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Eberspächer baut in Neunkirchen 300 Stellen ab

Der Automobilzulieferer Eberspächer verliert immer mehr Aufträge für sein Werk Neunkirchen an Mitbewerber. „Wir schreiben seit geraumer Zeit eindeutig keine schwarzen Zahlen mehr in Neunkirchen“, sagte gestern der geschäftsführende Gesellschafter der Eberspächer- Gruppe, Heinrich Baumann, in Esslingen. Das Werk sei nicht mehr konkurrenzfähig. Neunkirchen ist für die Herstellung von Abgastechnik der größte Standort der Unternehmensgruppe. Zusätzlich erschwert werde die Lage durch zunehmenden Druck der Autohersteller. Diesen müsse Eberspächer jährlich weitere Preis-Zugeständnisse machen, sagte Baumann.

Das Neunkircher Werk hat nach Baumanns Auffassung langfristig nur eine Überlebenschance, wenn die Fertigung mehr automatisiert wird, die Produktivität steigt und weniger Personal gebraucht wird. Deshalb will Eberspächer in einem ersten Schritt innerhalb der kommenden zwei Jahre 300 der 1950 Arbeitsplätze abbauen. Davon betroffen sind je zur Hälfte Arbeitnehmer aus der Stammbelegschaft sowie Zeitarbeiter. Der Personalabbau soll nach der Sommerpause beginnen. Baumann schloss auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Gespräche über Details der Umsetzung sowie ein Maßnahmenpaket zur Kostensenkung liefen bereits mit dem Betriebsrat seit April. „Wir drehen jeden Cent um“, sagte der für Neunkirchen zuständige Geschäftsführer Thomas Waldhier.

Ob zu den Kürzungen auch Einschnitte oder gar der Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld gehören, ließ Baumann offen. Auch die Strom- und Materialkosten seien deutlich zu hoch. Nach Recherchen unserer Zeitung hat der Betriebsrat bereits im Jahr 2011 auf Eigeninitiative ein Standortsicherungsprogramm erarbeitet – mit dem Ziel, neue Produkte nach Neunkirchen zu holen. Dies geschah in Absprache mit der Geschäftsführung. Das Vorhaben blieb aber bis heute ohne Erfolg. Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Neunkirchen, Jörg Caspar, forderte ein Gesamtkonzept für den Standort und bemängelte, dass das Eberspächer-Werk im Laufe von zehn Jahren neun verschiedene Chefs hatte. Baumann erwartet auf absehbare Zeit aus Europa kein größeres Wachstum für das saarländische Werk. Im Zuge der Einführung der neuen Abgasnorm Euro 6 im kommenden Jahr gingen in Neunkirchen zwar neue Produkte an den Start.

Aber auch dies können die Wettbewerbsnachteile nicht wesentlich verringern. Eberspächer produziert in Neunkirchen für alle wichtigen Autohersteller: von Volkswagen über BMW bis hin zu Daimler. Aus Deutschland kommen mittlerweile jedoch nur noch 40 Prozent des Umsatzes, aus der EU 30 Prozent. Starke Wachstumsschübe seien künftig vorrangig aus Asien und Amerika zu erwarten. Gleichzeitig gebe Eberspächer den Erwartungen der Autobauer nach, dass Zulieferer den Herstellern mit eigenen Werken folgen. So werde Eberspächer verstärkt Werke in Asien sowie anderen Wachstumsregionen eröffnen, während in Europa eher mit einem weiteren Rückgang der Produktion gerechnet werden müsse. Im laufenden Jahr bewegt sich Eberspächer nach Einschätzung der Geschäftsführung in einem „wirtschaftlich schwierigen Fahrwasser“. Das abgelaufene Geschäftsjahr bezeichnete das Management als „insgesamt zufriedenstellend“. Der Umsatz sei um 9,1 Prozent auf 2,82 Milliarden Euro gestiegen. Das Ergebnis lag mit 71,5 Millionen Euro rund 6,3 Prozent unter dem Vorjahreswert von 76,3 Millionen Euro.

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