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EX-FCS-Star Choji: Heimweh nach Saarbrücken

Sambo Choji, Ex-Fußballprofi des 1. FC Saarbrücken, leitet eine Fußball-Akademie in Nigeria.

Sambo Choji, Ex-Fußballprofi des 1. FC Saarbrücken, leitet eine Fußball-Akademie in Nigeria.



Jos/Nigeria. „Isch bin ein Saarländer“, sagt nicht der 1963 ermordete US-Präsident John F. Kennedy, sondern Sambo Choji. Auf seinem Pass ist Choji genauso wenig Saarländer, wie Kennedy ein Berliner war. Beide teilen noch eine weitere Gemeinsamkeit. Der ehemalige Fußball-Profi des 1. FC Saarbrücken und das frühere Staatsoberhaupt Amerikas waren für ihre Anhänger Lieblinge und Hoffnungsträger. Kennedy auf der politischen Welt-Bühne, Choji im Saarbrücker Ludwigsparkstadion. Der wohl größte Unterschied zwischen beiden: Choji lebt. Und das nicht nur in den Köpfen seiner treusten Fans, sondern leibhaftig in seinem Heimatland Nigeria.

Sambo Choji Soccer Academy

„Ich habe mir hier eine Fußball-Akademie aufgebaut und versuche, aus einem der Jungs hier einen nächsten Sambo zu machen“, erzählt Choji und klingt dabei so, wie man ihn aus seiner Zeit in Saarbrücken in Erinnerung hat: fröhlich. Er hat Spaß an seiner Arbeit und erzählt stolz, dass er bei seinem Jugendverein Plateau United schon drei Spieler aus seiner Akademie unterbringen konnte. Auch wenn Plateau derzeit Tabellenletzter der nigerianischen Premiere League ist. Etwa 220 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen acht und 17 Jahren trainieren an der „Sambo Choji Soccer Academy“ in Jos und hoffen durch seine Vermittlung auf einen Profivertrag.

83 Tore in 187 Spielen

Sie wollen es so machen wie er damals. Im Alter von 17 Jahren kam Choji 1994 nach Europa und spielte im belgischen Anderlecht vor. Ein deutscher Berater wurde dort auf ihn aufmerksam und vermittelte ihn zum 1. FC Saarbrücken. In der Landeshauptstadt angekommen, konnte ihm vor seinem 18. Geburtstag nur ein Amateurvertrag angeboten werden, weshalb er bis dahin an die SF Hostenbach ausgeliehen wurde. Mit 83 Toren in 187 Spielen schoss sich der heute 33-Jährige in die Herzen des Saarbrücker Publikums. „Im Saarland hatte ich die beste Zeit meines Lebens. Nur weil ich bei Saarbrücken gespielt habe, wurde ich bekannt“, sagt der Nigerianer, bei dem sogar der WM-Titel, den er 1993 mit der U17 Nigerias gewann, gegen die Zeit bei den Blau-Schwarzen abstinkt.

Angeblich drei Haftbefehle

Allerdings gab es auch eine Zeit, in der sich der ehemalige Stürmer in Deutschland nicht wohl gefühlt hätte und sich deshalb hier nicht blicken lassen konnte. Medienberichten zufolge wurden seit 2003 angeblich drei Haftbefehle zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung gegen ihn ausgestellt. Zwei davon wegen Mietschulden in Braunschweig und einer Bezug nehmend auf einen Jaguar, den Choji bei einem Saarbrücker Autohaus gekauft haben soll.

In der Saarbrücker Zeitung beteuerte Choji damals, „verarscht“ worden zu sein und dass ihm „alles unheimlich Leid“ tue. Heute sagt er zu den Vorwürfen: „Ich hatte das Geld schon nach Deutschland geschickt, als ich im Iran war.“ Dort spielte Choji von 2004 bis 2006. „Aber keiner hatte mir gesagt, ob es angekommen ist oder nicht. Ich habe auch nie eine Mitteilung darüber bekommen, dass ein Haftbefehl vorliegt.“ Dabei macht ihm vor allem das Wort „Haftbefehl“ noch immer zu schaffen: „Ich bin kein Krimineller. Ich habe in meinem Leben noch nie gestohlen, hatte nie etwas mit Drogen zu tun, und ich habe auch niemanden umgebracht. Ich war immer ein stolzer Fußballer“, stellt Choji klar und sagt zum Thema Mietschulden: „Schulden hat doch die ganze Welt. Wenn das alles nur wegen der Schulden war, dann sollte man das nicht so übertreiben. Selbst der Staat Nigeria hat Schulden bei der Weltbank.“

Haftbefehle sind mittlerweile verjährt

Bis zum gestrigen Gespräch wusste Choji nicht einmal, wie es aktuell in dieser Sache um ihn steht. Klacken beim Aussteigen aus einem Flieger auf deutschem Boden die Handschellen? Nein. Laut Informationen läuft gegen ihn an der Saar kein Ermittlungsverfahren, und die Haftbefehle sind mittlerweile verjährt – jedenfalls in Deutschland. „Das ist ja super“, platzt es nach der frohen Kunde aus ihm heraus: „Das freut mich jetzt wirklich. Ich denke, dass ich schon im Juni nach Deutschland kommen werde.“

Den Freudenrausch toppt der mittlerweile kompakt statuierte 1,72-Meter-Mann mit einer ernsten Ankündigung: „Ich werde 34 Jahre, da kann ich noch ein, zwei Jahre spielen. Ich würde für den FCS sogar ein Jahr umsonst spielen, wenn ich könnte. Hätte ich ein paar Pfunde weniger auf den Rippen und würden die Beine mitmachen, könnte ich dem Verein bestimmt helfen. Ich arbeite dran.“

Chronische Verletzung nach Schienbein-Operation

Das größere der beiden Probleme ist wohl die chronische Verletzung, die Choji nach einer Schienbein-Operation Ende der Neunziger mit sich herumträgt. „Manchmal kommen die Schmerzen schon, wenn ich nur ein bisschen trainiere. Dann dauert es bis zu einer Woche, ehe die Beine wieder okay sind.“ Auch eine Anstellung als Trainer könnte sich Choji vorstellen: „Wenn ich wieder nach Deutschland komme, würde ich gern eine Trainerschule besuchen. Aber ich muss jetzt erst mal schauen, wie es weitergeht. Vielleicht werde ich ja irgendwann mal Trainer in Saarbrücken, wer weiß.“ > wird fortgesetzt

Zur Person

Sambo Choji wurde am 13. März 1977 in Benin-Stadt (Nigeria) geboren. Für den 1. FC Saarbrücken absolvierte er in acht Jahren (1995 bis 2002, 2003/2004) insgesamt 187 Spiele (83 Tore) in der 2. Liga und Regionalliga. Für Eintracht Braunschweig (2002/2003) traf er in 23 Zweitliga-Spielen acht Mal. Vor seiner letzten Station bei SKN St. Pölten/Österreich (2006) spielte Choji bei Persepolis Teheran im Iran (2004 bis 2006). zen

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