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Ensdorf: Ein Ensdorfer Schmied verwandelt Silber zu Gold

Ensdorf. „Schon manch einer hat mich als Alchimisten bezeichnet“, feixt Goldschmied Markus Eckardt schelmisch während er einen goldenen Fingerring poliert. Das Sprichwort, das nicht alles, was golden glänzt, auch gleich Gold ist, wird in der Kellerwerkstatt des 46-Jährigen zu handfester Kunst geschmiedet.

Der gebürtige Merziger hat ihn vielleicht wahr gemacht, diesen Traum, den Menschen wohl spätestens seit dem Mittelalter träumen: Er macht Silber zu Gold – das denkt man zumindest, späht man ihm beim Schmieden über die Schulter. Dabei lässt er ein kleines kupferfreies Silberstück über einer heißen Flamme ausglühen. Nachdem Eckardt mit dem Silberstück fünf Minuten in seinem Werkraum verschwunden war, hat das Silber einen goldfarbenen Schein angenommen. Dort hatte er es mit einer ätzenden Lösung behandelt, zum Abschluss verdichtet er die Legierung durch das Hineinschmieden von Mustern.

Falsches Gold sieht aus wie echtes

Richtiges Gold oder nur eine verfärbte Silberlegierung? Im Gegensatz zu normalem Silber läuft Eckardts goldglänzende patentierte Silberlegierung jedenfalls nicht an. „Die Idee?“, erinnert er sich an den Dezember des vergangenen Jahres, „Einfach genial. Das ist durch einen Fehler gereift“. Aus Versehen hatte der Goldschmied am Ende einer langen Arbeitsnacht einen misslungenen Silberring in die ätzende Lösung geworfen. „Mein falsches Gold sieht aus wie echtes“, erklärt er stolz, während er in dicken Auftragsmappen blättert. Sein Hauptgeschäft macht er mit Trauringen, die er nach der 300 Jahre alten japanischen Schmiedetechnik „Mokume Gane“ fertigt. Dabei entsteht aus verschiedenen Metallen Unikat-Schmuck mit besonderen Mustern. Seine neue goldglänzende Silberlegierung will er aber nicht für Schmuckstücke verwenden. Silber sei nur sein Hobby, Geld mache er lieber mit richtigem Gold.
Der Gold- und Schmiedehandwerksmeister Michael van Ooyen, bei dem Eckardt eine Weiterbildung zum Restaurator besucht hat, ist über die Erfindung zwar erstaunt, weissagt aber, dass sie für das Handwerk nicht interessant sein werde. „Da wollen die Leute richtiges Gold haben“, erklärt er auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung. Vergoldete Silbersachen fänden im Verkauf nur äußerst geringen Absatz.

Schmied möchte sein Patent verkaufen

Allerdings könnte die Erfindung laut van Ooyen für die Modeschmuck-Branche oder die Elektro-Technik relevant sein. „Das hieße, Vergolden zu vermeiden“, sagt er und schätzt die Kostenersparnis auf 90 Prozent. Momentan kostet ein Kilogramm Silberlegierung 80 Euro, eine Goldlegierung 120 Euro – das Gramm. Der Goldschmiedemeister gibt allerdings zu, dass er die Folgen der Erfindung gar nicht abschätzen könne. Der Nutzen der goldenen Silberlegierung für die Industrie hängt aber von der Verarbeitungsfähigkeit und der Dehnbarkeit des Materials ab. Goldschmied Eckardt beschreibt sein falsches Gold als härter und leichter als Richtiges. Er hat schon mehrere Anfragen von Kollegen bekommen, Proben seines Goldes für Spektralanalysen zu schicken. Aber der Ensdorfer Schmied ist misstrauisch: „Ich traue keinem mehr“, flüstert er mehrmals. Markus Eckardt möchte sein Patent verkaufen – am liebsten an die Industrie.

Aber eigentlich ist der Goldschmied schon wieder dabei, Neues zu erfinden, denn er tüftelt, werkelt und schmiedet mit Leidenschaft ständig an neuen Legierungen. Seine Silberlegierung „Mujodogane“ wurde im vergangenen Jahr mit dem Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen im Handwerk ausgezeichnet. Die Branche habe seine immer neuen Erfindungen über viele Jahre hinweg neidisch angeknurrt, erzählt Eckardt, nun sei sie nur noch eines: still.

Ob er den Stein der Weisen gefunden habe, darüber will er nicht reden, das sollen andere entscheiden.
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