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Drohungen: Wer mobbt Köllerbacher Pfarrer?

Köllerbach. Schwere Zeiten für die katholische Pfarrgemeinde Herz Jesu, zu der etwa 6500 Katholiken in Köllerbach und Walpershofen gehören: Offenbar wird Pfarrer Guido Ittmann schon seit Herbst durch anonyme Briefe übelsten Inhalts beleidigt und bedroht. Darin wird auch eine Ursache für die Erkrankung des Pfarrers gesehen, der sein Amt seit Ostern nicht mehr ausübt.

Anonyme Briefe mit übelsten Beschimpfungen

Pfarrgemeinderat, Verwaltungsrat und Mitarbeiter der Pfarrei, die die Attacken gegen ihren Pfarrer nicht hinnehmen wollen, haben zu Beginn der Gottesdienste am Samstagabend und am Sonntagmorgen eine gemeinsame Erklärung zu den Vorgängen abgegeben. Darin heißt es: „Seit Herbst letzten Jahres wird unser Pastor durch anonyme Briefe mit übelsten Beschimpfungen und Androhung körperlicher Gewalt systematisch terrorisiert. Ungeheuerlich ist die Art und Weise, wie eine Person oder einige wenige Personen, die zu feige sind, sich zu offenbaren, so versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. Ein solcher Brief wurde Pfarrer Ittmann auch unmittelbar vor der Osternachtsfeier zugestellt und muss als Auslöser der plötzlichen Erkrankung angesehen werden.“ Der unmittelbar nach der Osternachtsfeier erkrankte Pastor stehe voraussichtlich bis Ende Mai, möglicherweise auch länger, der Pfarrei wegen der Erkrankung nicht zur Verfügung.

Bedrohungen für Leib und Leben

Details der Bedrohungen wurden bewusst nicht genannt. Doch hieß es in der Erklärung: Wer wolle, könne sich selbst entweder im Pfarrbüro oder bei den Mitgliedern der Kirchengremien über die Inhalte der Briefe informieren.

Seitens des Verwaltungsrates hieß es auf Nachfrage zum Inhalt der Briefe, dass es sich um Bedrohungen für Leib und Leben handele; wer solche Drohungen erhalte, der könne „hinter jeder Ecke jemanden erwarten, der einen zusammenschlägt“.

Was den oder die Täter – es wird eher nicht von einem Einzeltäter ausgegangen – zu den Drohungen und Hasstiraden veranlasse, darüber könne man nur Vermutungen anstellen. Doch die Vermutung liege nahe, dass dabei auch die Sparmaßnahmen des Bistums Trier eine Rolle spielen.

 

Zur Erinnerung: Das Bistum muss sparen, es unterzieht sich derzeit einer Neustrukturierung (Bildung neuer Pfarreiengemeinschaften), und in vielen Pfarreien kommt es zu konkreten Sparmaßnahmen. So soll mittelfristig voraussichtlich auch die Begegnungskirche in Köllerbach-Engelfangen geschlossen werden, deren Bau vom Kirchbauverein mitfinanziert wurde. In diesem Zusammenhang war schon am 20. Oktober ein nicht unterschriebener Brief mit verschiedenen Vorwürfen an Weihbischhof Robert Brahm geschickt worden, ein Brief, der jedoch übers Ziel hinaus geschossen und unsachlich gewesen sei, so damals die Quintessenz einer Reaktion von Pfarrer und Pfarrgemeinderat auf das Schreiben. Dass auch der Haussegen in der Gemeinde etwas schief hing, mag sich daran gezeigt haben, dass Pfarrer Ittmann im Herbst verschiedene Veranstaltungen von Vereinen in der Begegnungskirche absagte. In den Gottesdiensten am Wochenende baten die Verantwortlichen der Pfarrei die Gemeindemitglieder auch um Verständnis, dass plötzliche Änderungen bei den Terminen der Pfarrei oder den Ankündigungen des Pfarrbriefs derzeit unumgänglich seien.

Hintergrund

Sparmaßnahmen der Herz-Jesu-Gemeinde: Bereits vor einem Jahr hatten die Pfarrei Herz Jesu harte Maßnahmen ins Kalkül gezogen, um die Finanzen nicht aus dem Ruder laufen zu lassen: Weil die Pfarrei über vier Kirchen, ebenso viele Pfarrheime und ein großes Pfarrhaus verfügt, sei es nicht mehr möglich, all diese Gebäude weiterhin zu unterhalten, zumal für einige der pastorale Bedarf nicht mehr gegeben sei. Aus diesem Grund hatte die Kirchengemeinde bereits 2009 ihr damals leer stehendes Vereinshaus verkauft.
 

Im Pfarrbrief hieß es vor einem Jahr: „Der Verwaltungsrat hat deshalb beschlossen, ab sofort und auf unbestimmte Zeit das Vermögen der Pfarrei ausschließlich zum Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden Pfarrkirche, des Ensembles des Schwesternhauses sowie des Pfarrhauses zu verwenden und somit an allen anderen Gebäuden keine Sanierungs- und Baumaßnahmen mehr durchzuführen.“

Für den Kindergarten St. Martin wurde das Übertragen an die Stadt beschlossen. Für die Sanierung der Peter-und-Paul-Kirche in Walpershofen sollte es kein Geld mehr geben: Falls dem Kirchbauverein die Sanierung nicht allein gelinge, werde die Kirche geschlossen, ebenso das benachbarte Petrusheim. Mittelfristig, hieß es damals, werde auch der Gebäudekomplex der Begegnungskirche aufgegeben. Auch in die Etzenhofer Wendalinuskapelle werde nicht mehr investiert (zum Erhalt der Kapelle hat sich inzwischen ein Verein gegründet). mr

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