 Punkte – fünf davon aus Elas Geburtsland Ukraine und acht aus Polen, wo die Schiffweilerin lebte, bis sie acht Jahre alt war. Auch sonst kam der Folklore-Pop mit Akkordeon und Kontrabass überwiegend in osteuropäischen Ländern an: So stimmten die Zuschauer in Armenien (6), Georgien (5), Albanien (4) sowie Rumänien und Slowenien (je 2) für Elaiza ab. Vom deutschen Nachbarn Schweiz gab es zudem noch sieben Punkte.

Der Live-Auftritt von Sängerin Ela, die im Blümchen-Look mit Tüllrock und Lederjacke auf der Bühne stand, war zwar solide und stimmgewaltiger als in der Probe. Doch die Reaktionen bei den über 11?000 Zuschauern in der Halle und den Medienvertretern im benachbarten Pressezelt waren eher zurückhaltend. Das spiegelte sich auch später bei der Punktevergabe wieder. „Wir sind sehr zufrieden mit unserem Auftritt“, sagte Ela dennoch, als sie gegen 1.30 Uhr ins Pressezentrum kam. „Wir hatten eine sensationelle Woche.“ Jetzt freut sich das Trio, das den deutschen Vorentscheid im März quasi aus dem Nichts für sich entschieden hatte, endlich auf Tour gehen zu können. Einen Tipp für den ESC 2015 in Österreich bekam Deutschland in dieser Nacht dann auch noch. Ein Holländer rief ausgelassen herüber: „Ihr müsst das nächste Mal mit Heino antreten.“

Ohnehin war das Spektakel aus der dänischen Hauptstadt mit rasend schnellen Bühnenumbauten, Laser-Shows und echtem Wasser in der Kulisse eine riesige Party, die auch geschätzt 120 bis 180 Millionen Zuschauer im Fernsehen verfolgten. Die Fans in der Halle schwenkten nicht nur bei den Auftritten der Teilnehmer ihres eigenen Landes kräftig die Fähnchen. Besonders schnelle Nummern kamen gut an. Als während Griechenlands Dance-Song „Rise up“ ein Artist auf dem Trampolin sprang, hüpfte die Menge mit. Doch die Stimmung war diesmal nicht ungetrübt. Die Ukraine-Krise schwebte auch über dem ESC. So fruchtete zwar ein Aufruf der Veranstalter vor dem Auftritt von Russland noch einigermaßen. „Wir sind hier, um die Musik zu zelebrieren“, baten sie. Und tatsächlich feierte ein Großteil des Publikums auch die Tolmalchevy Sisters. Doch spätestens bei der Punktevergabe wurden die beiden blonden, 17-jährigen Zwillingsschwestern gnadenlos ausgebuht.

Und so schien der Sieg von Conchita Wurst nur folgerichtig – eine Ohrfeige für Russland mit seiner Anti-Schwulen-Gesetzgebung. Selten wurde beim ESC wohl so unabhängig vom Lied abgestimmt. Nicht dass „Rise Like A Phoenix“ ein mieser Song wäre. Doch Conchita Wurst gewann nicht mit dem stärksten Lied, sondern mit der stärksten politischen Botschaft: Seid tolerant. Gegenüber Schwulen und Lesben und allen anderen Menschen, die so sein wollen wie sie sind. „Es gibt mehr als Schwarz und Weiß.“

Wären da nicht die künstlichen Fingernägel, der hauptsächlich mit Kajal gemalte Bart und das enge Abendkleid – der schwule Tom Neuwirth (25) wäre im Wettbewerb nicht weiter aufgefallen. Doch als Drag-Queen Conchita Wurst stieg er zur Symbolfigur für Akzeptanz auf und holte den ESC-Sieg gleich für ganz Europa: „Es klingt kitschig, aber am Ende sind wir alle eins.“
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein