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Drei Tage Super-Party beim Rocco-del-Schlacko

24 000 Musikfans feierten beim Rocco el Schlacko auf dem Köllerbacher Sauwasen.

24 000 Musikfans feierten beim Rocco el Schlacko auf dem Köllerbacher Sauwasen.

 

Am zweiten Tag des Rocco-del-Schlacko-Festivals hielt der Wettergott seine schützende Hand über den Sauwasen: Erst nachdem der letzte Ton von Seeed, dem Haupt-Act am Freitag, verklungen war, setzte der erste Schauer ein. Während es andernorts im Saarland heftiger regnete, blieb das Festival verschont.

  

Neben Seeed waren die Norweger von Kakkmaddafakka die Einzigen, die an diesem Tag weniger auf verzerrte Gitarren setzten; ihr Reggae-Pop wirkte da geradezu brav im Vergleich zu den harten Jungs von Lagwagon, Boysetsfire oder Enter Shikari. Letztere waren wirklich nichts für zarte Gemüter, kombinierten sie doch Death-Metal-Gebrüll mit Techno-Beats – die härteste Band des Festivals. Das britische Trio The Subways dagegen sorgte da mit melodiösem Rock für Entspannung im Gehörgang. Während des Auftritts erschien auf der VIP-Tribüne eine sehr leger gekleidete saarländische Ministerpräsidentin (Turnschuhe, grüne Hose, graues Langarm-T-Shirt) – das war schon so sehr inkognito, dass mancher Besucher zweimal hinschauen musste. Sie freue sich darüber, wie das Festival im Laufe der Jahre gewachsen sei, sagte Annegret Kramp-Karrenbauer. Vor allem wegen Seeed sei sie gekommen, doch auch The Subways gefielen ihr gut.

   Gegen 23 Uhr wurde der Vorhang für den imposanten Bühnenaufbau von Seeed zur Seite gezogen: Die 13 Musiker besetzten ganze drei Ebenen, eingerahmt von zwei altertümlichen Boxentürmen zur Dekoration, die wohl an jamaikanische Tanzsäle erinnern sollten. Und schon ging es los mit der großartigen Show der Berliner, die nicht nur aus dem Fundus von 16 Bandjahren schöpfen konnten, sondern auch viel Material des hoch gelobten Solo-Albums von Sänger Peter Fox spielten. Fox lobte artig die wunderschöne Hügellandschaft des Saarlandes sowie den „allerbesten Schwenkgrill der Welt“.

Die schönsten Momente waren die, wenn er mit den anderen beiden Frontmännern Boundzound und Dellé mehrstimmig zu alten Reggae-Rhythmen sang – da war Jamaika auf dem Sauwasen zum Greifen nah. Doch auch die schnelleren Dancehall-Stücke brachten das Publikum zum Rasen. Inmitten der Show hielt die Gruppe Cold Steel Einzug – jeder der vier schwarzen US-Amerikaner hielt eine Trommel vor sich und führte exakt synchrone Bewegungen mit den anderen Mitgliedern aus. Das machte vor allem optisch sehr viel her. Alles in allem stellte der Auftritt von Seeed alle anderen beim diesjährigen „Rocco“ in den Schatten.

Durchwachsener dritter Tag

Nicht ganz so überzeugend gestaltete sich der dritte Festivaltag, auch wenn das Wetter entgegen mancher Prognose wieder mitspielte. Es fehlte einfach ein wenig die Abwechslung. Weder Reggae noch Ska oder Hip-Hop, geschweige denn andere Festival-taugliche Stilrichtungen wurden geboten – stattdessen Rock, Rock und nochmals Rock. Darüber hinaus blieben Bands wie Anti-Flag (Punkrock), Guano Apes (Rock) und Jimmy Eat World (Pop-Rock) so sehr in ihren Stilrichtungen gefangen, dass es auch innerhalb des jeweiligen Programms keine Überraschungen gab.
 

Den Draht zum Publikum konnten diese Bands nicht wirklich herstellen. Im Gegensatz zu Jennifer Rostock, deren Frontfrau Jennifer Weist immer wieder ihr überbordendes Selbstbewusstsein (ebenso wie ihre zahlreichen Tätowierungen) zur Schau stellte. Die 27-jährige bezog das Publikum mit ein, ließ den Titel „Feuer“ gar von zwei Fans singen. Zwar brannte die Band kein musikalisches Feuerwerk ab, die Sängerin zeigte jedoch mit kessen Sprüchen und viel Haut eine unglaublich starke Bühnenpräsenz. Dagegen konnten die Guano Apes nur noch blass aussehen – was sie dann auch taten. Außer den alten Hits „Open Your Eyes“ und dem Alphaville-Cover „Big in Japan“ boten die Göttinger allenfalls Durchschnittsware. Nicht viel besser machten es die US-Amerikaner von Jimmy Eat World, die sich von so manchem Festivalbesucher den Kommentar „langweilig“ einhandelten.


Der Haupt-Act des Samstagabends, Biffy Clyro, dagegen bewies, dass auch Rockmusik verschiedene Facetten aufweisen kann. Die Songs der Schotten besaßen Struktur und Kontur durch häufig wechselnde Passagen und interessante Breaks. Das Trio und die beiden Begleitmusiker überzeugten technisch und stimmlich. Da wachte das Publikum wieder auf und gestaltete gemeinsam mit Biffy Clyro einen würdigen Abschluss des diesjährigen Rocco del Schlacko.
 

  Auf einen Blick
Polizei und Deutsches Rotes Kreuz (DRK) haben eine positive Festivalbilanz gezogen. Im Vergleich zum Vorjahr sei das Festival ruhiger verlaufen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wurde nach eigenen Angaben in rund 600 Fällen um Hilfe gebeten (im Vorjahr waren es rund 800 Fälle). Die Polizei berichtete von zwölf parkenden Autos, bei denen Unbekannte in der Nacht von Freitag auf Samstag die Scheiben einschlugen und Wertgegenstände klauten. red

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