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Drahtseilakt in hundert Metern Höhe: 40 000 Menschen überquerten bereits Deutschlands längste Hängebrücke

Wer über den Abgrund wandeln will, muss schwindelfrei sein: Deutschlands längste Hängeseilbrücke hängt bis zu 100 Meter hoch über der puren Natur des bewaldeten Bachtals zwischen Sosberg (Kreis Cochem-Zell) und Mörsdorf (Rhein-Hunsrück-Kreis). Über 40 000 Besucher sind in den ersten zwei Wochen seit der Eröffnung am 3. Oktober bereits über die „Geierlay“ getaufte 1,50 Meter breite Fußgängerbrücke balanciert, berichtet der Mörsdorfer Bürgermeister, Marcus Kirchhoff (parteilos). „Es ist unglaublich, was da los ist. Wir hatten mit 180 000 Besuchern in einem ganzen Jahr gerechnet.“ Der Name „Geierlay“ ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, an dem sich 120 Personen beteiligten. In der Umgebung des Felshangs leben zahlreiche Geier, das Wort lay leitet sich von ley ab, was unter anderem für Schiefer steht.

Drei Monate hatten die Vorarbeiten seit dem ersten Spatenstich gedauert. 24 Meter tief wurden die Löcher für die Anker der beiden Widerlager in den Hunsrücker Schiefer gebohrt. Anfang September konnte das erste der sechs Stahlseile gespannt werden. Eine technisch höchst anspruchsvolle Aufgabe, die eine Schweizer Spezialfirma übernahm. Trotz der Gesamtlänge von 360 Metern geht es wegen des Durchhangs der Brückenkonstruktion beim Spannen der vier Zentimeter dicken Stahltrossen um Millimeter.

Der Laufsteg besteht aus Lärchenholz. Gleichmäßig Brett für Brett wurde er von beiden Talseiten mit der Hängekonstruktion verschraubt. Diese ist mit den vier unteren Stahlseilen verbunden. Die beiden verbleibenden Stahlseile dienen als Geländer mit Handlauf. Ein enger Maschendraht sichert den seitlichen Zwischenraum zwischen den oberen und unteren Seilen.

Alles begann vor fünf Jahren, als drei visionäre Mörsdorfer – sie selbst nennen sich „Brückenträumer – , darunter auch der heutige Ortsbürgermeister Marcus Kirchhoff, die Idee hatten, als Attraktion für den erlahmenden heimischen Fremdenverkehr eine Hängeseilbrücke in Ortsnähe zu bauen.

Machbarkeitsstudien prognostizierten bis zu 180 000 Besucher, bis zu 50 000 Touristen sollen in der Region Hunsrück/Mosel zusätzlich übernachten. Man kalkuliert mit einem hohen Wertschöpfungspotenzial und rechnet allein für die Beherbergungsbetriebe der Region mit Einnahmen von zwei Millionen Euro jährlich.

Angebunden ist die Geierlaybrücke an den überregionalen Saar-Hunsrück-Steig. Von hier gibt es auch eine Verbindung zu vielen Traumschleifen und zum Rhein-Burgen-Weg und zum rechtsrheinischen Rheinsteig.

1,14 Millionen Euro kostet der außergewöhnliche Brückenschlag. Gefördert wird er mit rund 700 000 Euro aus EU- und rheinland-pfälzischen Fördertöpfen. Rund 100 000 Euro spendierten benachbarte Kommunen. Der Rest von 214 000 Euro kommt aus der Mörsdorfer Gemeindekasse. Die Überquerung ist kostenlos – die Tagesgebühr für den Parkplatz beträgt zwei Euro .

geierlay.de
 
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