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Endstation Burnout? Immer mehr Saarländer im Arbeitsstress

Saarbrücken. Skispringer Sven Hannawald hatte es, Fußballtrainer Ralf Rangnick auch, ebenso Starkoch Tim Mälzer. Promi- Schicksale haben das Burnout- Syndrom in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Im Gegensatz zur Depression, die wie ein Makel an den Betroffenen klebt, ist Burnout in den vergangenen zehn Jahren gesellschaftsfähig geworden, fast so etwas wie eine Auszeichnung. „Er hat so hart gearbeitet, hat alles gegeben, bis er nicht mehr konnte.“

Modekrankheit Burnout? Eine bedenkliche Entwicklung, findet Sascha N. Dengel. Er hat selbst jahrelang mit dem Erschöpfungssyndrom zu kämpfen gehabt, hat ein Buch („Burnout-Syndrom: Krise oder Chance“) darüber geschrieben und in St. Wendel eine Selbsthilfegruppe gegründet. Die gesellschaftliche Akzeptanz des Burnouts hält er für einen Trugschluss. „Burnout kann man nicht sehen wie etwa ein gebrochenes Bein, deshalb fehlt häufig das Verständnis dafür.“

In der Medizin und Psychologie ist es umstritten, ob Burnout überhaupt ein eigenes Krankheitsbild ist oder eine Facette der Depression. Für den Diplom-Psychologen Frank Lessel vom Saarländischen Bündnis gegen Depression sind es zwei verschiedene Paar Schuhe. „Menschen mit einem Burnout bürden sich zu viel Arbeit, zu viel Verantwortung auf und haben ein hohes Pflichtbewusstsein, was sie früher oder später an den Rand ihrer Kräfte bringt. Am Ende steht der körperliche und psychische Zusammenbruch“, erklärt er. Bei einem depressiven Menschen sei ein anderes Grundmuster vorhanden.

„Nicht nur bei der Arbeit, sondern bei allem, was er tut, nimmt er zu wenig Rücksicht auf sich, nimmt sich selbst nicht wichtig, was von Anfang an mit einem hohen Kräfteverschleiß verbunden ist.“

Symptome der Depression wie gedrückte Stimmung, Interesselosigkeit, Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit könnten auch beim Burnout auftreten. „Diese Symptome sind bei der Depression von Beginn an vorhanden und auf die depressive Erkrankung zurückzuführen, während sie beim Burnout erst nach einer längeren Phase der Überforderung entstehen“, sagt Lessel. Er oder sie hat den Stress nicht mehr ausgehalten, heißt es oft im Zusammenhang mit Burnout.

Und tatsächlich sind sogenannte Stressoren die Ursache der Abwärtsspirale, die irgendwann im Zusammenbruch endet. Stress führt zu einer Überlastung des vegetativen Nervensystems. Dieses steuert überlebenswichtige Vorgänge wie Atmung, Stoffwechsel, Verdauung oder Herztätigkeit. Dabei sollten sich Belastungs- und Entspannungsphasen die Waage halten. Ist ein Mensch dauerhaftem Stress ausgesetzt, gerät das vegetative Nervensystem aus der Balance. Der Körper verzehrt seine Energiereserven. Die Folge sind erste Symptome des Burnout- Syndroms wie Kopfschmerzen, Vergesslichkeit, Schlaflosigkeit. „Das ist eine Abwehrreaktion des Körpers. Ein Hinweis an den Menschen, dass er etwas an seinem Verhalten ändern muss, damit es nicht zu ernsten Schäden kommt“, erklärt Dengel.

Offiziell ist das Burnout-Syndrom nicht als Krankheit anerkannt. Nach der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD) kann es nur als Zusatz-Diagnose festgestellt und behandelt werden – meist in Reha-Kliniken. „So gut und sinnvoll diese Therapien sind, sie berücksichtigen oft nicht genügend den Arbeitsalltag, der nach dem Klinikaufenthalt wieder ansteht“, sagt Lessel. In der Regel gehe es den Patienten nach der Behandlung gut, weil im geschützten Rahmen der Therapie die notwendige Regeneration eintrete. „Nach einigen Wochen kehren die Betroffenen in den Arbeitsalltag zurück, und meist soll dann alles so laufen wie bisher.“

Deshalb könne die Behandlung auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn sich an den persönlichen Umständen etwas ändere. mast  Im Saarland gibt es zwei Burnout-Selbsthilfegruppen in Saarbrücken und St. Wendel. Infos im Netz unter www.burnoutselbsthilfegruppe. de.

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