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Ein Talent meldet sich zurück: Saar-Fußballerin Fellhauer vor erstem Bundesliga-Spiel

Symbolbild

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„Es wäre, glaube ich, das schönste Weihnachtsgeschenk schon vorab“, sagt Kim Fellhauer. Die 18 Jahre alte Saarländerin in Diensten des SC Freiburg hofft an diesem Sonntag um 14 Uhr im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen auf ihre ersten Spielminuten in der Frauenfußball-Bundesliga. „Es war immer mein Ziel, in der höchsten Klasse spielen, mich dort zu etablieren“, erzählt Fellhauer: „Dafür muss ich aber erst mein altes Niveau erreichen.“ Denn hinter ihr liegt eine unglaubliche Leidenszeit.

 

„Ich war richtig zickig“

Im April 2014 hatte Fellhauer, die aus den Jugend-Nationalmannschaften ihres Jahrgangs nicht wegzudenken war, ihren Wechsel vom 1. FC Saarbrücken in den Breisgau verkündet. Ein logischer Schritt, um die Karriere entscheidend voranzubringen. Doch im letzten Spiel für die Blau-Schwarzen Anfang Juni passierte, was sich kein Sportler wünscht: Kreuzbandriss. „Ich wurde schon drei Tage nach dem Unfall operiert, alles verlief prima. Ich war relativ schnell wieder auf dem Platz, hatte keine Angst und volles Vertrauen ins Knie“, erinnert sich Fellhauer: „Zum Ende der Saison hat man mich sogar wieder mit in den Kader genommen. Es war vorher abgesprochen, dass ich nicht spiele. Aber es war ein schönes Zeichen.“

 

Danach sollte noch operativ eine Schraube entfernt werden. Eigentlich keine große Sache. Doch dann machte ihr der eigene Ehrgeiz einen Strich durch die Rechnung. Fellhauer trainierte bis zu sieben Stunden am Tag, machte unzählige Extraschichten. „Dann lag ich irgendwann im Wald, konnte nicht mehr weiter. Ich musste sogar mit dem Handy Hilfe rufen“, erinnert sie sich. Es begann eine Odyssee von einem Arzt zum nächsten. Auch eine Cortison-Kur brachte keine Besserung. Erst eine weitere Operation und viel Ruhe sorgten für Heilung. „Ich danke meiner Familie für die Geduld in dieser Zeit“, sagt Fellhauer aus tiefstem Herzen: „Ich war zwischendurch richtig zickig. Mich hat genervt, dass alle nur nach meinem Knie fragen.“

Vor drei Wochen stand Fellhauer erstmals wieder auf dem Feld. Beim 1:0-Erfolg der zweiten Mannschaft des SC Freiburg in der Regionalliga Süd beim SV Frauenbiburg durfte sie endlich wieder mitspielen. „Nach 1076 handgezählten Tagen. Es war schon ein komisches Gefühl auf der Fahrt dorthin. Ich war echt aufgeregt“, sagt sie: „Doch als ich auf dem Platz stand, war es okay. Ich wusste, ich muss meinen Job machen.“ Bei der 0:1-Niederlage der Bundesliga-Elf vor einer Woche beim VfL Wolfsburg saß Fellhauer auf der Ersatzbank. In der Partie gegen Leverkusen will sie natürlich spielen. „Es ist die Entscheidung der Trainer“, sagt sie professionell: „Aber ich habe unter der Woche richtig Gas gegeben.“

 

Erwachsen geworden

Fellhauer ist erwachsen geworden. Dazu hat die Verletzung beigetragen, aber natürlich auch die Trennung vom Elternhaus . „Einkaufen, Wäsche waschen. Einfach alles, was sonst Mama und Papa erledigt haben, muss ich selbst machen“, erzählt die 18-Jährige, die als Bundesfreiwilligendienstleistende an einem Sportinternat arbeitet und irgendwann studieren möchte: „Ich wohne in einer WG direkt beim Schwarzwaldstadion.“ Dort, wo die Männer ihre Bundesliga-Spiele austragen und wo vor wenigen Wochen ein Mord geschehen ist, der mittlerweile deutschlandweit für Aufsehen sorgte. „Die Stimmung in der Stadt ist gedrückt“, berichtet Fellhauer: „Von mir aus sind es keine 20 Meter bis zum Tatort. Wir haben in der Mannschaft darüber gesprochen, gehen abends erstmal nur noch zu zweit raus. Ich habe auch Pfefferspray in der Tasche. Ich hoffe, die Lage normalisiert sich bald wieder. Bis dahin muss ich meinen Eltern jeden Abend eine SMS schreiben, dass ich zuhause bin.“

 

Ansonsten aber fühlt sich Kim Fellhauer in Freiburg pudelwohl. Die Stadt ist toll, voller junger Menschen. Bruder Robin wohnt keine fünf Minuten entfernt in der Nähe des Möslestadions, wo die Frauen ihre Spiele austragen. „Er ist ja mittlerweile Kapitän der U.19 und steht selbst vor dem Sprung in die Bundesliga“, erzählt die Schwester stolz. Zu Weihnachten werden sie wieder im Saarland sein. „Natürlich haben wir dann individuelle Trainingspläne im Gepäck, aber ich brauche die Zeit auch, um wieder runterzukommen“, sagt Fellhauer: „Denn eines habe ich in der Verletzungszeit gelernt: Man soll die Dinge, die man hat, immer besonders schätzen.“

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