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Droht die Verschandelung der Saarschleife? Mettlach plant umstrittenes Bauwerk am Wahrzeichen des Landes

Wird künftig über der Saarschleife ein 40 Meter hoher Aussichtsturm in den Himmel ragen? Geht es nach den Vorstellungen der Gemeinde Mettlach, soll dies ab dem kommenden Jahr so sein. Der Turm, der oberhalb der Saarschleife an dem bekannten Aussichtspunkt Cloef errichtet werden soll, ist Teil eines Baumwipfelpfades, den die „Erlebnis Akademie“ aus dem bayerischen Bad Kötzting in Orscholz realisieren will.

Die Gemeinde begrüßt den Pfad und vor allem den inzwischen in die Kritik geratenen Aussichtsturm vor allem auch aus finanziellen Gründen. Sie verspricht sich Einnahmen aus Pacht und Beteiligung an den Eintrittsgeldern. Genau dies ist der Punkt, der Kritiker auf den Plan ruft. „Hier geht es nur um Geld“, befürchtet bei einer Online-Umfrage unserer Zeitung ein Teilnehmer den „Ausverkauf des Wahrzeichens“. Der Eingriff in die Natur ist so stark nicht, die optische Veränderung freilich enorm. Der 40 Meter hohe Turm wird die ihn umgebenden Bäume zum Teil bis zu zehn Meter überragen. Wen wundert's, wenn Kritiker dann sagen: „Für mich ist dieses Projekt eine totale Verschandelung der Landschaft.“

Nach den Plänen, die Gemeinde und „Erlebnis Akademie“ jetzt vorgestellt haben, beginnt der rund 1250 Meter lange Pfad am Veranstaltungs- und Gastronomiezentrum Cloef-Atrium, wo sich auch die Tourist-Info befindet. Rund 800 Meter des Pfades verlaufen zwischen den Bäumen entlang des früheren Märchenparks und am Blumenfels vorbei zur Cloef. Dabei erreicht der Pfad, der weitgehend aus Holzelementen errichtet werden soll, eine Höhe von bis zu 22 Metern. Oberhalb des Aussichtspunktes Cloef und der dortigen Schutzhütte soll der Pfad in den umstrittenen Aussichtsturm münden, der sich in Form eines Halbkreises, den Verlauf der Saarschleife spiegelnd, in die Höhe windet.

Der Pfad soll komplett barrierefrei gestaltet sein, daher wird die Spitze des Aussichtsturmes über Rampen erreicht, die eine maximale Steigung von sechs Prozent aufweisen. Der Turm soll mit einer Höhe von 40 Metern zwischen sieben und zwölf Meter über die Spitzen der höchsten Bäume in diesem Bereich hinausragen und eine Fernsicht bis in die Vogesen hinein bieten. Der Pfad soll so gestaltet sein, dass Besucher unterwegs anschaulich über die Besonderheiten von Flora, Fauna und Geologie an der Cloef informiert werden.

Auf rund 4,7 Millionen Euro schätzt die „Erlebnis Akademie“ die Investitionskosten. Wenn die Planungsverfahren alle wie vorgesehen ablaufen, könnte Anfang des kommenden Jahres der Bau des Pfades beginnen und bis Juli 2016 abgeschlossen sein. Die „Erlebnis Akademie“ rechnet mit etwa 250 000 Besuchern im Jahr. Der reguläre Eintrittspreis für Erwachsene soll bei zehn Euro liegen. Kritiker befürchten eine enorme Verkehrsbelastung für den Ort Orscholz .

Von dem Baumwipfelpfad nebst Aussichtsturm verspricht sich Mettlach nach den Worten von Bürgermeister Carsten Wiemann ( SPD ) einen nachhaltigen Schub für die touristische Entwicklung des Ortes Orscholz und der gesamten Gemeinde. Wiemann betonte gegenüber der SZ, das Projekt sei Teil einer umfassenden Neukonzeption des Bereiches an der Cloef, die die touristische Anziehungskraft dieses beliebten Ausflugszieles erhöhen soll. „Wir wollen die Verweildauer der Besucher an der Cloef erhöhen“, sagte Wiemann. Rund 400 000 Menschen registriert die Gemeinde eigenen Angaben zufolge jedes Jahr im Umfeld des Aussichtspunktes, der den Blick auf das Wahrzeichen des Saarlandes gestattet.

Zu der Neugestaltung des Bereiches gehört unter anderem, dass der frühere Märchenpark aufgegeben und als naturbelassener Erholungswald gestaltet wird. Auch der bisherige Parkplatz, wenige Meter von der Schutzhütte an der Cloef entfernt, wird nach diesen Plänen zurückgebaut. Zur planerischen Neugestaltung des Areals gehört ferner, dass unmittelbar neben dem Cloef-Atrium eine Fläche zur Errichtung eines Tagungshotels ausgewiesen wird.

Wiemann betonte, bei den bisherigen Planungen für den Baumwipfelpfad seien sowohl das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz, die oberste Naturschutzbehörde sowie der Landkreis als Genehmigungsbehörde eingebunden gewesen. Sowohl der Verlauf des Baumwipfelpfades als auch der Standort des Aussichtsturmes seien in mehreren Abstimmungsgesprächen mit den beteiligten Behörden festgelegt worden. Der örtliche Zweig des Naturschutzbundes (Nabu) begrüße das Projekt wegen seiner naturpädagogischen Ausrichtung ausdrücklich. Aus Sicht des Bürgermeisters stellt das Projekt einen „zumutbaren Eingriff“ in das Landschaftsschutzgebiet an der Cloef dar. „Wir nehmen zwar die Landschaft in Anspruch, aber wir geben der Natur auch etwas wieder.“ Lediglich ein Dutzend Bäume müssen nach Wiemanns Worten für den Bau des Baumwipfelpfades gefällt werden.

Am morgigen Mittwoch hat jetzt der Gemeinderat das Wort: Er soll darüber entscheiden, ob ein Bebauungsplan für die betreffende Gemarkung aufgestellt wird, der die baurechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung des Baumwipfelpfades schaffen würde. Stimmt der Gemeinderat für die Aufstellung, wird der Planentwurf offengelegt, das heißt, Bürger können diesen einsehen und gegebenenfalls Einwendungen dagegen vorbringen.  
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