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Drahtcord-Werk Merzig macht dicht

Merzig. Der Reifendraht-Produzent Drahtcord schließt sein Merziger Werk. Die Produktion soll bis Juli eingestellt werden. Das teilte Drahtcord gestern nach einer Belegschaftsversammlung mit. Betroffen sind rund 100 Arbeitnehmer. Die Anteilseigner, die Reifenhersteller Pirelli und Continental, hätten die Entscheidung „in Anbetracht der schwierigen internationalen Marktsituation und der insbesondere in Europa anhaltend schwachen Nachfrage nach Stahlcord getroffen“, heißt es in der Mitteilung. Eine positive Entwicklung „wird in nächster Zukunft nicht erwartet“. Im vergangenen Jahr war im Merziger Werk bereits Kurzarbeit gefahren worden.

Dennoch kam der Schließungsbeschluss zum jetzigen Zeitpunkt „vollkommen überraschend“, sagt der Drahtcord-Betriebsratsvorsitzende Michael Salmon. „Noch vor zwei Monaten hat man den Mitarbeitern gesagt, dass ihr Draht für die Reifenproduktion vor allem von Pirelli noch gebraucht wird“, pflichtet ihm Ferdinand Weidig bei, Gewerkschaftssekretär der IG Metall in der Verwaltungsstelle Völklingen. Zuletzt wurde im Merziger Werk nur noch der Draht für die Reifen erhitzt und mit einer dünnen Messingschicht überzogen. Die Umformung zu einem Gewebe (Stahlcord), mit dem man die Reifen stabil hält, war bereits Ende 2010 in das rumänische Slatina verlegt worden. Damals wurden in Merzig schon 110 Jobs abgebaut.

Viele ältere Mitarbeiter

In Slatina zieht Pirelli die größte Reifenfabrik des Konzerns hoch. Die Investitionssumme beläuft sich nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich auf 105 Millionen Euro, wobei 28 Millionen Euro an staatlicher Förderung gewährt werden. Bisher hat Pirelli lauf Wirtschaftskammer schon 400 Millionen Euro in Rumänien investiert. Die Bezahlung ist allerdings schlecht. Nach Angaben rumänischer Gewerkschafter verdienen die Arbeiter dort nach Abzug der Steuern gerade mal 131 Euro im Monat – Weidig spricht von 150 Euro.

Schon im Mai 2012 war im Merziger Drahtcord-Werk bekannt geworden, dass in Slatina auch eine Anlage für die Messing-Beschichtung des Drahts geplant ist. Gewerkschaftssekretär Weidig weiß, dass dort „in den kommenden Wochen die Öfen befeuert werden sollen“. In Spitzenzeiten beschäftigte das Merziger Drahtcord-Werk, das 1970 gegründet wurde und in dem Pirelli seit 1990 die industrielle Führung hat, rund 1000 Mitarbeiter. Das war Anfang der 1980er Jahre. Seitdem ging die Zahl der Beschäftigten stetig zurück.

Jetzt will man in Sozialplan-Verhandlungen erreichen, dass die Mehrzahl der Mitarbeiter vorzeitig in Rente gehen kann. „Wir werden unsere Haut so teuer wie möglich zu Markte tragen“, sagt Drahtcord-Betriebsratschef Salmon. Drei Viertel der Mitarbeiter seien älter als 50 Jahre. Viele seien Jahrzehnte im Werk beschäftigt. Damit hätten sie Kündigungsfristen von bis zu sieben Monaten. Altersteilzeit spiele dabei eine große Rolle. Auch wenn Abfindungen gezahlt werden „dürfen diese nicht spärlich ausfallen“. Das Werk habe keine Verluste geschrieben, sagt Weidig. Im Geschäftsjahr 2011 wurde laut elektronischem Bundesanzeiger noch ein Jahresüberschuss von knapp 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet.



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