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Ein Biber ist jetzt St. Ingberter

St. Ingbert. Er ist ein hervorragender Schwimmer, ein geschickter Baumeister und ein treues Kerlchen. Die Rede ist von dem Biber. Der nachtaktive Nager hat sich inzwischen auch in St. Ingbert niedergelassen. „Das war eine ungewöhnliche und kaum fassbare Entdeckung“, so beschreibt Helge Heyd, 1. Vorsitzender des Nabu St. Ingbert, den Moment, in dem die Tierschützer erste Spuren eines Bibers entdeckt haben. Das war vor anderthalb Jahren. Damals fanden die Tierschützer Holzspäne, die der Biber beim Nagen der Bäume hinterlässt. Das bis heute niemand etwas von den Bibervorkommen in St. Ingbert weiß, hat einen guten Grund, wie Heyd erklärt: „Wir sind nicht an die Öffentlichkeit getreten, weil wir einen zu starken Besucherdruck auf den empfindlichen Biber befürchten. Denn es besteht die Gefahr, dass der Biber dadurch vertrieben wird.“

Meister Bockert, wie ihn der Volksmund nennt, ist mit einer Körperlänge von bis zu einem Meter das größte Nagetier Europas. Einen Winterschlaf hält der Nager nicht, er hat keine Probleme mit der Kälte. Denn auf einem Quadratzentimeter Haut wachsen bis zu 23 000 Haare. Dieses dichte Fell ist dem Biber einst zum Verhängnis geworden. Denn Biberpelz war sehr gefragt. Man machte Jagd auf den Nager, so dass dieser um 1900 in Deutschland fast ausgerottet war. Inzwischen zählt er zu den geschützten Tierarten und ist wieder auf dem Vormarsch. Im Saarland zählte der Nabu im Jahr 2009 450 Biber. Tendenz steigend.

Wie viele Biber genau in St. Ingbert am Werk sind, wissen die Tierschützer nicht. „Trotz nächtlicher Beobachtungsversuche haben wir unsere Biber noch nicht gesehen“, sagt Heyd, der seit sieben Jahren beim Nabu aktiv ist. Da der Biber nachtaktiv ist, ist es schwierig, ihn zu beobachten. Aber sein Werk ist deutlich sichtbar. „Mittlerweile haben wir zirka 20 gefällte Bäume entdeckt.“ Dass sich die flinken Nager am Rande der Mittelstadt niedergelassen haben, bezeichnet Heyd als „Glück für die Natur“. Denn um zu seinen Futterplätzen zu kommen, braucht der Vegetarier und hervorragende Schwimmer Wasserwege. Die schafft er sich, indem er durch Dammbau Flächen flutet. Über diesen neuen Lebensraum freuen sich auch Amphibien, Libellen und Sumpfpflanzen, wie Heyd erklärt. Das Nachtwerk des Bibers sei in St. Ingbert deutlich erkennbar, aber an Stellen, an denen er keinen stört. Aufgrund seiner Größe und des schwer zugänglichen Lebensraumes hat er wenig Feinde – abgesehen vom Menschen. Dabei ist der Biber auch nützlich für uns Menschen. „Den Steuerzahler kann die Arbeit des Bibers freuen, denn er sorgt kostenlos für dringend notwendige Renaturierung von Auenlandschaften“, so Heyd.

Seine Baukunst stellt der Biber aber nicht nur bei Dämmen unter Beweis, sondern auch beim Bau seiner eigenen Behausung. Er wohnt in einer sogenannten Biberburg, deren Eingang unter Wasser liegt, während der Wohnraum über Wasser angesiedelt ist. Die Burg des St. Ingberter Bibers haben die Tierschützer auch schon entdeckt. „Dort lagert er auch Nahrung für ganz kalte Tage, in der Regel Weidenzweige, deren Rinde er frisst. Um die oberen und leckersten Äste zu bekommen muss er die Bäume fällen, schließlich kann er nicht klettern“, erklärt Heyd. Dafür hat er aber von der Natur ein passendes Werkzeug mitbekommen: ständig nachwachsende Schneidezähne. Zwölf Jahre alt kann ein Biber werden. Er bleibt sein Leben lang einer Partnerin treu. Für die Zukunft hat Heyd einen großen Wunsch: „Wir hoffen, dass der St. Ingberter Biber noch einige Jahre bleibt und sich vielleicht auch Nachwuchs einstellt.“ Die Jungen kommen immer im Frühjahr zur Welt und können von Geburt an sehen. Im Alter von zwei bis drei Jahren verlassen sie den Familienverband, um eine eigene Familie zu gründen.

Meinung
Eine zweite Chance
Von SZ-Redakteurin Evelyn Schneider


Man kennt den Biber aus der Werbung für Zahncreme oder auch als Maskottchen einer großen Baumarktkette sowie der Saarpfalz-Touristik. Der flinke Nager hat im Handumdrehen die Sympathie auf seiner Seite, obwohl oder gerade weil man ihn in der freien Natur quasi nie zu Gesicht bekommt. Was man sieht, ist seine Baukunst und die ist wertvoll für unsere Natur.
Das scheint man eine zeitlang vergessen zu haben. Denn man jagte den Biber rücksichtslos und fertigte schicke Pelzhüte aus seinem Fell. Um ein Haar hätte man den nützlichen Nager ausgerottet. Doch zum Glück ist dies nicht gelungen. Der Biber ist zurück. Er lebt friedlich neben den Menschen und genau dieses friedliche Miteinander sollten auch die St. Ingberter achten. Wahre Naturliebhaber werden sicher der Versuchung widerstehen, den Nager aus bloßer Neugierde entdecken zu wollen. Denn der neue Mitbürger braucht etwas Raum und Freiheit und mag es nicht, wenn man ihm allzusehr auf den Pelz rückt. Verdenken kann man ihm das wohl nicht!
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