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Einmal im Monat: Pilgerreise auf dem saarländischen Jakobsweg

Felder, so weit das Auge reicht, Vogelgezwitscher, die Sonne im Rücken und Wanderer mit Muscheln an ihren Rucksäcken. Ja richtig, sie tragen Muscheln an ihren Rucksäcken, genauer Jakobsmuscheln, denn sie sind Pilger auf dem Jakobsweg.

Am Kloster in Hornbach treffen sich an einem herrlichen Samstagmorgen erfahrene Pilger und solche, die heute ihren ersten Schritt auf dem Jakobsweg wagen, um gemeinsam eine 13 Kilometer lange Strecke von Hornbach nach Blieskastel zurückzulegen. Ausgerüstet mit Wanderschuhen und Walking- Stöcken herrscht allgemeine Vorfreude auf die Pilgertour. Der ein oder andere mag bereits von dem 2400 Kilometer langen Pilgerweg nach Santiago de Compostela träumen, auch wenn dies erst einmal nur das Samstagspilgern in der Pfalz und dem Saarland ist.

Aber jeder Weg beginnt schließlich mit dem ersten Schritt, und so finden sich die Pilger in der Klosterkapelle ein, um sich in einer kurzen Meditation mit Wolfgang Steffen auf die Strecke einzustimmen. Steffen ist Vizepräsident der Jakobusgesellschaft Rheinland- Pfalz-Saarland und Autor des Pilgerführers „Von Apostelgrab zu Apostelgrab“. Seine Einleitung schließt er mit dem Ultreia-Lied am Pirminius- Grab ab. Ultreia ist ein Pilgergruß und bedeutet so viel wie „Vorwärts!“ oder „ Auf, es geht weiter!“, und damit beginnt die erste Etappe der Wanderung in Richtung Althornbach.

Unterwegs erzählt Edith Schütz von ihrer ersten Pilgerreise von Niedaltdorf nach Pont-à-Mousson in Lothringen. „Beim Pilgern wird man ganz ruhig und besinnt sich, anders als beim Wandern“, sagt sie. Auch Helmut Kaiser hat das Pilgern für sich entdeckt. Er ist von Porto nach Santiago de Compostela gepilgert und hat sich damit einen Traum erfüllt.

Ihn reizen vor allem die unterschiedlichen Landschaften und die Menschen, die man kennenlernt: „Pilgern ist für mich wie Wellness, und ich treffe Leute aus der ganzen Welt.“ Die große Jakobsmuschel baumelt an seinem Rucksack, während wir durch Wald und Wiesen laufen, bald gesellt sich das Ehepaar Petry dazu, um über gemeinsame Pilgererfahrungen zu sprechen. „Mein Mann wandert, ich pilgere“, erzählt Ursula Petry und lächelt. Für sie spielt der christliche Hintergrund eine wichtige Rolle.

Warum pilgert man überhaupt? Geht es darum, Gott nahe zu sein, sich selbst zu finden, Buße zu tun, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen oder Europa zu Fuß zu erleben? So unterschiedlich die Gründe der einzelnen Pilger sein mögen, Pilgern bedeutet in jedem Fall, Menschen zu treffen, die für eine kurze Strecke ihre Träume, Hoffnungen und Ziele miteinander teilen. Vom Firmenchef, der spontan mitpilgert, über den naturverbundenen Rentner bis hin zur Witwe, die um ihren Mann trauert – an diesem Tag sind alle bloß eines: Pilger auf dem Jakobsweg.

Auch für Pilgerführerin Katalin Capaces ist jede Pilgerreise etwas Besonderes. „Am schönsten finde ich einfach das Gehen, bei dem man Freiheit, Unabhängigkeit und Genügsamkeit erlebt.“ Mit ihrem Mann Miguel pilgert sie nun schon seit 16 Jahren. Ein ebenso erfahrener Pilger ist Rainer Hantke, der bereits 1000 Kilometer auf einer Reise zurückgelegt hat. „Ich schätze vor allem, dass ich während einer Pilgerreise meinen Gedanken ungestört nachhängen und dem Alltag entfliehen kann. Doch leider ist das Pilgern für viele zum trendigen Urlaubserlebnis geworden, bei dem der eigentliche Sinn auf der Strecke bleibt“, erzählt er.

Die letzte Etappe von Hengstbach nach Blieskastel laufen wir in Stille. Vor uns erstreckt sich das Bliestal zwischen wogenden Weizenfeldern. Zeit zur Besinnung, bevor wir wieder in den hektischen Alltag eintauchen.

AUF EINEN BLICK

Termine für das Samstagpilgern:

28. Juni: Illinger Bergkapelle und Bergwerk Göttelborn (12 km). Treffpunkt, 10 Uhr: katholische Pfarrkirche Merchweiler. Anmeldung: Tel. (0 68 24) 83 43, E-Mail: hantke.rainer@ t-online.de.

30. August: Kloster Blieskastel nach Heckendalheim (12,5 km). Treffpunkt, 10 Uhr: Dorfgemeinschaftshaus Heckendalheim. Anmeldung: Tel. (0 68 98) 6 94 09 62, E-Mail: holger. sturm@gzvk.de.

27. September: Zwischen Marpingen und Rheinstraße (12 km). Treffpunkt, 10 Uhr: Parkplatz bei der Marienverehrungsstätte Marpingen. Anmeldung: Tel. (0 68 24) 83 43, EMail: hantke.rainer@t-online.de.

25. Oktober: Von Heckendahlheim zur Stiftskirche St. Arnual (12 km). Treffpunkt, 10 Uhr: Stiftskirche St. Arnual. Anmeldung: Tel. (06 81) 9 85 00 82, E-Mail: w_steffen- @web.de.

20. Juni: Theaterabend mit der Gruppe Chawwerusch: „Nicht der wahre Jakob – Eine irdische Pilgerreise“. 20 Uhr, Pirminiushalle, Hornbach. bel

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