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Ein Fehler in 24 Prozent der Behandlungsfälle in Saarland

Im Saarland griffen die Mediziner im vergangenen Jahr nachweislich 20 Mal daneben, in Mecklenburg-Vorpommern musste die Schlichtungsstelle sogar 43 Arztfehler anerkennen - die meisten davon aus der Unfallchirurgie und der Orthopädie.

Unterm Strich bestätigt die Ärztekammer für 2014 insgesamt 2.252 Behandlungsfehler, die meisten davon bei Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterarmbrüchen (Quelle: aponet.de). Chirurgie und Orthopädie stehen beim Ärztepfusch an der Spitze, gefolgt von der Allgemeinmedizin, der Inneren Medizin und der Frauenheilkunde.

Was ist ein Behandlungsfehler

Laut dem Bundesministerium für Gesundheit handelt es sich dabei um eine nicht ordnungsgemäße und nicht zeitgemäße Behandlung durch einen Arzt, eine Ärztin oder einen anderen Heilberuf.

Werden allgemein anerkannte medizinische Standards missachtet - und dabei werden auch organisatorische Abläufe mit einbezogen, für die zuarbeitende Personen verantwortlich sein können - oder wurde der Patient unverständlich oder unvollständig aufgeklärt, können auf den Behandler Schadensersatzansprüche zukommen.

Saarland mit guter Bilanz

Die Zahl der Behandlungen im Saarland steigt, doch die Beschwerden der Patienten gehen zurück - in 2014 um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtet die dortige Ärztekammer. Von den eingereichten Fällen wurden schließlich nur 24 Prozent durch Gutachter bestätigt - die meisten davon aus der Allgemein- und der Unfallchirugie.

Damit mussten sich die saarländischen Medizinern im vergangenen Jahr 20 Behandlungsfehler nachweisen lassen. Der Kammerpräsident Josef Mischo räumt ein, dass es eine fehlerfreie medizinische Behandlung wohl nie geben wird, doch sollte jeder Schadensfall auch eine Verbesserung der Situation nach sich ziehen.

Betroffene finden Hilf

Das Patientenbewusstsein steigt und jeder weiß inzwischen, dass auch Ärzte Fehler machen können. Treten nach der OP Schmerzen auf oder gibt es Probleme mit dem künstlichen Hüftgelenk, wenden sich die Patienten zunächst an ihre Krankenkasse. Auch die Unabhängige Patientenberatung (UPD), Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern zählen zu den Anlaufstellen der geschädigten Patienten. Entbindet der Versicherte den Arzt von seiner Schweigepflicht, so kann die Kasse die Akten einsehen.

Bei Hinweisen auf Behandlungsfehler, muss der Patient jedoch vor Gericht ziehen - allein. Kai Behrens vom AOK-Bundesverband warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen, denn bleibt der gewünschte Behandlungserfolg aus, liegt noch lange kein Behandlungsfehler vor. Nur wenn die ärztliche Sorgfaltspflicht verletzt wurde und der Patient nachweislich Schäden erleidet, besteht eine Aussicht auf Schadensersatz.

Den Nachweis erbringt der Patient Zwar ist der Patient für den Nachweis des Behandlungsfehler verantwortlich, doch immer ist auch der Arzt dem Patienten gegenüber zur Aufklärung verpflichtet. Dazu gehört die Aufklärung über die Diagnose und gegebenenfalls auch eine Aussage zur Prognose. Ob ein Behandlungsfehler vorliegt, stellt dann ein Gutachten fest, das auch von der Kasse des Patienten in Auftrag gegeben werden kann - womit der Patient von den damit einhergehenden Kosten entbunden wird.

Weiteres Beweismaterial, wie Fotos oder Aussagen der Bettnachbarn, können das Gutachten ebenfalls unterstützten, erklärt Peter Weber, der Gesundheitsexperte von Meds4all.de. Soll damit eine finanzielle Entschädigung eingefordert werden, verpflichtet der Patient möglichst einen Anwalt aus dem Bereich des Arzthaftungsrechts, der ihn vor Gericht vertritt.

Auch der Arzt kann sich schützen

Deutschlandweit steigt die Zahl der Arzthaftungsfälle, doch auch die Ärzte können durch Vorsorgemaßnahmen die drohenden Patientenklagen eindämmen. Eine umfassende Patientenaufklärung ohne medizinische Fachausdrücke und bei der Behandlung von Ausländern im Zweifelsfall auch unter Zuhilfenahme von Dolmetschern ist erforderlich.

Das Aufklärungsgespräch findet vor dem Tag der OP statt, damit dem Patienten genügend Zeit verbleibt, ein Für und Wider des Eingriffs abzuwägen. Anamnese, Befunde, Diagnose und Therapie sind bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung einzureichen, wobei die Aufbewahrungszeiten für angefertigte Dokumente und Unterlagen mindestens 10 Jahre betragen.

Auch künftig wird es wohl vermehrt zu Behandlungsfehlern kommen, denn der Pflegenotstand, bei dem Schwestern von Zimmer zu Zimmer hetzten und Ärzte eine Schicht nach der anderen arbeiten, tragen dazu bei. Überfordert, übermüdet und ausgebrannt unterlaufen auch dem besten Arzt früher oder später Fehler.
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