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Ein Autofahrer war mit Tempo 179 unterwegs, wo 100 Stundenkilometer erlaubt sind

Zwischen den Dienstwagen der Polizeidienststelle in Türkismühle ist ein Tisch aufgebaut. Zwei Bleche mit Einback, Kannen mit Kaffee, Milch und Zucker stehen bereit. Die Beamten greifen zu, stärken sich für den Einsatz.

Es ist 7.30 Uhr. Dienststellenleiter Gernot Müler begrüßt die Uniformierten, die an diesem Morgen nicht allesamt zu seinem Team gehören. Denn auch Kollegen des Zentralen Verkehrsdienstes, Beamte vom Hauptzollamt in Saarbrücken und vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) sind da. Gemeinsam rücken sie zur Kontrolle aus. Vor allem Laster werden sie überprüfen. „Wir haben von Türkismühle aus 90 Kilometer Autobahn auf der A 62 und der A 1 zu betreuen“, erläutert Müller. Er verspricht sich von der Zusammenarbeit mit Verkehrsdienst, Zoll und BAG, dass seine Kollegen ihr Fachwissen auffrischen können.

Die Einsatzleitung übernimmt Jürgen Albert von der PI Türkismühle . Es habe mehrere Vorbesprechungen zum Ablauf gegeben, erinnert er. Drei Kontrollpunkte richten die Fahnder ein: an der A 62 auf dem Parkplatz Sötern (in Fahrtrichtung Nonnweiler), an der L 133 nahe der Firma Hörmann und an der B 41. Auch sind Beamte in ihren Wagen auf der A 1 unterwegs.

Die Beamten nicken sich zu, trinken ihren Kaffee aus und machen sich auf den Weg. An der A 62 kurz vor der Ausfahrt zum Parkplatz Sötern weisen Schilder auf die Verkehrskontrolle hin. Es ist jetzt kurz nach 8 Uhr. Bis auf die Wagen von Polizei , Zoll und BAG ist der Parkplatz verwaist. Die Beamten ziehen Sicherheitswesten in leuchtenden Gelb- und Orange-Tönen über. Der Einsatz kann beginnen.

Etwa eine Viertelstunde später rollen die ersten Laster in die zugewiesenen Haltebuchten. Einer von ihnen kommt aus Lettland. In Flip-Flops steigt der Fahrer aus, öffnet für die Beamten die Ladeluke. Mit Taschenlampen leuchten die Polizisten ins Innere. Holzpaletten sind aufgestapelt – alles in Ordnung. Als nächstes inspizieren die Beamten die Reifen des Sattelzuges. Routine, wie Christian Marx, Einsatzleiter des Verkehrsdienstes, erklärt. „Die Reifengröße wird überprüft und mit den vom Tüv in der Fahrerkabine angebrachten Angaben verglichen.“ Auch die Profilstärke wird gemessen. Mit Wortbrocken und Gesten funktioniert die Kommunikation zwischen Fahrer und den Kontrolleuren. „Wir haben es mitunter auch mal mit Verständigungsschwierigkeiten zu tun. Die Fahrer verstehen oft, was sie verstehen wollen“, sagt Marx und schmunzelt. „Und das, was sie verstehen und was nicht, kann sich während der Kontrolle schnell mal ändern. Wenn wir zum Beispiel den Staatsanwalt am Telefon haben“, ergänzt Diana Weis vom Saarbrücker Hauptzollamt.

Der Fahrer des lettländischen Lkws wartet geduldig, während die Daten seines Fahrtenschreibers ausgelesen werden. Dann noch schnell ein Atem-Alkohol-Test. 0,0 Promille zeigt das Gerät an. „Alles in Ordnung“, lautet das Fazit der Beamten. Der Mann darf weiterfahren.

Derweil wird ein Bus auf den Parkplatz gewunken. „Aus Sicht des Zolls sind Busse interessant, da Unternehmen Personenbeförderungssteuer bezahlen müssen“, erläutert Weis. Auf diesen speziellen Omnibus trifft das nicht zu, denn der Fahrer ist alleine damit unterwegs. Für ihn ist die Kontrolle ruckzuck erledigt. Dieses Glück hat der Fahrer eines weiteren Lasters nicht. Den Beamten fällt auf, dass die Bremsen an dem schwergewichtigen Fahrzeug hinüber sind. Mit einer Polizei-Eskorte geht es für den Fahrer nach Losheim in die Werkstatt. „Er darf erst weiterfahren, wenn der Schaden behoben ist“, erläutert Hans Jürgen Kaiser, Einsatzleiter beim BAG. Außerdem gibt es eine Geldstrafe und einen Punkt. Besonders ärgerlich, denn, wie Kaiser berichtet, hat der Fahrer den Laster erst im April übernommen und eine Hauptuntersuchung machen lassen. Eigentlich alles richtig gemacht. Der technische Zustand der Fahrzeuge ist ein Kontrollkriterium der BAG, aber auch Lenk- und Ruhezeiten oder Beförderungsgenehmigungen werden überprüft.

