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Droht bei Ford Saarlouis Kurzarbeit?

Saarlouis. Die 6000 Mitarbeiter im Ford-Werk in Saarlouis sind tief beunruhigt. Nach der Entlassung der Leiharbeiter der Firma Adecco Ende 2012 steht nun die nächste Hiobsbotschaft an. Nach Informationen des „IG Metall Vertrauenskörpers Ford-Werke Saarlouis“ an die Belegschaft sehen die weiteren vorläufigen Jahresplanungen zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat von Juni bis Jahresende 22 Tage Kurzarbeit vor. Diese soll am 3. Juni beginnen. Weiterhin sind rückwirkend zum 8. Februar bis Jahresende zehn Tage eingeplant, an denen nicht produziert wird. Hinzu kommen elf kollektive Freischichten. Nach Angaben von Betriebsratschef Gilbert Hess soll somit abzüglich von Feiertagen 2013 an 69 Tagen nicht produziert werden. 2012 habe man mit der Werkleitung im Rahmen der Urlaubsplanung 2013 bereits 20 Urlaubstage und vier Freischichten festgelegt.

Der Betriebsratschef betonte gestern gegenüber unserer Zeitung, er rechne mit der Kurzarbeit im geplanten Umfang. Dies sei zwar noch nicht endgültig beschlossen und auch noch von der weiteren Entwicklung der Ford-Autoverkäufe in den kommenden Monaten abhängig. Hess glaubt jedoch wegen der spürbaren Kaufzurückhaltung, insbesondere in Südeuropa, vorerst nicht an eine Verbesserung. Mit der Unternehmensleitung würden monatlich die neusten Zahlen und Pläne besprochen. Die endgültige Entscheidung über Kurzarbeit falle Anfang Mai zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat. Zumal die Kurzarbeit auch noch bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden muss. Hess verweist in der Betriebsrats- Information auf den großen Unterschied in den Produktionszahlen für 2012 und 2013. Demnach liefen im vergangenen Jahr noch 354 779 Fahrzeuge vom Band, 2013 sind 272 135 Autos geplant.

Für Unruhe im Werk sorgt zudem ein anonymer Brief von „treuen Mitarbeitern“, der unserer Zeitung vorliegt. In ihm werden schwere Vorwürfe gegen die Werkleitung erhoben. Demnach seien mit der Entlassung der Leiharbeiter „Schichten aufgelöst und Personal nicht ersetzt worden. Darunter leidet die Qualität extrem. So ist die Nacharbeitsrate rasch gestiegen“, heißt es in dem Schreiben. Weiter wird behauptet, die Firmenführung verfolge „zurzeit ein Modell der Schichtreduzierung und will damit Personal einsparen und die Produktionszahlen effektiv erhöhen, zu Lasten der Mitarbeiter“.

Diese Vorwürfe weisen sowohl der Betriebsrat als auch die Werkführung zurück. Der Drei-Schicht-Betrieb sei bis Ende 2016 im Rahmen einer Standortsicherungs-Vereinbarung abgesichert, so Hess. Auffallende Qualitätsmängel an den Reparatur-Ständen im Werk seien nicht festzustellen. Ford-Pressesprecherin Ragah Kamel betonte, das Ford-Werk- Saarlouis erfülle höchste Qualitätsansprüche, die weltweit gelten. Eine Kürzung des Drei- Schicht-Betriebes sei nicht geplant. Kurzarbeit wollte die Ford-Sprecherin nicht bestätigen mit dem Hinweis, Interna kommentiere man nicht. Sie räumte aber auch ein, dass vorerst nicht mit besseren Verkaufszahlen zu rechnen sei.




MEINUNG

Autokrise trifft auch das Land

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Es ist ein Alarmzeichen, dass bei Ford in Saarlouis über Kurzarbeit nachgedacht wird. Sollte es im Juni so kommen, muss alles dafür getan werden, möglichst die gesamte Belegschaft an Bord zu halten und die Zeit der Kurzarbeit für Weiterqualifizierung zu nutzen. Zumal gerade die Ford-Belegschaft in Saarlouis mit der Focus-Familie modernste Autos herstellt, die sich am Markt durchaus gut behaupten. Die europäische Finanzkrise ist jedoch ein Sonderfall. Sie hemmt den Absatz. Deshalb braucht Europa möglichst schnell eine verlässliche Finanzpolitik, die mehr Stabilität garantiert, Beruhigung auf den Märkten bringt und der Wirtschaft wieder Auftrieb gibt. Das hilft dann auch Ford in Saarlouis.
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