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Energie SaarLorLux übernimmt Kraftwerk Römerbrücke

Saarbrücken. Rund zwei Jahre hatten sie um die Zukunft von Fernwärmeversorgung und Stromerzeugung in Saarbrücken gerungen - die Manager der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken (VVS) und des Suez-Deutschland-Konzerns. Am Donnerstag, 23. Dezember, verkündeten die Spitzen beider Firmengruppen nun offiziell das Ende ihres Kampfes bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Rathaus St. Johann - die damit endete, dass die Manager unter den Augen der Journalisten einen Vertrag unterzeichneten, der als neue Basis für Fernwärmeversorgung und Stromerzeugung in Saarbrücken gilt.

Kern der Vereinbarung: Suez Deutschland verkauft das Kraftwerk Römerbrücke zu hundert Prozent an die Saarbrücker Firma Energie SaarLorLux (ESLL). Die ESLL gehört zu 51 Prozent der Suez und zu 49 Prozent dem Stadtkonzern VVS. Bisher hatte die ESLL lediglich Strom und Fernwärme aus dem Kraftwerk Römerbrücke gekauft und dann vertrieben. (Das Rohrnetz, durch das ESLL die Fernwärme weiterleitet, gehört von jeher den Stadtwerken. Die wiederum sind Teil der VVS.)

ESLL entwickelt sich nun also von einer reinen Vertriebsfirma zu einem Unternehmen, das mit einem eigenen Kraftwerk Fernwärme und Strom erzeugt - und vertreibt. Weil der Stadtkonzern VVS 49 Prozent an der ESLL hält, verdient die VVS künftig auch an Fernwärme und Strom.

Was die ESLL für das Kraftwerk bezahlt und wie viel Geld, die VVS bei dieser Transaktion in die ESLL pumpen muss, wollte am 23. Dezember niemand verraten.  "Über den Preis ist Stillschweigen vereinbart", erklärte Erik von Scholz, der Vorstandsvorsitzende von Suez Deutschland und Aufsichtsratsvorsitzende von ESLL. Der VVS-Vorstandsvorsitzende Dieter Attig versicherte, das Geschäft bringe "definitiv nicht höhere Preise für die Kunden".

Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der VVS, glaubt sogar: "Es gibt auf beiden Seiten Gewinner."

Die VVS hofft, dass sie sich mit ihrem Anteil an den künftigen ESLL-Gewinnen sanieren kann - und damit auch ihre rund 950 Arbeitsplätze sichern. Vor allem im öffentlichen Nahverkehr fährt die VVS jedes Jahr ein beachtliches Minus ein. Ein Gutachten, das 2007 bekannt wurde, prophezeite der VVS allein für 2011 Verluste von rund elf Millionen Euro (die SZ berichtete). Der Kraftwerksdeal gilt als Rettungsanker. Attig versprach jedenfalls am 23. Dezember, die VVS werde sich "in den kommenden Jahren" aus den roten Zahlen herausarbeiten. Unter Umständen sei in fünf bis zehn Jahren sogar mit einem kleinen Plus zu rechnen.

In diesem Zusammenhang warnte Attig - vor allem mit Blick auf den Fernwärmepreis - vor zu großen Erwartungen: "Stadtwerke müssen nicht die niedrigsten Preise haben, sondern angemessene. Wenn wir ökologisch weiterkommen wollen, können wir das nicht über niedrigste Preise erreichen."

Bei ESLL sind - trotz Übernahme des Kraftwerkes - keine großen Veränderungen geplant.  Anke Langner, im Suez-Vorstand zuständig für Vertrieb und Kooperationen, versicherte: "Fast alle ESLL-Mitarbeiter bleiben auf ihren gewohnten Arbeitsplätzen und behalten ihre Vorgesetzten. Auch für die Kunden wird sich nichts Wesentliches ändern." Das bestätigte der ESLL-Vorstandsvorsitzende Jochen Starke.

Zusätzlich zum Verkauf des Kraftwerkes an die ESLL haben Suez und VVS weitere Vereinbarungen getroffen. Erstens: ESLL wird auch die Fernwärme vermarkten, die ab 2012 im neuen kleinen Kraftwerk der VVS im Saarbrücker Industriegebiet Süd entsteht. Zweitens: VVS und Suez werden das Saarbrücker Fernwärmenetz gemeinsam ausbauen.

Hierzu versicherte Attig: "Im Vertrag über den Ausbau des Fernwärmenetzes haben wir große Rechte bekommen." Und mit Hilfe dieser Rechte wolle die VVS unter anderem erreichen, dass die ESLL künftig "stärker auf die Kunden" zugeht.

Im Januar 2010 hatten Attig und VVS-Geschäftsführer Peter Edlinger die SZ erstmals über den Konflikt mit Suez informiert. Kurz zuvor - im Winter 2009/10 - war der Streit zwischen ESLL und der Interessengemeinschaft Eschberger Fernwärmekunden (IEF) eskaliert.

Damals wollte die VVS unter anderem - grob vereinfacht - erstens eine 49-Prozent-Beteiligung am Kraftwerk Römerbrücke. Zweitens sollte die ESLL ihren Fernwärmevertrieb in eine separate Firma ausgliedern - und an der wollte die VVS eine 51-Prozent-Mehrheit übernehmen.

Als Druckmittel verwendete die VVS damals ihr Projekt, eigene kleine Heizkraftwerke zu bauen - was sie inzwischen im Industriegebiet Süd ja auch macht. Die Fernwärme wollte sie ins Netz der Stadtwerke einspeisen und der ESLL Kunden abwerben.

Die IEF hatte damals angekündigt, dann werde sie ihre Fernwärme sofort von den neuen VVS-Kraftwerken beziehen - in der Hoffnung auf "gerechtere Preise".

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