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Ein Gebetsraum für alle Gläubigen: Vor allem Muslime nutzen das Angebot an der Universität des Saarlandes

Saar-Uni.

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Der Meditationsraum hätte ein Ruhepol für alle sein sollen. Doch muslimische Studenten hatten den Raum geteilt, um Männer und Frauen voneinander zu trennen. Studentinnen hatten sich daraufhin beschwert. Und obwohl die Technische Universität Dortmund religiöse Symbole für den Raum untersagt hatte, lagen dort Korane und Gebetsteppiche aus. Das konnte das Rektorat der Universität nicht dulden und schloss den Raum Anfang Januar.

Seit drei Jahren gibt es auch an der Saarbrücker Universität ein solches Angebot. Hier heißt das Ganze „Seelenraum“. Religiöse Symbole sind nicht verboten. Der Raum ist im Gebäude E1.7, dem Exzellenzgebäude der Informatik, unweit der großen Hörsäle und der Mensa. Auf dem Schild vor der Tür, direkt unter dem Verweis auf komplexe mathematische Analysen, ist ein Aufkleber mit der Aufschrift „Seelenraum/Multifaith Room“ zu erkennen. „Multifaith“ heißt, dass der Raum für alle Gläubigen gleichermaßen zugänglich ist. Auch für die, die gar nicht glauben. Das fällt bereits auf, bevor man den „Seelenraum“ überhaupt betritt. An seiner Tür hängt ein Schild, das auf die wöchentlichen Yoga-Kurse verweist.

Nach kurzer Zeit kommt jemand herein. Er möchte nicht, dass sein richtiger Name genannt wird – zu groß ist seine Sorge wegen des Rechtsrucks, den die Flüchtlingskrise in Deutschland ausgelöst hat. Mohammed, so möchte er genannt werden, ist ein Student aus dem Libanon. Er arbeitet an seiner Masterarbeit und kommt jeden Mittag hierher zum Beten. In flüssigem Englisch erklärt er, dass er im Gebetsraum noch keine Probleme hatte. Das Verhalten der Muslime , die die Räume an anderen Unis für sich beanspruchen, kann er nicht nachvollziehen. „Ich bete für mich und für meinen Gott, wenn ich damit fertig bin, dann geh' ich wieder“, erklärt er. Nicht alle Muslime seien perfekt, ebenso wenig wie alle Christen.

„Wer betet, braucht Ruhe. Beten setzt Konzentration voraus, Stille, Distanz zum Alltag“, sagte Pfarrer Professor Matthias Freudenberg bei der Eröffnung des Seelenraums im Januar 2013. Er ist Vorsitzender der Evangelischen Studierendengemeinde Saarbrücken . Gemeinsam mit der Islamischen Hochschulgruppe war sie verantwortlich für die Einrichtung des Raumes.

Diese Stille, die Pfarrer Freudenberg so betonte, ist auch das Erste, was auffällt.

An der Universität kann es bisweilen recht laut werden, die Hektik der Lernenden und Lehrenden ist oft zu hören und zu spüren. Für die Stille ist eine schalldämpfende Wand aus weißem Papier verantwortlich, welche sich an den Wänden und Fenstern vorbei erstreckt. Sie mutet an wie ein großer weißer Vorhang, der den Raum von der Außenwelt abschottet. Von der Decke hängt eine Lampe, kunstvoll gestaltet mit Schirmen aus dem gleichen weißen Papier. Im Gegensatz zu den sonst verwendeten, kalten Halogenröhren gibt diese Lampe ein warmes, weiches Licht ab. Ansonsten ist der Raum sehr karg ausgestattet. Auf dem grauen Teppich stehen ein paar schwarz-weiße Hocker zusammengerückt in der Ecke vor einem Bücherregal.

An diesem Regal wird die multireligiöse Auslegung besonders deutlich. Neben der Bibel auf Französisch und Deutsch liegt der Koran auf Arabisch und Deutsch, neben einem katholischen Gesangsbuch liegen ein Gebetsteppich und ein Infoblatt mit den Gebetszeiten des Islams. In einem Buch über die Lebensgeschichte Muhammads steckt ein Lesezeichen – ein Flyer der Evangelischen Hochschulgemeinde. Überhaupt, von interreligiösen Konflikten ist in Saarbrücken nichts zu bemerken. Tatsächlich kam es wohl in den drei Jahren seit der Eröffnung zu keinerlei Problemen.

Matthias Freudenberg sagt, dass er bisher nicht die Erfahrung machen konnte, dass muslimische Studenten in irgendeiner Weise den Raum für sich eingenommen hätten. „ Muslime beanspruchen ihn nicht für sich“, erklärt er, auch wenn sie die Hauptnutzer des Raums wären. Freudenberg wünscht, dass der „Seelenraum“ von christlichen Studenten häufiger genutzt werden würde. Aber zu viele Christen würden gar nicht wissen, dass ein solches Angebot überhaupt existiert. Die christliche Nutzung würde sich weitestgehend auf Feiern in der Adventszeit beschränken.

Universitäten anderer Großstädte folgten dem Beispiel der Technischen Universität Dortmund und schlossen ihre Gebetsräume Anfang des Jahres. An der Kölner Universität hingegen soll bis Herbst 2016 ein solcher Raum entstehen, in Saarbrücken gibt es ihn längst.
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