A6 Metz/Saarbrücken Richtung Kaiserslautern Zwischen Tankstelle mit Kiosk Homburg Saar und AS Waldmohr Gefahr durch defektes Fahrzeug auf dem Standstreifen (20:28)

A6

Priorität: Sehr dringend

9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Erneut ausgeraubt: Ladenbesitzerin im Nauwieser Viertel gibt auf

Saarbrücken. Wochenlang hing ein rotes Plakat an der Ladentür von „Tabak und Schreibwaren Eckert“ in der Blumenstraße 13 im Nauwieser Viertel. Besitzerin Eva Eckert (54) kündigte ihren Kunden an, dass sie ihr Geschäft zum 1. Januar 2013 schließen müsse. „Vielen Dank für die jahrelange Treue“ fügte sie der nüchternen Bekanntgabe bei.

1988 hatte sie den Laden im Nauwieser Viertel von ihrer Mutter übernommen. In den vergangen 24 Jahren wuchs sie den Menschen ans Herz. Denn auf dem roten Plakat, das sie mittlerweile abgehängt hat, „weil es jemand zerrobbt hat“, haben Kunden ihr Grüße hinterlassen. Eckert blickt auf die roten Schnipsel, die sie auf der Ladentheke ausgebreitet hat und liest: „Hallo Eva, warum machst du deinen Laden dicht? War immer mein Lieblingsladen für Tabak und Titanic.“ Andere richten „Alles Gute“ aus, viele schreiben „Wir vermissen dich“. Ein „trauriger Paul“ notiert: „Ich finde es schade, dass du schließt. Doch meine Frage bleibt: Warum?“

Auf das „Warum“ gibt Eckert eine deutliche Antwort: „Am 13. Dezember 2012 wurde ich in meinem Laden ausgeraubt. Ein Mann um die 40 mit grauer Wollmütze, bedrohte mich mit einem Messer.“ Mit ihren Händen deutet sie eine Länge von etwa 30 Zentimeter an. „Die Klinge war riesig. Er packte mich am Arm und schubste mich zur Kasse.“ Die 54-Jährige schüttelt sich, so als würde sie die fremden Hände erneut spüren. Dann beschreibt sie weiter: „Ich habe einfach reagiert. Wie auf Autopilot. Hab’ die Kasse aufgemacht, die Scheine rausgeholt. Dann war er weg.“ Die Polizei, erinnert sie sich, war „ruckzuck da“, doch die eingeleitete Ringfahndung blieb erfolglos. Drei Wochen schiebt Eckert einen Termin bei der Kripo vor sich her: „Ich sollte vorbeikommen, damit man ein Phantombild erstellt. Der Termin lag mir schwer im Magen. Ich wusste, dass das lange dauert.“ Fünf Stunden führt sie sich immer wieder das Gesicht des Täters vor Augen. „Aber ich merke, dass es mir jetzt besser geht. Ich kann nach und nach damit abschließen.“

Für Eckert war es nicht der erste Raubüberfall. „Vor Jahren wurde ich schon mal mit einer Pistole bedroht.“ Etwa zehn Mal wurde zudem in den vergangen 24 Jahren eingebrochen, „Geld gestohlen und in privaten Sachen gekramt“. Wie oft ihr die Frontscheibe zerschlagen wurde, kann sie nicht zählen. Kürzlich hat sie wieder jemand eingeworfen. Eine Holztafel versperrt den Blick nach draußen. „Der letzte Überfall war einfach zuviel. Die Wochen bis zur Ladenschließung fühlte ich mich unsicher, auch verletzlich. Immer, wenn jemand Unbekanntes am Fenster vorbeiging, habe ich kurz gezuckt.“

Der Laden ist mittlerweile fast leer geräumt. Ein paar Zigarettenschachteln, Feuerzeuge, Schulhefte und Stifte liegen noch in den Holzregalen. Das große Regal, wo bis vor kurzem die druckfrischen Zeitungen auslagen, ist leer. „Klar bin ich traurig. Vor allem wegen meiner Stammkunden“, sagt sie. Bei etwa 35 Kunden wusste sie, welche Zeitungen oder Zeitschriften sie zur Seite legen musste: „Für den einen die Süddeutsche, für den nächsten die FAZ, die Saarbrücker natürlich, oder auch die Hürriyet und viele Zeitschriften“, erinnert sie sich und zum ersten Mal huscht ihr ein Lächeln über die Lippen. Der Stapel mit den wegsortierten Lieblingstiteln lag immer unter ihrer Theke griffbereit. „Meine Stammkunden wussten, dass ich sie nie vergesse.“ Dann zeigt sie auf einen Stuhl. „Ich hatte auch viele Kunden, ein paar Omachen, die einfach mal zu einem Schwätzchen vorbeikamen oder um sich hier auszuruhen.“

Durch die halbgeöffnete Tür lugt Peter Tiefenbrunner (60) ins Geschäft: „Wie geht es dir, Eva?“, fragt er besorgt. Dann schildert er, dass „im ganzen Nauwieser Viertel über den Raubüberfall gesprochen wurde. Eva war einfach eine Institution hier. Wir werden sie alle schmerzlich vermissen.“ 24 Jahre, sechs Tage die Woche war der Laden Eckerts Leben. „Ich war jede Woche 72 Stunden hier“, sagt sie. Auch ihre Augen wirken traurig

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein