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Eine Tour im Zugsimulator

Die Bahn setzt seit 1996 insgesamt 16 Zugsimulatoren zur Aus- und Weiterbildung von Lokführern ein. Die Maschinen können alle deutschen Strecken nachstellen. Die SZ hat mit Lokführer Bernhard eine Trainingsstunde absolviert.

Von SZ-Mitarbeiterin Sarah Tschanun

Saarbrücken. Einmal im Juli mit dem Zug durch Schnee fahren. Das funktioniert nur wenn der Zugführer Urlaub in Alaska macht oder in einem Zugsimulator sitzt. Die Deutsche Bahn kann seit 1996 in ganz Deutschland 16 Zugsimulatoren vorweisen. Einer davon steht in Saarbrücken, direkt an den Gleisen in einem gläsernen Raum. Bernhard Baier ist seit vier Jahren Triebfahrzeugführer: „Während der dreijährigen Ausbildung haben wir unter anderem an diesem Simulator Probefahrten gemacht. Nach dem Trainieren, legt man hier auch seine Prüfung ab.“
Doch hinter sich lassen kann man den Simulator auch nach beendeter Ausbildung nicht. Einmal im Jahr muss jeder Lokführer erneut einen Tauglichkeitstest im Simulator ablegen. „Dies dient nicht nur der Überprüfung des sicheren Fahrens“, erklärt Manfred Hartmann, Technischer Leiter der Deutschen Bahn in München, „sondern wir können den Fahrzeugführern mit regelmäßigem Training beispielsweise energiesparendes Fahren antrainieren.“

Echtes Wackeln und Rattern

Bernhard Baier hat heute eine solche Trainingsfahrt. Über eine einziehbare Treppe besteigt er den riesigen, roten Kasten, der auf sechs beweglichen Stahlarmen steht. Diese werden beim Simulieren der Fahrt auch das Wackeln und Rattern genau nachstellen. Im Simulator drin befindet sich der nachgebaute Lokführerraum, in dem, wie auch in den echten Zügen gut fünf Personen Platz finden.
Baiers Fahrt beginnt. Die Strecke kann einer realen Strecke nachempfunden sein, meistens wird jedoch an den deutschlandweit identischen und frei erfundenen Einheitstrecken geprobt. Diese Standardstrecken werden auch in den Prüfungen benutzt, damit alle Lokführer denselben Schwierigkeitsgrad haben.
Es geht durch Regen, Gewitter und Schnee innerhalb von fünf Minuten. Der Bildschirm im Simulator stellt die Strecke, wie sie auch im realen Leben unter diesen Witterungsverhältnissen wäre, dar. Auch das Wackeln und Holpern fühlt sich sehr echt an. Plötzlich gibt es einen Ruck in der kleinen Kabine – der Zug stoppt. Sofort ruft Baier bei der Zentrale an, die ihn per Überwachungskamera ständig im Blick hat. Hier erreicht er den Instruktor Roland Brand. Er leitet die Trainingsfahrten im Simulator und ist sozusagen das Lehrpersonal der Lokführer. „Das war eine Zwangsbremse. Wenn der Fahrer die Situation nicht rechtzeitig erkannt hat oder es einen unvorhersehbaren Zwischenfall gibt, bremst die Zentrale den Zug“, erzählt Brand, der mit seinen Schützlingen, die er ausbildet ein sichtlich freundschaftliches Verhältnis hat. Diesmal musste er den Zug anhalten, weil Bernhard Baier vergessen hatte die Meldetaste zu bedienen. Alle 25 Sekunden muss er diese Taste drücken. „Die Konzentration des Zugführers bleibt so konstant. Hätte er zum Beispiel einen Herzinfarkt, würde der Zug in sekundenschnelle gestoppt“, weiß Ausbilder Brand.

Zwei Prüfungschancen

„Spaß macht das Training hier immer, “ grinst der junge Lokführer Bernhard Baier, „ ein bisschen wie ein PC-Spiel nur echter. Und natürlich ist das Üben hier auch immer mit dem Stress der nachstehenden Prüfungssituation verbunden.“ Zwei Mal darf man die jährliche Prüfung im Simulator wiederholen. Der dritte Versuch wird nur in Ausnahmefällen genehmigt und ist die letzte Chance.
So können zwei Drittel aller Ausbildungsfahrten im Simulator gemacht werden, was auch der Umwelt zu Gute kommt. Wer sich so einen über 500.000 Euro teuren Simulator nicht leisten kann, muss mit der PC-Variante vorlieb nehmen. Diese kann man in verschiedenen Varianten und vor allem um einiges günstiger in jedem Elektromarkt erstehen.


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