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Ein Leben in der Warteschleife: Syrer kämpft seit fast einem Jahr um seinen Pass

Der 27-Jährige Mohammed Alkenani vor der Ausländerbehörde in Lebach.

Der 27-Jährige Mohammed Alkenani vor der Ausländerbehörde in Lebach.

Angst ist seine ständige Begleiterin – Angst, den Anschluss in seinem Job als Kameramann zu verlieren, Angst, niemals in seinem Job arbeiten zu können, Angst, in drei Jahren wieder aus Deutschland abgeschoben zu werden. Denn ohne Pass hat Mohammed Alkenani keine Chance, Arbeit zu finden. Auf den Ausweis wartet er seit fast einem Jahr. Wie oft der 27-jährige Syrer und Flüchtlingsbegleiterin Stephanie Keller bei den Mitarbeitern der Ausländerbehörde nachgefragt haben, vermögen sie nicht mehr zu zählen. „Vor gut drei Monaten ist mein Bruder in Italien verstorben, da wollte ich zu der Familie reisen. Man hatte mir auch zugesagt, mir den Ausweis binnen drei Wochen fertig zu machen“, klagt der Mann, der nach seiner Flucht aus seinem Heimatland seit November der Gemeinde Perl zugewiesen wurde. Doch nichts sei passiert, sagt Stephanie Keller. „Zig Mal habe ich angerufen, um nach dem längst überfälligen Papieren zu fragen. Entweder hebt niemand den Telefonhörer ab, oder ich erhalte die Antwort, dass der zuständige Sachbearbeiter im Krankenschein oder im Urlaub ist“, sagt die Frau, die es sich ehrenamtlich zur Aufgabe gemacht hat, Flüchtlingen zu helfen – auch bei ihrem Weg durch den Dschungel der Bürokratie. Ohne Erfolg bleibt auch die Fahrt zur Ausländerbehörde. Es ist kurz nach zehn Uhr. „Tut mir leid, ohne Termin läuft nichts“, bittet der freundliche Mann hinter dem Glasschalter um Verständnis, ist aber nicht gewillt, einen seiner Vorgesetzten einzuschalten. „Um elf Uhr muss das Computer-System runtergefahren werden. Bis dahin müssen wir die übrigen Klienten bedient haben“, fügt er noch an. „Was soll ich denn machen?“, hakt Stephanie Keller nach, „zumal ständig jemand anderes zuständig ist.“

Den Dämpfer, erneut unverrichteter Dinge an die Obermosel zurückkehren zu müssen, muss Mohammed Alkenani erst einmal verdauen. „Warum gibt man mir keine Chance? Nur mit einem Ausweis hätte ich die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen oder einen Job zu finden.“ Nach Worten von Keller, die als Künstlerin in Tünsdorf ein Atelier hat, hätte ihr Schützling, der schon gute Filme gedreht hat, viele Chancen auf einen Job. „Bei RTL in Luxemburg zum Beispiel, die suchen ständig solch erfahrene Leute wie Mohammed. Doch ohne Pass darf er das Land nicht verlassen.“ Was sie ärgert: „Das neue Integrationsgesetz verlangt von den Flüchtlingen, die eine gute Bleibeperspektive haben, sich um Integration zu bemühen und zu arbeiten. Mohammed will all dies. Doch ohne Ausweis ist das nicht möglich. Warum hat man ihm nicht mit der Bestätigung, dass er zunächst einmal für drei Jahre in Deutschland bleiben kann, auch die notwendigen Papiere mitgeschickt?“

Der Christ, der in Damaskus lebte, war nach seinem Bekunden vor Krieg und Bombenterror geflohen. Ebenfalls fürchtete er, in die Armee eingezogen zu werden. „Dann hätte ich auf Verwandte und Freunde schießen müssen – für mich eine grauenhafte Vorstellung.“ Anfang November kam er in Deutschland an, Ende Dezember hielt er seine Anerkennung als Flüchtling in Händen.

Jetzt steht dem jungen Mann der Integrationskurs ins Haus. Ein entsprechendes Schreiben hat das Jobcenter in Wadern ihm zugeschickt. Für Vorbesprechung wie Kurs war Wadern vorgesehen – für Mohammed, der für eine Arbeit und eine Integration in seinem neuen Wunschheimat alles tun würde, ein unmögliches Unterfangen. „Ich wäre jeden Tag für einen Weg mindestens vier Stunden unterwegs“, sagt der Mann, der auf Bus und Bahn angewiesen ist. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte das Jobcenter mit, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe. Mohammed wie die übrigen künftigen Teilnehmer von der Obermosel könnten in Merzig den Kurs absolvieren.

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