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Eines der kostbarsten Porzellane der Welt in Ottweiler zu sehen

Die Teekanne mit dem markanten Muster aus purpurfarbenen Schuppen und Blumen wurde zwischen
1763 und 1768 in der Ottweiler Porzellanmanufaktur gefertigt.

Die Teekanne mit dem markanten Muster aus purpurfarbenen Schuppen und Blumen wurde zwischen 1763 und 1768 in der Ottweiler Porzellanmanufaktur gefertigt.

Jeder Fürst wollte es besitzen, doch nur wenige Menschen kannten das Geheimnis der Herstellung. Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau- Saarbrücken gelang es, einen Experten des „weißen Goldes“, den Franzosen Étienne-Dominique Pellevé, von Rouen in seine Residenzstadt Ottweiler zu locken. 1763 eröffnete er unter seiner Leitung die Ottweiler Porzellanmanufaktur. 250 Jahre später widmet der Landkreis Neunkirchen vom 1. Dezember bis zum 2. Februar 2014 seiner etwas in Vergessenheit geratenen Geschichte erstmals seit dem Jahr 2000 wieder eine Ausstellung im Landratsamt in Ottweiler: „Kurios – Köstlich – Kostbar“.

„Ottweiler Porzellan konnte es mit den großen Manufakturen dieser Epoche wie Meißen, Nymphenburg oder Hoechst hinsichtlich der Qualität locker aufnehmen“, erklärt die Kunsthistorikerin Jutta Schwan, die den Landkreis für die Ausstellung berät. Die Hochwertigkeit zeige sich zum einen im verwendeten Material, kostspielige Porzellanerde (Kaolin) aus Passau. „Mit ihr entstanden sahnig- helle Scherben, durch die das Licht scheint“, sagt Schwan. Darüber hinaus waren in der Ottweiler Manufaktur Maler beschäftigt, die ihr Handwerk in Meißen gelernt hatten.

Doch die Qualität sank, als nach dem Tod des Fürsten 1768 sein Sohn Ludwig die Regentschaft übernahm. „Er hatte von seinem Vater Schulden geerbt und verwendete daher günstigeres Nohfelder Kaolin, das sehr eisenhaltig war und beim Brennvorgang braune Pünktchen auf der Scherbe hinterließ“, sagt Brigitte Meister, die als Gräfin Catherina von Ottweiler bei Veranstaltungen in die Rolle von Ludwigs Gattin schlüpft.

Neben Blumenmotiven zieren das Ottweiler Geschirr mitunter auch kleine Geschichten. Beispielsweise die Terrine „Flüchtige Liebe“: Kommen sich auf dem Deckel Herr und Dame näher, finden sich auf dem Boden der Schüssel zwei weinende Frauen.

„Reisten Fürsten, nahmen sie ihr Porzellan mit, um auch in ihrer anderen Residenz repräsentativ speisen zu können“, sagt Meister. Damit die kostbare Ware unterwegs nicht zu Bruch ging, wurde sie kurzerhand sicher in Butterfässer gesteckt. Daher stammt laut Meister auch der Ausspruch „Alles in Butter“.

Mit den Wirren der Französischen Revolution – der Fürst musste fliehen – endet die Porzellanherstellung an der Blies keine 50 Jahre nach ihrem Beginn. Weltweit sind nur noch etwa 125 Stücke Ottweiler Porzellan erhalten. In der Ausstellung sind 55 Stück zu bewundern, davon etliche aus Privatbesitz, die noch nie zu sehen waren.

„Wir möchten eine Ausstellung, die für die Besucher erlebbar ist“, sagt die Neunkircher Landrätin Cornelia Hoffmann- Bethscheider (SPD). Daher ist der zweite große Themenschwerpunkt der Ausstellung die Tischkultur des 18. Jahrhunderts. „Hier versuchen wir zu zeigen, dass es sich nicht nur um irgendwelche Töpfe und Kannen handelt, sondern was das Besondere von Porzellan in der damaligen Zeit war“, sagt Kunsthistorikerin Schwan. So waren Kaffee und Schokolade exotische neue Modegetränke. „Für diese neuartigen Genüsse brauchte es auch ein neues, wertvolles Material für die Tassen, aus denen man sie verzehrte.

Porzellan war ähnlich teuer wie Silber und wichtig fürs Prestige. „Die reichen Besitzer ließen großformatige Gemälde von sich mit einer Kaffeetasse aus Porzellan anfertigen“, erklärt die Kunsthistorikerin. So ergänzen Gemälde und Grafiken sowie Silbergeschirr aus dem Schaezlerpalais und dem Maximilianmuseum der „Silber- Stadt“ Augsburg die Ausstellung. Dass in Ottweiler solche Schätze hergestellt wurden, die bei Auktionen heute mehrere Zehntausend Euro erzielen, war bereits im 19. Jahrhundert in Vergessenheit geraten. Ottweiler verband man eher mit dem ebenfalls dort produzierten Steingut, einer kostengünstigen Alternative. Erst 1908 entdeckten Fachleute, dass die mit „N.S.“ versehenen Porzellanstücke aus Nassau-Saarbrücken stammten.

AUF EINEN BLICK

In Vorträgen berichten Experten über die Entdeckung des Porzellans sowie über die barocke Tischkultur. Für Kinder gibt es spezielle Führungen.

Besucher, die einmal wie im 18. Jahrhundert speisen wollen, können sich während der Ausstellung vom 1. Dezember 2013 bis 2. Februar 2014 dafür anmelden (Preis: 28 Euro). Neben Speisen nach Originalrezepten bringt Gräfin Catherina Tischsitten und Gebräuche näher. ukl

 Infos bei der Tourismuszentrale unter Tel. (0 68 21) 97 29 20 oder per Mail: info@rosenkreis.de

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