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Enrotherm: Zwei Insolvenzanträge eingereicht

 Die Enrotherm-Mitarbeiter fühlen sich im Stich gelassen.

Die Enrotherm-Mitarbeiter fühlen sich im Stich gelassen.

St. Ingbert/Saarbrücken. Der St. Ingberter Spezialglas-Hersteller Enrotherm wird wohl bald in der Insolvenz weitergeführt. Am Freitag gingen beim Insolvenzgericht Saarland in Sulzbach gleich zwei Insolvenzanträge ein. Zum einen stellte Marwin Roth, Saarbrücker Anwalt für Arbeitsrecht, im Auftrag seiner Mandanten aus der Enrotherm-Belegschaft einen entsprechenden Antrag. Zudem stellte er bei der Kriminalpolizei Anzeige und Strafantrag wegen des Verdachts des Betrugs, der Untreue und „Insolvenztatbeständen“. „Ich hoffe, dass die Kripo schnell tätig wird, damit nicht noch Unterlagen beiseite geschafft werden können“, sagte Roth.

Einen zweiten Insolvenzantrag stellte der St. Ingberter Anwalt Peter Haas. Er vertritt den Enrotherm-Geschäftsführer Rüdiger Thies, der sich nach wie vor als den „alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer“ von Enrotherm sieht. Der Grund für beide Anträge: Die Gesellschaft sei zahlungsunfähig. Die Mitarbeiter bekamen für Januar kein Geld.
Rückblende: Die rund 40 Beschäftigten von Enrotherm erhielten am Aschermittwoch von Knall auf Fall ihre Kündigung, nachdem sie aus den Fastnachtsferien zurückgekommen waren. Ein neuer Eigentümer solle die Firma übernehmen, wurde ihnen gesagt. Am Donnerstag dieser Woche sollten sie mehr erfahren. Dieser Termin wurde allerdings kurzfristig abgesagt. Der Betrieb sei geschlossen. hieß es. Als neue Geschäftsführerin trat eine S. M. Kramer auf.
Aus Unterlagen, die unserer Zeitung inzwischen vorliegen, geht hervor, dass es sich dabei um Sylvia Kramer handelt. Neuer Eigentümer von Enrotherm sollte die „Diskothek HöllStein GmbH“ mit Sitz in Weidhausen (Oberfranken) werden. Eine solche Firma gibt es offenbar, jedoch in Untergrießbach in Niederbayern. Sie organisiert Bierfeste in größerem Stil. Als Ansprechpartner ist ein „Herr Jung“ angegeben. Am Telefon meldet sich allerdings die Witwe Erika Jung aus dem Nachbarort Obernzell, die nach eigenen Angaben seit 20 Jahren Rentnerin ist und von „dieser Firma noch nie etwas gehört hat“.


Der Enrotherm-Verkauf soll am 12. Februar von dem Berliner Notar Peter Lehmann beurkundet worden sein. Als Vermittler soll nach SZ-Informationen eine Firma Pacemark Finance aufgetreten sein. Diese hat sich nach eigener Darstellung unter anderem auf Insolvenz- und Liquidationsberatung für kriselnde Unternehmen spezialisiert. Pacemark-Geschäftsführer Christian Fischer bestreitet jedoch gegenüber unserer Zeitung, dass die Firma als Vermittler tätig gewesen sei. Pacemark arbeitet auch mit der Schweizer Firma Swissvent aus Stans zusammen, die derzeit für Enrotherm ausstehende Forderungen von Kunden eintreibt (wir berichteten). Die Zahlungen hätten bis zum 18. Februar erfolgen sollen – auch wenn noch keine Ware geliefert wurde, wie es aus Kundenkreisen heißt.

Anwalt Peter Haas geht davon aus, dass sowohl der Firmenverkauf als auch die Bestellung Kramers zur Geschäftsführerin noch nicht rechtswirksam sind, da es registerrechtliche Probleme gegeben habe. Bis Donnerstagvormittag war im Handelsregister des Amtsgerichts Saarbrücken in der Tat noch kein Eintrag vermerkt, wie aus dem Enrotherm-Auszug hervorgeht.

Haas und sein Mandant Thies befürchten, dass man einem „professionellen Firmenbestatter in die Hände gefallen ist“. Diesem sei es lediglich darum gegangen, „ein Vermittlungshonorar zu kassieren und sich den Forderungsbestand der Gesellschaft zu erschleichen“. In dieses Bild passe, dass inzwischen „mit Ausnahme der Personalunterlagen sämtliche Firmenunterlagen abtransportiert sind“. Für kommenden Montag, 14 Uhr, ist eine Belegschaftsversammlung angesetzt.



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