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Ein Leben als Schausteller: Familie Heiderich gastiert mit ihrem Safari-Express auf der St. Wendeler Kirmes

Marion Heiderich vor ihrem Safari-Express. In St. Wendel ist das Fahrgeschäft Stammgast. Foto: B&K

Marion Heiderich vor ihrem Safari-Express. In St. Wendel ist das Fahrgeschäft Stammgast. Foto: B&K

  . Ein weiß lackierter Laster mit der Aufschrift „Safari-Express, Heiderich, St. Wendel “ parkt auf dem Festplatz Bosenbach . Die Ladefläche ist leer. Denn das Karussell, der legendäre Safari-Express, ist bereits aufgebaut. Gerade werden noch die Wagen mit den dunkelgrünen Polstern gereinigt, während Inhaberin Marion Heiderich im Kassenhäuschen Platz nimmt. Für einen Moment schaltet sie an diesem Mittwochmorgen die Beleuchtung ein. Tausende farbige Birnchen funkeln im fahlen Sonnenschein. Dann setzt sich die Berg- und Talbahn für einen Probelauf in Bewegung. Am Samstag startet die Kirmes.

Marion Heiderich nimmt heute noch gerne selbst am Mikrofon Platz, begrüßt die Fahrgäste und sorgt für Stimmung. Sie ist Schaustellerin mit Leib und Seele, hat das Geschäft quasi schon mit der Muttermilch aufgenommen. „Meine Eltern reisen schon seit 55 Jahren umher, auch meine Oma war schon Schaustellerin“, verrät die 55-Jährige. Sie deutet in Richtung Kirmesplatz-Mitte. Dort sitze ihr Vater mit 79 Jahren immernoch im Karten-Häuschen seines Kinderkarussells. „Er will so lange weitermachen, bis er umfällt.“ Kirmes, das ist und war schon immer Marion Heiderichs Leben. Geboren wurde sie vor 55 Jahren während der Freisener Kirmes. Ihre Mutter war dort mit einem Fahrgeschäft, als die Wehen einsetzten. Geboren wurde Marion Heiderich im St. Wendeler Krankenhaus. Ihre Taufe war in Niederlinxweiler während der Kirmes dort. „Lustig, dass ich dann später sogar nach Niederlinxweiler gezogen bin.“

Verliebt hat sich die Schausteller-Tochter – wie kann es anders sein – auf der Kirmes und zwar in den Sohn eines Schaustellers. „Wir haben uns auf der Kuseler Messe kennen gelernt“, erinnert sich ihr Mann Alfred. Dort war seine aus Bad Dürkheim stammende Familie mit dem Autoscooter.
 

Tradition und Erinnerung

Seit 1965 ist die Berg- und Talbahn der Familie Roos/Heiderich fester Bestandteil der Kirmes in Kusel . Vom besonderen Flair schwärmt das Schausteller-Ehepaar, und das nicht nur wegen der eigenen Erinnerungen an das Fest. „ Kusel ist eine Hochburg in Sachen Kirmes. Die Kuseler feiern ihre Messe“, sagt Alfred Heiderich. Auch in St. Wendel gehört der Safari-Express seit Jahrzehnten zur Kirmes dazu. So gibt es viele feste Stationen, hauptsächlich im süddeutschen Raum, welche die Heiderichs regelmäßig mit ihrem Fahrgeschäft ansteuern. Wenn sie ihre Berg- und Talbahn aufbauen, dann teilen die Fahrgäste auch immer wieder ihre Erinnerungen mit der Schausteller-Familie. „,Weißt Du noch, Schatz, da, im Tunnel haben wir uns das erste Mal geküsst' hören wir Paare zueinander sagen. Das freut uns dann auch“, berichtet der 58-Jährige. Der erste Kuss im Tunnel der Bahn oder der erste Körperkontakt während der Fahrt – das gebe es heute noch. Obwohl sich das Schaustellergeschäft über die Jahre schon sehr verändert habe. „Früher haben Oma und Opa den Enkeln Geld für die Kirmes zugesteckt“, erinnert sich Heiderich. Heute fehle oft das Geld dazu. Auch das große Freizeitangebot mache es den Schaustellern schwer.

Es gibt Fixkosten , die der Familienbetrieb erst einmal einnehmen muss. „Das Platzgeld wird teuerer, die Stromkosten sind gestiegen, die Mitarbeiter bekommen mehr Lohn und auch die Auflagen sind gestiegen“, zählt Marion Heiderich auf. Hinzu kommen Reparaturkosten an der Bahn. Diese, so Alfred Heiderich, könnten sie sich heute neu nicht mehr leisten. Vor 40 Jahren habe das Fahrgeschäft 400 000 Mark gekostet. Ein vergleichbares Karussell, neu gebaut, koste heute um die 1,2 Millionen Euro.

Fürs Schausteller-Leben, da ist sich das Ehepaar einig, muss man geboren sein. Die beiden denken jedenfalls noch nicht ans Aufhören. Es gebe immer häufiger Aussteiger – aus finanziellen Gründen oder weil der Nachfolger fehle. „Wir kommen noch zurecht“, sagt Alfred Heiderich. „Wir haben ein Fahrgeschäft für Jung und Alt. Da kann auch die Oma mit dem Enkel fahren.“ Und die nächste Generation ist schon am Start. Sohn Marco will den Safari-Express übernehmen. „Ab dem Alter von zwei Jahren lasse ich Kinder mitfahren und schaue, ob es ihnen gefällt“, erklärt der Junior-Chef. Weint ein Kind hält er an und lässt es aussteigen. „Es soll ja Spaß haben. Denn die Kinder sind die Kunden von morgen.“ Der 31-Jährige hat sich übrigens auch in eine Schausteller-Tochter verliebt. Und so geht sie weiter, die Familien-Tradition.

Die Wendelskirmes findet vom 18. bis 26. Oktober auf dem Festplatz Bosenbach statt. Mittwoch, 22. Oktober, 15 Uhr, ist das Kinderfest der Schausteller, Donnerstag ruht die Kirmes. Zum Abschluss am 26. Oktober startet um 20.30 Uhr ein Feuerwerk der Schausteller.
 
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