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Drei Kinder ertrinken im hessischen Neukirchen - Familie lebte zuvor in Saarbrücken

In stiller Trauer starren die Dorfbewohner auf den kleinen Teich im nordhessischen Neukirchen . Die Katastrophe am Samstagabend können die Menschen im kleinen Ortsteil Seigertshausen auch am Tag danach kaum fassen. Drei Geschwister – fünf, acht und neun Jahre alt – sind in einem frei zugänglichen Löschteich der Feuerwehr ertrunken. Der elfjährige Bruder hat den Jüngsten leblos im Wasser treiben sehen.

 

Vor einem Metallsteg am Rande des Teiches haben Trauernde weiße Kerzen, Blumen und Kuscheltiere niedergelegt. An einem Stoffzebra ist ein Zettel angebracht. Mit einer Frage: „Warum?“ Eine klare Antwort kann die Polizei auch am Tag danach nicht geben. Die Beamten gehen von einem Unfall aus. Fremdverschulden schließen sie aus. Die Leichen der Kinder sollen heute obduziert werden.

 

Einen Zaun gibt es an dem etwa 40 Meter breiten, idyllisch gelegenen Löschteich nicht. Doch Schilder warnen: „Teichanlage. Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder.“ Wo sich die Eltern der Kinder zum Zeitpunkt des Unglücks befanden und ob sie womöglich ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, steht bislang noch nicht fest.

 

Bürgermeister Klemens Olbrich ist schockiert. Es herrsche „riesige Betroffenheit“ in dem 700 Einwohner zählenden Ortsteil: „In so einer Situation ist man erstmal geistig gelähmt.“ Nach seinen Angaben ist die Familie vor einem Jahr aus Saarbrücken nach Nordhessen gezogen. Sie habe einen syrisch-kurdisch-türkischen Hintergrund. Olbrich will das Geschehene aufarbeiten: „Drei Punkte sind zu klären: eine mögliche Verletzung der Aufsichtspflicht , die Frage nach dem Schwimmunterricht und was nun mit dem Teich, der Brandschutzzwecken dient, geschieht.“

 

Jamal B., ein Verwandter der Familie, ist extra aus Berlin angereist. „Es ist sehr schwer, ein Kind zu verlieren. Aber gleich drei – das ist unglaublich“, sagt er. Nach seiner Schilderung war der Elfjährige von seiner Mutter am Samstagabend losgeschickt worden, um seine drei Geschwister nach Hause zu holen. Als er am wenige hundert Meter entfernten Teich eintrifft, sieht er seinen fünfjährigen Bruder, den Kleinsten, nur noch leblos im Wasser treiben. Er holt Hilfe in der Nachbarschaft, aber die Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos. Dann wird klar, dass noch zwei weitere Kinder der Familie vermisst werden. Rettungstaucher können das achtjährige Mädchen und ihren neun Jahre alten Bruder nur noch tot aus dem Wasser bergen.

 

„Unmögliches Leid“ habe sich auf das Dorf gelegt, sagt Pfarrer Reinhard Keller in seiner Sonntagspredigt. Die Gottesdienstbesucher bestürzt. „Das ganze Dorf steht unter Schock“, sagt die Besitzerin der Gaststätte „Jägerhof“. Sie hatte sich am Vorabend an der Suchaktion beteiligt. Vergeblich.
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