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Ein Jahr als Gast im Köllertal

Erstes Kennenlernen: die Familien Ivanenko und Späder hatten sich im Juli 2015 schon in Boston getroffen. Foto: Ivanenko

Erstes Kennenlernen: die Familien Ivanenko und Späder hatten sich im Juli 2015 schon in Boston getroffen. Foto: Ivanenko

Wenn eine Familie über Erfahrungen mit Auslandsaufenthalten ihrer Kinder in den USA erzählen kann, dann ist es Familie Späder aus Riegelsberg . Sohn Manuel war 2013, mit 16 Jahren, ein Jahr in Wisconsin, Tochter Nicola ein Jahr später, als 15-Jährige, zwölf Monate in Boston. Ihre beiden Kinder, so schildert Birgit Späder, waren es, die sie animiert haben, ebenfalls für ein Jahr einen jungen Menschen bei sich aufzunehmen. „Damit, sagte meine Tochter, könnten wir am besten ein Stück von dem zurückgeben, was sie in den USA bekommen haben.“

 

Ein Mädchen sollte es sein, schulpflichtig und mit ein paar Deutschkenntnissen, erzählt Birgit Späder und lacht. Denn mit ihren Auswahlkriterien hatte sie einen Volltreffer gelandet: Mit Praskovia Ivanenko aus Boston, USA, hat sie eine zweite Tochter und zugleich eine gute Freundin hinzugewonnen. „Wir haben unglaublich viel voneinander gelernt. Vor allem ist sie viel toleranter als ich, hat mich schon manchmal ermahnt, weltoffener zu sein“, berichtet Birgit Späder.

 

Im September 2015 begann das Abenteuer von Pear, wie Praskovia von allen genannt wird. Ihre Mama ist Russin, ihr Papa kommt aus der Ukraine, sie selbst ist in den USA geboren. Mit etlichen Aufsätzen und einem Interview hatte sie sich für das Auslandsjahr im Rahmen des „PPP“ (Parlamentarisches-Paten-Programm) beworben und die Zusage erhalten. Während ihre ältere Schwester ein Jahr nach China ging, entschied sich Pear für Deutschland, „dabei hatte ich erst zwei Jahre Deutsch in der Schule“.

 

Von Anfang an, erzählt Birgit Späder, hat man in der Riegelsberger Familie Deutsch gesprochen, „nur im Notfall haben die beiden Kinder übersetzt“. Und das, betont Pear, war auch gut so. Sie spricht inzwischen fließend, erzählt von ihren Erlebnissen in der Schule. Ein Jahr lang besuchte sie das Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium (WWG) in Saarbrücken. Anfangs war die Fahrt mit der Saarbahn ein kleines Abenteuer, „so was haben wir in Boston nämlich nicht“, erklärt sie.

 

Die Schule mit ihren vergleichsweise wenigen Schülern und auch das Schulsystem waren für sie neu und gewöhnungsbedürftig. „Aber es war nicht schlecht, nur eben anders“, betont die Schülerin.

 

In der Schule hat sie viele Freunde gefunden; zum Thema Freundschaft ist ihr auch ein Unterschied zu den USA aufgefallen: „Das ist in Deutschland anders. Da hat man weniger, dafür aber engere Freunde.“ Die musste sie allerdings am Samstag, als es wieder in die Heimat ging, zurücklassen. So auch ihre Gastfamilie, bei der sie das saarländische Leben mit Oktoberfest, Weihnachten, Fastnacht und Ostern verbracht hat. „Wir haben ganz viel Deutsches gekocht“, erzählt Birgit Späder. Im Januar hat Pear ihren 17. Geburtstag in Riegelsberg mit Kuchen und Pizza-Essen im Kreis der Familie gefeiert. Zu Thanksgiving, dem Erntedankfest, hat sie ihre Familie mit einem riesigen Truthahn verwöhnt, und erst vor wenigen Tagen wurde im Garten der 4. Juli gefeiert, der Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten.

 

Und welche Klischees über die Deutschen haben sich für Pear bewahrheitet? Sie antwortet: „Die Deutschen sind schon ordentlich und halten sich an die Regeln.“ Doch sie stellt den Menschen, denen sie begegnet ist, ein gutes Zeugnis aus: „In den USA sagen manche Menschen, die Deutschen seien kalt und emotionslos. Aber das stimmt nicht. Hier sind alle ganz herzlich, und ich wurde überall sehr freundlich aufgenommen.“ – Vielleicht liegt das auch an der saarländischen Mentalität. Auf jeden Fall will sie wiederkommen. Noch ein Jahr Schule liegen in den USA vor Pear, dann würde sie gerne in Deutschland studieren.
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