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Drei Fächer der Saar-Uni hadern mit den Spar-Vorgaben des Hochschul-Präsidiums

 Wie sieht die Zukunft der Saar-Universität aus? Wenn die Gremien der Hochschule dieser Tage über dieser Frage brüten, stehen nicht Forschungskonzepte, Drittmittelprojekte oder neue Professuren im Mittelpunkt. Seit Monaten dreht sich alles nur noch um die Finanzen. Nächste Woche beginnt eine neue Verhandlungsrunde – diesmal über die sogenannten Ziel- und Leistungsvereinbarungen. Die werden zwischen Hochschulleitung und Landesregierung für drei Jahre ausgehandelt. Uni-Präsident Volker Linneweber erwartet schwierige Gespräche. Die Landesregierung hat in ihrem bis zum Jahr 2020 reichenden Hochschulentwicklungsplan eine ganze Reihe hochgesteckter Ziele präsentiert. Sie alle auf einen Schlag in Angriff zu nehmen, werde nicht möglich sein, kündigt der Uni-Präsident an. Hier müsse nach Prioritäten sortiert werden.

Ihm stehen allerdings nicht nur in der Staatskanzlei schwierige Verhandlungen bevor. Denn auf dem Campus hakt es in drei Fächern bei der Umsetzung des vom Plan der Landesregierung abgeleiteten universitätsinternen Sparkonzepts. Und zwar so sehr, dass sich vor wenigen Tagen der Universitätsrat mit dem Thema befasste. Dessen Vorsitzender Günter Stock forderte nach der jüngsten Sitzung, ohne Namen zu nennen, alle Fächer unmissverständlich auf, ihre Beiträge zum Sparkonzept bis zum Jahresende zu liefern. Gemeint waren mit diesem Hinweis die Fächer Jura, Physik und Psychologie . Deren Vertreter sehen große Probleme bei der Verwirklichung der vom Uni-Präsidium vorgegebenen Leitlinien.

Die individuellen Sparlasten (im Schnitt 11,9 Prozent), die den Fakultäten im bis 2020 laufenden Schrumpfprozess zusätzlich zu einem generellen Minus (fünf Prozent) abverlangt werden, sind höher, als zu Jahresbeginn erwartet. Das liegt unter anderem am neuen Strategiefonds der Uni (fünf Millionen Euro), dem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und einer Garantie für Berufungszusagen der Professoren . Sie binden 3,5 Millionen, hat Roland Rolles, Vizepräsident für Verwaltung und Wirtschaftsführung, im Frühjahr errechnet.

Doch die Berufungszusagen scheinen sich nun zum Knackpunkt des Sparkonzepts zu entwickeln. Professor Roland Brünken, Dekan der Fakultät fünf, sieht bei einer individuellen Sparquote von zehn Prozent für die Psychologie kaum noch andere Möglichkeiten, als bei der Stellenausstattung oder den Finanzen der Lehrstühle zu kürzen. Das führe dann am Ende dazu, dass der Dekan exekutieren müsse, was der Präsident nicht wolle. Doch ein Eingriff in Berufungszusagen gilt auf dem Campus als Tabubruch. Auch der Prodekan der Fakultät sieben, der Physikprofessor Rainer Birringer, beschreibt die Stimmung in seinem Fach (minus 15 Prozent) als sehr schlecht. Falls Eingriffe in Berufungszusagen nicht zu vermeiden seien, sei schon diskutiert worden, vor Gericht zu ziehen. Als Alternative, so Birringer, bliebe nur noch, einen Anteil der Drittmittel abzuzwacken, den die Wissenschaftler als sogenannte Programmpauschale für die Nebenkosten ihrer Forschungsprojekte erhalten. Aber auch das wäre ein schwerer Fehler. „Das würde bedeuten, besonders die Leistungsträger zu bestrafen.“

In der Physik wolle es einfach nicht gelingen, sämtliche Vorgaben des Präsidiums unter einen Hut zu bringen, zu denen auch der Erhalt des prestigeträchtigen Sonderforschungsbereichs gehört. Die Uni-Leitung fahre da einen rigiden Sparkurs „ohne Berücksichtigung der Situation der Fächer“. Das habe sich zum Semesterbeginn bereits in einem Rückgang der Studienanfänger um 16 Prozent ausgewirkt.

Das Fach Jura (minus zwölf Prozent), so Prodekan Markus Würdinger, fühlt sich wiederum zwischen den widerstreitenden Vorgaben des Landeshochschulplans und der Uni-Finanzplanung zerrieben. Allen gleichzeitig und vollständig gerecht zu werden, sei nicht möglich, so sein Kollege Stephan Weth. Die beiden Jura-Professoren beklagen, dass das Uni-Präsidium zum Thema Sparen selbst keine Vorschläge unterbreite und Ideen der Juristen , zum Beispiel durch eine Erhöhung der Studentenzahl die Einnahmen zu steigern, verworfen habe.

Gemeinsam ist allen drei Fächern, dass sie dort nicht sparen können, wo am meisten zu holen wäre: bei den Professuren. In der Physik und der Psychologie ist das Professoren-Kollegium relativ jung. In diesem Jahrzehnt wird kein Wissenschaftler in Rente gehen. Die Juristen sehen die Zahl der Professuren durch den Landeshochschulplan festgeschrieben. In der Psychologie komme erschwerend ein harter Numerus clausus hinzu, so Roland Brünken. Werde hier die Zahl der Mitarbeiter reduziert, „dann vernichten wir Lehrkapazität“. Das könne zu einer Prozesslawine von Abiturienten führen, die sich auf einen Studienplatz einklagen wollen. Ein Risiko, das den Uni-Präsidenten freilich nicht schreckt: „Da müssten wir dann durch.“

Auch an den Zahlen, auf denen das Uni-Sparprogramm fußt, melden die Wissenschaftler Zweifel an. Den Jura-Vertretern fehlen grundsätzliche Erläuterungen. Dekan Brünken sieht, was die Psychologie betrifft, die Überlast in der Lehre nicht ausreichend berücksichtigt. Auch Dienstleistungsfunktionen des Fachs für die gesamte Uni seien in die Rechnung nicht einbezogen worden. Darüber müsse noch einmal gesprochen werden. Dazu sei die Psychologie auch immer bereit gewesen. „Wir sind an Konsens interessiert“, so Brünken. Und das gilt offenbar auch für die streitbaren Juristen . „Wir sind doch keine Betonköpfe“, so Stephan Weth. Zwei Drittel der Sparvorgaben seien zudem bereits erfüllt, erklärt Markus Würdinger. Über den Rest müsse nun mit dem Präsidium verhandelt werden, so Stephan Weth. Und auch der Präsident der Saar-Universität signalisiert Gesprächsbereitschaft. Zum Jahresende werde es sicherlich kein Ergebnis geben, von dem zu sagen wäre, „eigentlich kann man das nicht tun“, so Volker Linneweber .
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