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„Eine furchtbar beschämende Situation“

Weiß man denn jetzt was Genaueres darüber, was da passiert ist?“ Hannes kneift unter seinem blauen Fahrradhelm die Augenlider zusammen, während er nach oben schaut. Die Sonne blendet den Neunjährigen, der die Ermittler interessiert aus ein paar Metern Entfernung beobachtet. Der strahlend blaue Himmel lässt das gelb-weiße Seitengebäude der verlassenen Schule, an dessen Außenwänden aufgemalte bunte Blumen langsam verblassen, ein wenig freundlicher wirken. Bald sollen hier Flüchtlinge einziehen, so hat es die Gemeinde vorgesehen.

Bis auf ein paar Rauchspuren an einem der hinteren Fenster ist wenig von dem Brand zu sehen, der im Innern der Schule einen Schaden von mehreren Zehntausend Euro verursacht haben soll. Ein rot-weißes Band schirmt das Gebäude vor ungebetenen Besuchern ab. Ermittler sind damit beschäftigt, Spuren in und rund um das Haus zu sichern – einige in weißen Schutzanzügen, mit Helm und Mundschutz ausgerüstet. Ein strenger Geruch durchzieht die Luft, ein Gemisch aus verschmortem Kunststoff und beißendem Rauch. Nur wenige Bewohner in den umliegenden Häusern wollen den Knall um 5.30 Uhr morgens gehört haben. Eine Anruferin hatte der Polizei gegen 7.40 Uhr gemeldet, sie habe an der Schule eine geborstene Scheibe bemerkt, heißt es in einer Erklärung der Polizei . Das Feuer soll von selbst erloschen sein.

Ein Nachbar immerhin erzählt, dass er durch ein „ohrenbetäubendes Knallen“ geweckt wurde. Sollte dies tatsächlich ein fremdenfeindlicher Anschlag gewesen sein, so wäre das eine „furchtbar beschämende Situation“, findet der 64-Jährige, der seinen Namen nicht nennen will. Er befürworte es, dass die Schule bald Flüchtlingen Wohnraum bieten solle, sagt der Mann. „Menschen, die in Not sind, denen muss doch geholfen werden.“ Die Beamten vor Ort hüllen sich indes in Schweigen. Offiziell wird mitgeteilt, dass die Brandermittler bei der Untersuchung Spuren fanden, die auf Brandstiftung hinweisen. Bestürzte Mienen auch von Bliesdalheims Ortsvorsteher Bernhard Welsch und Gersheims Bürgermeister Alexander Rubeck , die fassungslos vor dem Schulgebäude stehen. „Ich hätte nie geglaubt, dass so etwas bei uns passieren könnte“, sagt Welsch. „Als wir das Projekt kürzlich vorstellten, bekamen wir von den Bürgern hier viel Zustimmung. Widerstand habe ich überhaupt nicht erfahren.“ Was nun die Konsequenz sei? „Wir werden unser Flüchtlingsprojekt hier genauso fortsetzen wie geplant“, erklärt Bürgermeister Rubeck entschlossen. „Wir kapitulieren nicht vor solch einem Verbrechen.“

Überall im Ort ist Fassungslosigkeit zu spüren. „Ich kann nicht glauben, dass es ein Anschlag gewesen sein soll“, sagt Rosina Nagel, die gegenüber der Schule wohnt. Sollte es hier tatsächlich Menschen geben, die die Behörden auf diese Art nötigen wollen, die notwendige Hilfe für die Flüchtlinge einzustellen? „Um Gottes willen, wie kann das sein?“, meint die 86-Jährige. Und ergänzt leise: „Ich weiß doch selbst, wie das ist. Wir mussten zwei Mal flüchten, 1939 und 1944 – zu Fuß und nur mit einem kleinen Handwagen.“ Das Schicksal von Flüchtlingen kennt auch Maria Büchler, die neben der Schule wohnt: Wie Rosina Nagel musste sie im Krieg zwei Mal die Heimat verlassen. „Man darf diese Flüchtlinge nicht ihrem Elend überlassen, man muss den Leuten helfen“, betont die 76-Jährige. Allerdings ist sie nun beunruhigt, dass sich eine solche Tat wiederholen könnte. Er habe „ganz und gar nichts dagegen, dass in der Schule Flüchtlinge einziehen“, meint auch Nachbar Sammy Vomácka (69), ein Gitarrist. „Ich habe überhaupt kein Verständnis für Menschen, die Feuer legen.“

Erschütterung über den Brandanschlag wurde gestern aus allen politischen Lagern laut. Die Tat schade all denen, „die im Saarland wirklich gute Arbeit leisten“, erklärte Innenminister Klaus Bouillon ( CDU ). SPD-Landtagsfraktionschef Stefan Pauluhn sagte: „Wir dulden in unserem Land keine Gewalt gegen die hier bei uns schutzsuchenden Menschen.“ Klaus Kessler von der Grünen-Fraktion forderte ein konsequentes Durchgreifen der Ermittlungsbehörden , „damit diese feige Tat zügig aufgeklärt wird“. Die Linksfraktion im Landtag nannte die Tat „absolut abscheulich und nicht hinzunehmen“.

 

Zum Thema:

In Berlin ist in der Nacht zu Mittwoch erneut ein Flüchtlingsheim attackiert worden. Unbekannte warfen im Stadtteil Marzahn einen brennenden Feuerwerkskörper, ein sogenanntes bengalisches Feuer, auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft. Anwesende Polizisten bemerkten den Brandsatz und traten ihn aus. Die Suche nach den Tätern blieb nach Polizeiangaben zunächst erfolglos, der Staatsschutz nahm Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung auf. Rund drei Wochen zuvor war bereits ein anderes Flüchtlingsheim angegriffen worden. afp
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