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E-Mobil Saar: Elektroauto-Projekt im Saarland gescheitert

Steh-Mobile: Viele Fahrzeuge finden wochenlang keine Nutzer.

Steh-Mobile: Viele Fahrzeuge finden wochenlang keine Nutzer.

Öffentlicher Personennahverkehr verknüpft mit Elektromobilität – das war die Zielsetzung des Projekts EMobil Saar . Am 31. Mai ist das auf drei Jahre angelegte Projekt ausgelaufen, und die Bilanz ist ernüchternd. Nur an wenigen Stationen wurden die E-Mobile überhaupt genutzt, an anderen Stationen dagegen gar nicht. Die Bahn, die die Vermietung der Fahrzeuge über ihr Web- Portal Flinkster übernommen hat, überlegt jetzt, die 20 Elektro-Fahrzeuge in Saarbrücken zusammenzuziehen und dort im Rahmen eines Carsharing- Projekts anzubieten.

Mit großen Hoffnungen ist das Projekt 2011 an den Start gegangen, das noch die grüne Umweltministerin Simone Peter im Rahmen der Jamaika-Koalition auf den Weg gebracht hatte. Geplant war damals der Bau von zehn Ladestationen an zentralen Orten des Saarlandes, vor allem an Bahnhöfen, an denen ab März 2013 insgesamt 20 E-Autos verfügbar waren.

Auch beim Ausbau der Lade-Infrastruktur an der Saar ging es zügig voran. Heute sind die 20 Elektrofahrzeuge auf 19 Standorte im Land verteilt. Zusätzlich können sie an 14 weiteren Stationen geladen werden. Neu ist seit Anfang des Jahres, dass auch Privatleute mit ihren E-Autos die Stationen nutzen können.

Trotz des großen Optimismus beim Start des Projekts – die Euphorie der Nutzer blieb aus. Gerade einmal 209 Kunden hätten die E-Stationen zwischen Januar 2013 und Ende Juni 2014 genutzt, teilte die Deutsche Bahn mit. Und diese Kunden hätten gerade einmal 813 Buchungen getätigt. Im Schnitt kommen also auf jeden Nutzer gerade einmal vier Buchungen. Noch ernüchternder ist die Bilanz, wenn man in Betracht zieht, dass beispielsweise auch Landesgesellschaften und Kommunen zu den Kunden zählen. So zählt nach SZ-Informationen auch die Landesgesellschaft GIU zu den Nutzern von E-Mobil-Saar. Ihr Sitz ist nahe der Station auf den Saarbrücker Saarterrassen. Schreibt man diesen Nutzern einen höheren Anteil an den Buchungen zu, fällt das Ergebnis für die übrigen Kunden noch dürftiger aus.

Ebenso ernüchternd ist eine Analyse der Buchungszahlen nach Standorten. Während es in Saarbrücken in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mit 145 Buchungen noch passabel gut aussieht, gab es in Dillingen, Riegelsberg und St. Wendel gerade einmal vier Buchungen, Kleinblittersdorf und Mettlach blieben sogar ganz ohne Kunden . Stattdessen mussten die EMobile nach Auskunft der Bahn einmal wöchentlich bewegt werden, um ein Entladen der Batterien zu vermeiden.

Zwar räumt das Wirtschaftsministerium ein, dass „die Auslastung der Mietfahrzeuge hinter den Erwartungen“ zurückgeblieben sei. Näheres könne man aber noch nicht sagen, weil das Projekt gerade ausgewertet werde, sagte ein Sprecher. Auch das Institut für Zukunftsenergiesysteme (IZES), das das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Projekt federführend begleitete, lehnte einen Kommentar ab. Kritiker gehen allerdings davon aus, dass es mehrere Gründe für das Scheitern gab. Einerseits das aufwendige Antragsverfahren, um mit einer Mobilitätskarte überhaupt die Fahrzeuge nutzen zu können. Dann der hohe Preis von fünf Euro Stundenmiete und die Tatsache, dass die Fahrzeuge immer am gleichen Standort zurückgegeben werden mussten. „Letztlich war das Konzept auf Geschäftskunden ausgelegt“, sagt ein Verkehrsexperte. Für die jedoch sei das System zu teuer, umständlich und unflexibel. Außerdem hätte diese Zielgruppe üblicherweise ein eigenes Auto.

Die Bahn zieht jetzt die Reißleine. Sie will die Fahrzeuge aus der Fläche zurückziehen und stattdessen in Saarbrücken ein „Quartiers-Carsharing“ anbieten, teilte ein Sprecher mit. Voraussetzung sei dafür jedoch ein lokaler Partner für den Betrieb, günstige Parkkonditionen von Seiten der Stadt und eine „betens funktionierende Lade-Infrastruktur“.



MEINUNG

Autos ohne Nutzer

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Eigentlich hat der Gedanke Charme: Im Flächenland Saarland, wo der Nahverkehr noch deutliche Lücken hat, mit E-Autos den Lückenschluss bieten. Als schnelle Alternative, wenn der Zug- und Bustakt so gar nicht passt. Oder als Rettung, wenn der letzte Zug schon weg ist. Doch dafür war das System zu teuer – und zu unflexibel. Zu teuer, weil fünf Euro pro Stunde für Privatkunden schon eine echte Hürde sind. Das mietet man nicht „mal so“. Und zu unflexibel, weil das E-Auto letztlich immer am gleichen Standort zurückgebracht werden muss. Die Kunden haben am Ende durch Nicht-Nutzung abgestimmt und dem Modell-Projekt damit das Siegel „gescheitert“ aufgedrückt. Und die Bahn reagiert, indem sie die Fahrzeuge wieder abzieht. Außer Spesen ist bei E-Mobil Saar nicht viel gewesen.
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