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Einzelhandel ächzt unter Abwrackprämie

Der Einzelhandel im Saarland leidet zunehmend unter den Folgen der Abwrackprämie aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung, die der Autoindustrie zugute kommt. Zu dieser Einschätzung kommt der Landesverband Einzelhandel und Dienstleistungen Saarland, der gestern seine Jahresprognose für 2009 veröffentlicht hat. Das Konjunkturpaket nütze nur einzelnen Branchen, kritisierte gestern der Chef des Saar-Einzelhandelsverbands, Carl Jakob. Auch der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandel, Hubertus Pellengahr, beklagt die Folgen der Abwrackprämie: "Sie lenkt Milliarden in die Autobranche um." Dadurch gäben die Menschen im Einzelhandel weniger Geld aus, der Markt werde verzerrt.

Saarbrücken. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung bringt dem Einzelhandel wenig. "Die beschlossenen Steuer- und Abgabesenkungen fallen für eine nennenswerte Konsumsteigerung zu gering aus", sagte gestern Carl Jakob, Präsident des Landesverbandes Einzelhandel und Dienstleistung Saarland, bei der Vorlage der Jahresbilanz 2008 in Saarbrücken. Das Konjunkturpaket nütze nur einzelnen Branchen, vor allem dem Autohandel. "Von einer Abwrackprämie für Schuhe oder Textilien habe ich bisher noch nichts gehört", kritisiert Jakob. Unterdessen schimpfte gestern auch Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandel (HDE), über die Abwrackprämie: "Sie lenkt Milliarden Euro in die Autobranche um." Dadurch gäben die Menschen im Einzelhandel weniger Geld aus, der Markt werde verzerrt.

Das Jahr 2008 sei für den Saar-Einzelhandel (ohne Kfz-Handel und Tankstellen) mit einem Umsatzplus von 0,7 Prozent angesichts der im vierten Quartal einsetzenden Wirtschaftskrise recht zufriedenstellend verlaufen, sagte Jakob, der im Hauptberuf Geschäftsführer des Kaufhauses Pieper in Saarlouis ist. "Ohne die Turbulenzen wäre das Jahr noch etwas besser verlaufen." Das vom Statistischen Landesamt vorläufig errechnete reale Umsatzplus des Saar-Handels von 1,3 Prozent "können wir aufgrund unserer jüngsten Umfrage nicht nachvollziehen", meint Jakob zur amtlichen Statistik. Der Saar-Einzelhandel zählt rund 6000 Betriebe mit etwa 36 000 Beschäftigten.

Was erwartet der Verband für 2009? Bislang ist die Lage noch recht gut: Rückzahlungen aus der Pendlerpauschale, niedrige Teuerung und gesunkene Energiepreise schaffen Spielraum fürs Einkaufen. Sorgen macht Jakob der hohe Prozentsatz von Kurzarbeit im Saarland, denn wer weniger Geld auf dem Konto hat, gibt weniger aus. Jakob: "Kommt es zu einer steigenden Arbeitslosigkeit im Saarland, wird das den Konsum voll treffen." Auch die wohl ansteigende Sparquote dämpfe die Umsätze. Deshalb erwartet der Verband nach einem Plus auf Vorjahreshöhe im ersten Halbjahr für das zweite eine schlechtere Entwicklung. Übers Jahr rechnet Jakob mit schwachen Erlösen von "nominal Null bis minus eins Prozent, real also Umsatzverlust."

Im vorigen Jahr sparten die Saarländer am meisten beim Kauf von Kleidung. Dagegen legte der Fachhandel mit elektrischen Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik zu. Unverändert boomen die Discounter, die in der Krise weiteren Zulauf erhalten. Der seit Jahresanfang verschärfte Preiskampf bei Lebensmitteln werde weiter zunehmen, erwartet Jakob. Saar-Handels-Vizepräsident und Völklinger Schuhhändler Hans E. Agostini macht ein geändertes Käuferbewusstsein aus: "Der Kunde sucht wieder Wertigkeit bei langlebigeren Produkten.
Udo Rau

Krise trifft bald auch den Handel


Obwohl die Wirtschaftskrise so manches Unternehmen hart trifft, zu Kurzarbeit oder gar Stellenabbau zwingt oder in die Insolvenz treibt, haben sich die deutschen Verbraucher bislang wenig schrecken lassen. Die Konsumlust ist nach wie vor hoch. Wenn sich die Kurzarbeit im Saarland allerdings verstetigt oder die Arbeitslosigkeit zunimmt, treten die Verbraucher gewiss auf die Konsumbremse. Angesichts der hohen Abhängigkeit der Saar-Industrie von der schwer angeschlagenen Autobranche dürften auf den Handel schwere Zeiten zukommen. Umso mehr sind die Einzelhändler gefordert: Mit guter Beratung, promptem Service und zuvorkommender Freundlichkeit haben sie eine Chance, Terrain zu halten.
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