Um die Bekämpfung von Schwarzarbeit geht es unter anderem dem Zoll bei seinen Kontrollen. Deshalb werden an diesem Montagmorgen alle Fahrer zu ihrem Beschäftigungsverhältnis befragt. Wie viel sie verdienen, wie ihre Arbeitzeiten sind – diese Fragen gehören zum Katalog. Der Großteil der Fahrer gibt geduldig Auskunft. So auch ein junger Mann, der noch in der Ausbildung zum Berufskraftfahrer ist. Ein erfahrener Kollege, der einen Kleinlaster auf den Parkplatz steuert, ist nicht so kooperativ. Kaum stellt die Zollbeamtin die erste Frage reagiert der Mann gereizt. Zu seinem Verdienst möchte er keine Auskunft geben. Auch nicht, als ihn ein Zollbeamter darauf hinweist, dass er dazu verpflichtet sei.

Ein Beamter des BAG wertet derweil den Fahrtenschreiber aus – und zwar in einem Kleinbus, der einer Mini-Einsatzzentrale gleicht. Hier sind zwei Arbeitsplätze mit Laptop, Unterlagen, Stempel und Schreibutensilien untergebracht. Auch einen Drucker und ein EC-Kartengerät gibt es. Das Ergebnis der Auswertung kann die Laune des Kleinlaster-Fahrers nicht verbessern – eher im Gegenteil. Denn die Lenk- und Ruhezeiten sind nicht eingehalten worden. Das bedeutet eine Geldstrafe in Höhe von 30 Euro.

Der Fahrtenschreiber des jungen Lkw-Fahrers in Ausbildung hingegen ist in Ordnung. Dennoch sitzt der junge Mann bei Jürgen Albert im Polizeiwagen. Er gibt eine Speichelprobe auf einem Teststreifen ab. „Mir sind seine geschwollenen Augäpfel, geweitete Pupillen und zittrige Hände aufgefallen“, erklärt der Türkismühler Polizist. All das könne auf Drogenkonsum hindeuten. Die Speichelprobe kommt in ein kleines rechteckiges Gerät. Dieses testet die gängigsten Drogen wie Cannabis, Kokain, Heroin oder Metadon. Acht Minuten braucht das Gerät bis das Ergebnis vorliegt. Der junge Mann wirkt entspannt, vertritt sich die Beine. Dann das Ergebnis: der Drogentest ist negativ, er kann weiterfahren.

Fünf Stunden sind für die Kontrollen eingeplant. Am Rastplatz in Sötern ist Halbzeit. „Nach Anlaufschwierigkeiten, läuft die Zusammenarbeit gut“, lobt Albert. Bis zu 45 Minuten könne die Kontrolle eines Fahrzeuges dauern.

Der nächste Laster, gefolgt von einem Bus fährt auf den Parkplatz. Polizisten knien neben den Reifen, kontrollieren Ladungen, Zollbeamte starten ihre Befragungen – und all das bei teils heftigem Regen. Aber das sind die Beamten gewöhnt und nehmen es locker. Und bei der Abschlussbesprechung gibt es in Türkismühle wieder heißen Kaffee zum Aufwärmen. 50 Beamte von Polizei , Hauptzollamt Saarbrücken und Bundesamt für Güterverkehr (BAG) haben gemeinsam fünf Stunden lang Laster auf der A 62, der A 1 und der B 41 kontrolliert. Das Fazit bei der Abschlussbesprechung sei durchweg positiv gewesen, berichtet Gernot Müller, Chef der Polizeidienststelle in Türkismühle .

120 Laster wurden kontrolliert. Das BAG vermeldet unter anderem sechs Verstöße gegen die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten und eine Anzeige in Sachen Gefahrengut. Die Beamten vom Zoll haben 100 Erfassungsbögen, die es nun auszuwerten gilt. Wie Diana Weis vom Saarbrücker Hauptzollamt erklärt, liegen schon jetzt konkrete Verdachtsfälle vor. So wurde beispielsweise in sieben Fällen der Mindestlohn unterwandert und sieben Mal keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt.

Der Polizei ging ein Fahrer ohne Führerschein, mit gefälschten Nummernschildern und ohne Versicherungsschutz ins Netz. Außerdem haben die Beamten zwei Fahrern die Weiterfahrt untersagt. Den Fahndern auf der A 1 fiel eine 22-jährige Autofahrerin auf. Sie stand unter dem Einfluss von Drogen. Eine Blutentnahme wurde angeordnet. Außerdem lieferten sich die Beamten eine Verfolgungsjagd mit einem Fahrer, der falsche Kennzeichen auf seinem Wagen angebracht hatte. Über eine Wiese ist er schließlich entkommen. „Über das hohe Aufkommen an Verstößen sind wir erstaunt“, bilanziert Einsatzleiter Jürgen Albert. Das gilt auch für die Ergebnisse der Geschwindigskeitsmessung auf der A 62. Vor dem Parkplatz Sötern wurde das Tempo reduziert: für Pkw auf 100 für und Lkw auf 60. Es wurde die Geschwindikeit von 1469 Pkw gemessen. Davon waren viele zu schnell unterwegs. 80 Fahrer müssen Warngeld zahlen, 70 geht eine Anzeige zu und zehn bekommen Fahrverbot. Das ist eine Übertretungsquote des Tempolimits von zehn Prozent. „Normalerweise ist bei solchen Messungen jeder 20. Autofahrer zu schnell. Das sind fünf Prozent. Hier haben wir das Doppelte“, ist Albert erstaunt. Übrigens: Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei 179 Stundenkilometern.  
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