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Dürfen Schüler und Lehrer Facebook-Freunde sein?

Saarbrücken. Liebe und Freundschaft – das sind die Themen, über die Katharina Feickert am liebsten in ihren Gedichten schreibt. Doch manchmal ist die 13-Jährige unzufrieden mit Formulierungen und Reimen. Dann kopiert sie die Verse kurzerhand in eine Nachricht im sozialen Netzwerk Facebook und bittet ihre Lehrerin Doris Kreitner um Rat. „Die schreibt selber Gedichte und gibt mir dann Tipps“, sagt die Achtklässlerin aus St. Wendel. Mit ihren Lehrern auf Facebook befreundet zu sein und mit ihnen auch in der Freizeit zu schreiben, ist für sie eine ganz selbstverständliche Art der Kommunikation.

Täglich erreichen Doris Kreitner zwischen zehn und 20 Facebook-Nachrichten ihrer Schüler. Fragen zu den Hausaufgaben, die Bitte um Aufschub bei einem Referat, kleine Nettigkeiten, aber auch die großen Probleme mit dem Freund oder den Eltern. „Viele sind zu schüchtern, den direkten Kontakt zu suchen. Zu schreiben fällt ihnen leichter“, sagt Kreitner, die an einer Schule im Nordsaarland Kunst unterrichtet. Jeder Schüler bekommt von ihr eine Antwort.

Im Durchschnitt opfert sie am Tag dafür eine halbe Stunde ihrer Freizeit. Sie weiß, wie viel Vertrauen ihr entgegengebracht wird; manche Geschichten gehen der 44 Jahre alten Pädagogin selbst nah. Seit knapp zwei Jahren ist Katharina auf Facebook aktiv. Nur drei Lehrern hat sie auf Facebook eine Freundschaftseinladung geschickt, weiß aber von Mitschülern, die „Freunde“ im sozialen Netzwerk „sammeln“ und unbedarft Lehrer zu ihren privaten Kontakten hinzufügen.

Wie viele Freunde sie auf Facebook hat, weiß Doris Kreitner auf Anhieb nicht. „So zwischen 800 und 1000“, schätzt sie, „davon sind bestimmt 700 Schüler, die mich eingeladen haben.“ Diese können auch alles auf ihrem Profil sehen, zwischen privaten Freunden und beruflichen Kontakten unterscheidet sie nicht. „Meine Schüler sollen mich als ganzen Menschen sehen, nicht nur als Lehrerin. Intimes schreibe ich dort ja nicht“, findet Kreitner. Die meisten ihrer Kollegen, die auf Facebook aktiv sind, hielten es genauso.

Eine Haltung, die der Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV), Herbert Möser, ablehnt: „Es muss eine eindeutige Trennung zwischen Lehrern und Schülern geben, insbesondere den Nicht-Volljährigen.“ Das gebiete schon der gegenseitige Respekt. „Lehrer sollten Beruf und Privatperson auch auf Facebook auseinanderhalten und Freundschaftsanfragen ihrer Schüler ablehnen.“

Wohin die Aufhebung der Trennung führen kann, zeigt das Beispiel eines Pädagogen an einer kirchlichen Schule in Passau, der im Mai wegen eines Facebook-Chats mit einer Schülerin suspendiert wurde. Er habe Formulierungen verwendet, die Außenstehenden unpassend vorkamen, hieß es. Forderungen wie die des Düsseldorfer CDU-Politikers Thomas Jarzombek nach einer Facebook- Pflicht für Lehrer kann Mathelehrer Möser bei allem Befürworten größtmöglicher Medienkompetenz für seine Kollegen daher nicht nachvollziehen.

Digitaler Austausch müsse nicht über Facebook laufen, es gebe schließlich auch die E-Mail. „Der ratgebende Lehrer kann sich bei einem Chat nicht sicher sein, ob er nur mit einem Schüler redet oder ob er sich einer riesigen Kolonie präsentiert“, gibt Möser zu bedenken.
„Unser Ziel ist es, Schüler zur direkten Kommunikation zu ermutigen.“ Die schriftlichen Kontakte auf Facebook hätten die direkte Beziehung zu den Schülern gestärkt, findet Doris Kreitner: „Es ist ein engeres Verhältnis, wenn man über Privates geschrieben hat und ich helfen konnte.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Branchenverband Bitkom in einer Umfrage: So findet etwa die Hälfte der Lehrer, dass Online- Diskussionen mit ihren Schülern dem Unterricht gut tun könnten. In manchen Bundesländern schreibt mitunter die Schule die Verhaltensregeln vor und verpflichtet ihre Lehrer, sofern sie sich online mit Schülern befreunden wollen, zu zwei Profilen: einem privaten und einem dienstlichen.

Solche Richtlinien sind im Saarland nicht geplant: „Den Lehrkräften ist bewusst, dass es das Dienstverhältnis einer Lehrkraft gebietet, eine gewisse Distanz zu den Schülern und Schülerinnen zu wahren – unabhängig davon, um welche Kommunikationsformen und -strukturen es sich handelt“, heißt es aus dem Bildungsministerium. Aber dürfen Lehrer Informationen benutzen, die sie über Facebook über ihre Schüler lesen?

Nein, findet Gesamtlandesschülersprecher Alexander Zeyer: „Was der Schüler nach Schulschluss macht, geht den Lehrer nichts an.“ So sei es vorgekommen, dass ein als krank gemeldeter Schüler auf Facebook schrieb, er werde am Abend auf eine Party gehen. „Ein Lehrer hat ihn zur Rede gestellt, was ich nicht richtig finde.“ Aus den Dialogen ihrer Schüler untereinander auf Facebook hält Kreitner sich raus – meistens jedenfalls. „Sehe ich, dass eine Schülerin Fotos von sich hochlädt, auf denen sie halbnackt ist, spreche ich mit ihr und versuche, ihr liebevoll klarzumachen, was das für Auswirkungen haben kann.“

Auch bei Beleidigungen schreitet sie ein, versteht das als ihren Bildungsauftrag: „Bisher gab es keine Probleme, die Schüler haben die anstößigen Dinge sofort gelöscht.“


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