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Endlich: Der FCS ist wieder da !

Eine ganze Region hat ihre alte Liebe wiederentdeckt.“ Das sagte einer von mehr als 2500 Fans des 1. FC Saarbrückens, des Aufsteigers in die 3. Fußball-Liga. Sie feierten gestern vor dem Saarbrücker Rathaus den zweiten Aufstieg ihres Clubs in Folge. „Das ist einfach überwältigend“, sagte ein beeindruckter FCS-Kapitän Marcus Mann auf dem Rathausbalkon: „Dass so viele Fans gekommen sind, zeigt die Bedeutung dieses Clubs für diese Stadt.“

Die betonte auch Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. Wer aber jetzt von ihr den Startschuss zum Stadionneubau erhoffte, wurde enttäuscht. Das Ludwigspark-Stadion soll aber umfassend saniert werden. „Jeder, der ein neues Stadion bauen will, soll sich melden. Er ist willkommen“, sagte Britz. Für FCS-Präsident Horst Hinschberger war es dennoch einfach „eine Stunde der Freude. Was unmöglich erschien nach der Auftaktniederlage gegen den Landesrivalen (0:6 gegen die SV Elversberg, Anmerkung der Redaktion), ist uns gelungen. Der großartige Geist dieser Mannschaft hat diesen Erfolg möglich gemacht.“

Große Gefühle und kleine Gesten bestimmen das Geschehen beim FCS seit Freitag. Trainer Dieter Ferner brauchte etwas Zeit, um seine Gefühle zu ordnen. Er schämte sich nach dem 2:2 von Verfolger SF Lotte gegen Bayer Leverkusen am Freitagabend und dem dadurch sicheren Titel aber seiner Tränen nicht: „Es ist einfach eine große Erleichterung.“ Die Mannschaft war – trotz Handy-Verbot beim gemeinsamen Abendessen und Spaziergang – immer über die Zwischenstände in Lotte informiert. Nach der Nachricht vom Unentschieden kannte die Freude kaum Grenzen. „Veli hat mich angerufen“, erzählte Jelena Grgic, Ehefrau von FCS-Stürmer Velimir: „Ich habe ihn gar nicht verstanden, so laut haben die anderen gesungen.“ Der sonst so strenge Ferner gab sich am Freitag großmütig. Ausgang für alle, Zapfenstreichverlängerung bis zwei Uhr. „In Saarbrücken gab es zu der Zeit drei Stunden lang einen Autokorso durch die Innenstadt“, berichtete der Fanbeauftragte Maiko Palm über die Euphorie in blau-schwarz.

Nach kurzem Durchatmen am Samstagmorgen ging die FCS-Party dann im Bonner Sportpark Nord weiter. La-Ola-Welle vor dem Spiel, Manuel Zeitz als Einpeitscher vorm Fanblock, 2500 feiernde Saarbrücker Fans. „Das war eine blau-schwarze Invasion“, sagte Maria Dünzer, Mitarbeiterin der Autobahntankstelle Elztal über die Karawane in Richtung Bonn: „Busse und zahllose Autos, geschmückt mit Fahnen und Schals. So etwas habe ich noch nicht gesehen.“

Der 1:0-Sieg war dann eher nebensächlich. Fünf Minuten vor dem Ende öffneten die Sicherheitsverantwortlichen die Tore zum Innenraum. Mit dem Schlusspfiff waren die Fans bei ihren Lieblingen, die schnell die Meister-Shirts trugen: „Schon wieder Erster FC Saarbrücken“ war darauf zu lesen. „Letztes Jahr bin ich noch aus der Bezirksliga in die Kreisliga abgestiegen“, gab Mark Lerandy seine Gefühle Preis, „jetzt feiere ich hier mit tausenden Fans den Aufstieg in die 3. Liga. Ein Traum“. Der Abwehrspieler wurde in dieser Nacht zum Party-Hengst und neben Zeitz zum Animateur der Massen. „Warum soll ich etwas schonen, was längst nicht mehr da ist?“, fragte Zeitz einen Fan, der sich um die Stimme des Saarbrücker Talents sorgte, „gebt mir ein H!“. Und schon war die nächste Humba angestimmt.

Ferner betrachtete sich das Treiben biergeduscht und glücklich aus der Entfernung: „Die Mannschaft hat sich das erarbeitet. Sie soll diesen Moment alleine für sich genießen.“ Co-Trainer Andreas Fellhauer erklärte, was das „Phänomen Ferner“ ausmacht: „Er hat das richtige Gespür, wann es Zuckerbrot und wann Peitsche geben muss. Er weiß genau, wann er einen Spieler zum Einzelgespräch ins Büro holt oder ihn auch mal vor der Mannschaft zusammenstaucht. Er hat aus 22 Spielern eine Mannschaft gemacht.“

Deren Feier mit den Fans in Bonn dauerte zwei Stunden – und setzte sich am Abend im FC-Sportfeld fort. 200 Anhänger bereiteten ihren Helden einen gebührenden Empfang. „Wir haben 600 Liter Bier da“, sagte Clubheimwirtin Tanja Vernay: „Ich hoffe das reicht.“ Es wurde knapp. Der Party-Marathon der Mannschaft ging in Szenekneipen und Discos der Saarbrücker Innenstadt weiter. Die Letzten kamen erst im Laufe des Vormittags ins Bett – und gestern gerade noch rechtzeitig auf den Rathausbalkon. „Es gibt Gerüchte, an denen ist durchaus etwas dran“, erklärte Marcus Mann schmunzelnd. Der Kapitän war auch im Feiern vorbildlich. „Marcus, Markus Fuchs und ich haben um acht Uhr Mike Brückerhoff aus dem Bett geklingelt und uns dann in seiner Wohnung etwas auf's Ohr gehauen“, flüsterte Manuel Zeitz, dessen Stimme nach dem Auftritt auf dem Balkon vollends versagte. Mit den Regionalliga-Meistern feierten im Rathaus der FCS II den Aufstieg in die Oberliga, die A-Jugend die Regionalliga-Meisterschaft und die Frauen den Klassenverbleib in der Bundesliga. „Unser Ziel muss es sein, dahin zu kommen, wo ihr schon seid“, lobte Ferner die Frauen des 1. FC Saarbrücken.

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