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Dröhnende Kampfjets verärgern Saarländer

Saarbrücken. Lärm ist nicht gleich Lärm, weiß Patrick Fey. Längst kann er die Geräusche am Himmel über seinem Haus in Bexbach exakt auseinanderhalten: das dumpfe Wummern der Militärtransporter aus Ramstein, das schrille Pfeifen der Bundeswehr-Tornados vom Fliegerhorst Büchel und – das Schlimmste, so Fey – das ohrenbetäubende Dröhnen der F-16-Kampfjets, die vom US-Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem aus für ihre Kampfübungen in den Himmel steigen. Dann muss Fey, der im Nebenberuf Gitarrenlehrer ist, manchmal für Minuten den Unterricht unterbrechen, weil er nicht mehr hören kann, was sein Schüler gerade spielt. Fey ist im Vorstand der „Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung“, die „Lärmereignisse“ protokolliert und sie zur Statistik „Militärischer Fluglärm“ zusammenfügt. Über 300 „Lärmereignisse“ hat die BI allein im April gezählt. In den vergangenen Wochen sei es besonders schlimm gewesen, sagt Fey. Das bestätigen etliche Leser, die sich an die SZ gewandt haben.

Ob sich die Flugübungen jedoch tatsächlich zuletzt gehäuft haben oder wegen des klaren Wetters von Betroffenen nur stärker wahrgenommen wurden, ist nicht so leicht nachprüfbar. Dem Luftwaffenamt in Köln, das den militärischen Flugbetrieb in Deutschland überwacht, ist jedenfalls keine Übung über dem Saarland bekannt, die ein erhöhtes Flugaufkommen rechtfertigen könnte, so ein Sprecher. Wenn Patrick Fey seinem Ärger Luft machen muss, schickt er „offene E-Mails“ an die Ministerpräsidentin. Wie am Mittwoch. „Sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer“, schrieb Fey, „(...) Ich bringe mein kleines Kind abends zu den Klängen ausländischer Kriegsmaschinen ins Bett und gehe morgens zu den Klängen ausländischer Kriegsmaschinen zur Arbeit, (...) um abends aus meinen eigenen vier Wänden zu fliehen, damit ich wenigstens eine kurze Zeit Ruhe vor den Klängen ausländischer Kriegsmaschinen finde. (...) Stellen Sie sich so die Zukunft der Menschen im Saarland vor?“

Fey weiß, dass Kramp-Karrenbauers Möglichkeiten, den Fluglärm einzuschränken, sehr begrenzt sind. Denn die Entscheidungsbefugnisse über die Nutzung militärisch reservierter Übungszonen, so genannter TRA (Temporary Reserved Airspaces), liegen beim Bundesverteidigungsministerium. So lange man hier an der „TRA Lauter“, die sich nahezu über das gesamte Saarland erstreckt, als einer von acht Übungszonen in Deutschland festhält oder nicht gravierende Nutzungseinschränkungen festlegt, wird sich nicht viel ändern. Dass sich das Land schon lange gegen Fluglärm einsetzt, erkennt auch Fey an. So erreichte die CDU-Regierung 2008, dass der Flugbetrieb in der „TRA Lauter“ im Sommer bis 21 Uhr eingegrenzt und Flugübungen unter 3000 Metern zeitlich beschränkt wurden. Auch an der Bildung einer mit Politikern und Militärvertretern besetzten „Arbeitsgruppe Fluglärm“ war das Land beteiligt. Doch trotz aller Bemühungen: Viel geändert habe sich nicht, sagt zumindest Fey. Zynischerweise ist die Situation für die Lärmbetroffenen offenbar nur in Kriegszeiten erträglicher.

Im Frühjahr 2011, erzählt Patrick Fey, als die USA in Libyen gegen Gaddafi kämpften, sei es am Himmel ungewohnt ruhig gewesen. Die Bürgerinitiative will weitermachen – bis sich die Situation deutlich gebessert habe, sagt Fey. Das Mindeste sei eine weitere Einschränkung der Übungszeiten – am Abend, über die Mittagszeit und in den Sommerferien. Vorbilder dafür gebe es: In einer TRA in Franken ist laut „Militärischem Luftfahrthandbuch“ der Bundeswehr um 16 Uhr Schluss mit Flugübungen, in der Schweiz sind Militärflughäfen während der Sommerferien geschlossen. Unterstützt werden die Lärmgeschädigten auch von der neuen Landregierung – im Rahmen des Möglichen, heißt es aus dem Innenministerium. Ein entsprechender Passus findet sich auch im Koalitionsvertrag von CDU und SPD.


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