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Einkaufsbummel bei Aaal-Achim und Nudel-Kiri

Die Marktschreier Aal-Axel (links) und Wurst-Achim (der leider kurzfristig erkrankt ist).

Die Marktschreier Aal-Axel (links) und Wurst-Achim (der leider kurzfristig erkrankt ist).

Neunkirchen. Klar, Hartweizennudeln kriegt man bei Lidl und Co. vielleicht günstiger. Aber hat man dann auch so viel Spaß und Unterhaltung beim Einkauf wie bei den Marktschreiern auf dem Stummplatz? Eindeutig nein, das sieht nicht nur Eleonore Schäfer so. Die Heiligenwalderin kommt gerade vom Arzt und steht nun schmunzelnd vor dem Nudel-Kiri. Der Grieche, der italienische Nudelspezialitäten anpreist, ist ein Spätberufener mit Talent. Erst im vergangenen Jahr sattelte Kiriakis Karagiovanis vom Gastwirt zum Marktschreier um und hat es im Juli sogar schon bei „5 gegen Jauch“ (RTL) zu TV-Ruhm gebracht.

Seit 1978 lebt der sympathische Grieche in Deutschland und bietet seinem Nachbarn und Konkurrenten, dem Aal-Axel, eine hochwillkommene Angriffsfläche. „Hey, Du Pleite-Grieche, Du musst fleißiger werden!“ – „Halt die Klappe“, kontert Nudel-Kiri. „Ich hasse Dich.“ Für solche Wortduelle lieben die Zuschauer sie. Die Gilde der Marktschreier, die noch bis Donnerstag in Neunkirchen zu Gast ist, lebt von frechen Sprüchen und lautstarken Unverschämtheiten. Da dürfen auch die Kunden nicht zimperlich sein. Gerade nimmt Walburga Marcheix eine knallbunte Tasche in Empfang, die Nudel-Kiri für 15 Euro vollgepackt hat mit Nudeln in allen Variationen und einer Flasche Wein. „Der Wein schmeckt scheiße, aber der muss weg“, sorgt der Grieche für ein paar Extra-Lacher. Und seine Kundin nimmt’s mit Humor, als er noch ein „Geschenk“ für die Rentnerin vor die Menge hält: Einen rot-schwarzen Tangaslip. Walburga Marcheix lacht mit den Zuschauern mit und verzichtet dankend auf die Unterhose. „Die Nudeln schenke ich meinen Enkelkindern, die essen die so gern.“

Für den eigenen Bedarf haben sich Heike Euschen und ihre Tochter Sarah Weidig mit Käse von Käse-Rudi alias Detlef Däubel eingedeckt. Die beiden sind extra auf den Stummplatz gekommen, weil sie von der Attraktion in der Zeitung gelesen haben. Wie Jutta Müller und ihre Freundin Christa Müller. Sie erkundigen sich nach den Preisen beim charmanten Aal-Axel, der schon seit 30 Jahren auf den Märkten Fisch verkauft.. „Aal bekommt man hier ja sonst nicht“, weiß Jutta Müller. Sie strahlt, weil sie sich schon auf das Gesicht ihres Lebensgefährten freut. Der ist Schwede und isst natürlich leidenschaftlich gerne Fisch. Auch ihre Freundin will ihrem Mann mit dem Aal eine Freude machen. „So was müsste öfter hier in Neunkirchen sein“, sind sich die beiden Frauen einig, das sei eine schöne Abwechslung.

Solche Kommentare dürften Jessica Strube buchstäblich runtergehen wie das Öl vom eingelegten Matjes, den sie gestern für das Presse-Foto über ihrem geöffneten Mund halten musste. Die City-Managerin, die uns verriet, dass sie keinen Fisch mag, hat nämlich die dreitägige Veranstaltung auf dem Stummplatz organisiert. Sie hielt auch die kleine Eröffnungsrede mit Joachim Borgschulze, dem schneidigen Manager der Gilde der Marktschreier. Der musste gestern mitteilen, dass die angekündigten Blumen-Kasimir und Wurst-Achim erkrankt sind.

Ihre verbliebenen Kollegen schreien sich derweil die Seele aus dem Leib und locken auch Armand Selzner vor ihre Lkw. Der gebürtige Luxemburger, der vor viereinhalb Jahren der Liebe wegen ins Saarland zog, wartet auf seine Lebensgefährtin während ihres Arztbesuches. Mit einem kaum wahrnehmbaren Akzent meint er lächelnd: „Bei den Marktschreiern macht sogar der Nudeleinkauf Spaß.“

Auf einen Blick

Die Marktschreiertage mit Krammarkt sind bis einschließlich Donnerstag, 15. November, auf dem Neunkircher Stummplatz. Von 10 bis 19 Uhr werden die Waren auf traditionelle Weise feilgeboten. Veranstalter ist die Gilde der Marktschreier. Für das leibliche Wohl sorgen Ausschank- und Imbissbetriebe. red

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