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Ein Dorf wehrt sich gegen den Atommüll

Symbolfoto.

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Wird die französische Region Grand Est zur Atommüllhalde der Republik? Das fragen sich die Einwohner der Gemeinde Gudmont-Villiers (227 Kilometer von Saarbrücken entfernt). Dort will das Unternehmen Derichebourg ab Oktober 2018 eine Anlage für die Zwischenbehandlung nuklearen Abfalls eröffnen (Base intermédiaire de services opérationnels nucléaires, kurz Bison). Das Vorhaben stößt in der Bevölkerung der 350-Seelen-Gemeinde auf viel Skepsis und vergangene Woche wurde die Bürgerinitiative „Gudmont dit non!“ (Gudmont sagt nein) gegen das Projekt gegründet.

Zu der 8500 Quadratmeter großen Anlage sollen schwach- und sehr schwachradioaktive Teile gebracht werden. Anders als in der Wiederaufarbeitungsanlage von La Hague in der Normandie handelt es sich hierbei nicht um Brennstoffe, sondern etwa um Bauschutt, Werkzeuge oder Ventilfilter, die in Atomkraftwerken eingesetzt wurden. In Gudmont werden sie auseinander genommen, nach Komponenten zerlegt, zerkleinert und für die Lagerung verpackt. Bisher werden diese Arbeiten dort verrichtet, wo dieser Abfall produziert wird, also in den Kernkraftwerken.

 

Bis 2018 will Derichebourg nach eigenen Angaben zehn Millionen Euro in die Anlage investieren und Arbeitsplätze schaffen. „In der Betriebsphase werden wir in der Bison-Anlage rund 40 Mitarbeiter beschäftigen und zehn indirekte Arbeitsstellen schaffen“, teilt das Unternehmen mit. Doch trotz dieser wirtschaftlichen Perspektive machen sich die Bewohner von Gudmont Sorgen um eine mögliche Verschmutzung ihres Lebensraumes. Derichebourg will diese Sorgen zerstreuen. Beim Betrieb der Anlage falle kein Abwasser an. Was die Emissionen in der Luft angehe, seien diese 250-fach niedriger als der erlaubte Jahresgrenzwert.

Gudmont wurde laut Unternehmen unter anderem wegen seiner Nähe zu Soulaines-Dhuys (40 Kilometer) und Morvilliers (50 Kilometer) ausgewählt – zwei bereits existierende Lager für sehr schwachradioaktives Material. Doch die Projekt-Gegner sehen die Nähe zu einem weiteren umstrittenen Standort mit Skepsis: Das geplante Atommüll-Endlager in Bure ist 32 Kilometer von Gudmont entfernt. Wäre es denkbar, dass langfristig in der Bison-Anlage auch Material behandelt wird, das anschließend dort gelagert wird? Also hochradioaktiver Abfall? Das Unternehmen verneint: „Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass Bison lediglich schwachradioaktiven Abfall behandeln wird, und dass sämtliche Vorgänge in Form des doppelten Einschlusses stattfinden werden.“ Die Gegner sehen das anders: „Warum hat die Firma ein neun Hektar großes Gelände gekauft, wenn ein Hektar für ihr aktuelles Projekt reicht?“, fragt Michel Marie, Präsident des Vereins gegen Atommüll Cedra, im Gespräch mit der SZ.

Gebaut wurde bisher noch nichts im kleinen Dorf im Grand Est. Erst im November will Derichebourg die Baugenehmigung bei der Gemeinde Gudmont und die Betriebsgenehmigung bei der Präfektur beantragen. Im Frühjahr soll dann eine öffentliche Anhörung stattfinden. Das wollen die Projektgegner nutzen, um Druck auf die Entscheider auszuüben, denn den Politikern trauen sie nicht mehr. „In Gudmont wissen sie seit einem Jahr davon und haben es erst öffentlich gemacht, als wir das aufgedeckt haben“, ärgert sich Michel Marie. Einer Sache ist er sich sicher: Kampflos werde man das Feld nicht räumen.

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