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Einstein lässt grüßen: In Homburg werden schlaue Kinder gefördert

Homburg. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre. Obwohl im Kardinal-Wendel-Haus gerade über 80 Schüler im Alter von acht bis 15 Jahren versammelt sind, einem lärmträchtigen Entwicklungsabschnitt, geht es hier vergleichsweise leise zu. Über dem Gebäude und dem grünen Hinterhof, der an einen Park erinnert, liegt die Anmutung akademischer Ruhe und Gelassenheit. Kein Zwang, kein Stress, auch keine Hektik, soweit sich das überblicken lässt.

Experimente und geistige Entfaltung

Doch im Innern des Gebäudes, wo die Schüler sich in Teams und kleineren Gruppen mit intellektuellen Herausforderungen auseinander setzen, ist durchaus Betriebsamkeit angesagt. In einem Raum ist man beim Hantieren und Werken, beim Umgang mit der Dampfmaschine, einer der faszinierendsten Erfindungen der Menschheit. Hier experimentieren die Jüngeren. In einem anderen Raum, bei den Älteren, wird vorgetragen und nachgedacht, was die großen Köpfe der Geschichte zur kulturellen und geistigen Entwicklung beigetragen haben.

Herbert Jacob und Sandra Behrend, der Leiter der saarländischen Beratungsstelle für Hochbegabung und seine Stellvertreterin, begleiten den Journalisten durch das Kardinal-Wendel-Haus und zeigen ihre Freude im Umgang mit den Seminarleitern und ihren hoch begabten Zöglingen. Man spürt den Stolz darüber, dass das Saarland mit den hier stattfindenden Sommerakademien eine angemessene Form gefunden hat, seinen hoch begabten Nachwuchs, rund 160 Kinder pro Jahrgang, auf eine angemessene Form zu fördern.

Ungezwungen geht es in den Seminaren zu, man duzt einander. Um die Ansprache zu erleichtern, haben Seminarleiter und Funktionäre ein Erkennungsschild mit dem jeweiligen Vornamen auf der Brust, und da steht dann Jens, Holger, Herbert, Sandra oder Michaela.

Intellektuellen Herausforderungen ohne pädagogischen Druck

Den Schülern gefällt das, was hier offenkundig ohne pädagogischen Druck abgeht und zugleich vor intellektuellen Herausforderungen nur so strotzt. Caroline Schmitz (Namen von der Redaktion geändert) bringt das Hochgefühl über eigene Fortschritte in den Übungen auf den Punkt: „In der Schule lernen wir, wie die Dinge sind; hier erfahren wir nun, warum sie so sind.“ Es wird also Erkenntnis gefördert – und das Nachdenken darüber. Aus anderen Antworten geht die Erleichterung darüber hervor, dass man in der Sommerakademie keine Hemmschwellen überwinden muss. So sagt Timo Schneider: „Hier wird man nicht schief angesehen, wenn man sich meldet.“ Da klingen die Ressentiments heraus, die in der eigenen Klasse gegenüber dem „Schlaumeier“ transportiert werden. Der kleine Frederic Backes, der mittels Luftdruck ein Projektil abschießt, kriegt vom Experimentieren überhaupt nicht genug: „Hier dürfen wir mit dem Material hantieren, bis wir keine Lust mehr haben.“

In diesem Jahr wird die Hochbegabtenförderung im Saarland, die jedes Jahr je 15 Fördergruppen für die Grundschulen und weiterführende Schulen umfasst, zehn Jahre alt. Die Gründe für diese besondere Art der Förderung sind nach Darstellung von Herbert Jacob vielfältig. Sie reichen von dem Hinweis, dass „einige Kinder mehr brauchen als den üblichen 08/15-Unterricht“ bis zu dem Sozialstaats-Argument, dass „nicht nur die Reichen“ die Möglichkeit haben sollen, aus den Talenten ihrer Sprösslinge etwas zu machen. Erwartet wird von den Jungen und Mädchen, die oft schon lesen und schreiben können, wenn sie eingeschult werden, dass sie lernen, „sich auch Dinge zu erschließen“.

Intellektuelle Unterforderung kann ins Abseits führen

Häufig werden hoch begabte Kinder im Unterricht gar nicht als solche erkannt; manchmal fallen sie nur auf, weil sie stören. Sie werden auffällig wegen intellektueller Unterforderung.

Dieses Verhalten hat, wie es heißt, vor allem damit zu tun, dass der Unterrichtsstoff ihnen bereits bekannt ist. In den Fördergruppen und Sommerakademien besteht aber neben individueller Förderung und persönlicher Ansprache auch ein intellektuelles Anspruchsniveau, bei dem sich die Kinder ständig herausgefordert fühlen. Und, ein wichtiger Aspekt: „Sie bekommen das Gefühl, dass sie keine Exoten sind.“ Die Geborgenheit im Kardinal-Wendel-Haus geht so weit, dass Jacob schon von einer kleinen Seminarteilnehmerin belehrt wurde: „Wir gehen hier nicht mehr raus.“ Das möge er dem Ministerium mitteilen.

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