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Erneut dicke Luft aus der Petrochemie in Carling?

Die Chemieplattform in Carling.

Die Chemieplattform in Carling.

Die vergangenen Monate war es ruhiger geworden um die Chemieplattform im lothringischen Carling. Doch seit zwei Wochen trudeln bei der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Luft“ wieder mehr Beschwerden ein. „Die Menschen klagen über Husten und Schleimhautreizungen“, sagt Heike Schreiner von der BI. Das Saar-Umweltministerium hat dafür keine Erklärung. Die Messnetze Immesa und Atmolor hätten keine erhöhten Schadstoffausstöße gemeldet, sagt Sprecherin Sabine Schorr: „Im Gegenteil. Atmolor meldet sogar eine gute bis sehr gute Luftqualität.“ Experten des Ministeriums hätten festgestellt, dass der Wind aus Nord-Nordost komme, sodass „alles dagegen spricht, dass die Gerüche aus Carling kommen“. Bei einem Routinetermin vor Ort hätten Mitarbeiter des Landesamts für Umwelt- und Arbeitsschutz auch keine Gerüche feststellen können. Auch der Hauptbetreiber der Chemieplattform, Total, hat keine Erklärung. Gegenüber dem SR sagte eine Sprecherin, dass es keine erhöhten Aktivitäten gebe und der Fackelbetrieb seit Mitte Mai nicht mehr laufe. Die Gerüchte könnten nicht von Carling kommen.

Das Ministerium vermutet nun, dass der Gestank durch einen Rückstau im Abwasserkanal nach den starken Regenfällen entstanden sein könnte. Für Schreiner klingt das absurd: „Es riecht absolut nicht nach Abwasser.“ Der Gestank sei auch nicht plötzlich mit dem Regen gekommen, sondern hänge seit zwei Wochen in der Luft.

Im kommenden Jahr will das Ministerium für 35 000 Euro eine Internetplattform mit den Umweltmessdaten der Großregion einrichten. Die Plattform, die die BI seit längerem fordert, soll auf Französisch und Deutsch über die Schadstoffbelastung in den grenznahen Regionen aufklären. Wann genau sie online gehen wird, ist unklar, da die Gespräche mit den Nachbarländern noch laufen. „Optimal wäre, wenn auch Luxemburg mitmachen würde“, sagt Schorr.

Die Pläne für die sogenannte „grüne Nummer“ – eine Hotline, mit der Bürger Geruchsbelästigungen direkt nach Frankreich melden könnten – sind indes wenig konkret. Die Nummer ist für Franzosen kostenlos, Gleiches wird für deutsche Anrufer angestrebt, allerdings: „Es gibt rechtliche Probleme, weil es kein einheitliches Netz gibt“, so Schorr.

Ab September führen Wissenschaftler der Saar-Uni gemeinsam mit dem Ministerium spezielle Sensor-Messungen durch. Die Bürger vor Ort sollen parallel auf Fragebögen festhalten, wann sie welche Gerüche wahrnehmen. Dies gleichen die Wissenschaftler dann mit ihren Messergebnissen ab. Die Grünen-Fraktion begrüßt diesen Schritt. Die Verhandlungen über einen besseren Informationsaustausch gehen ihr jedoch nicht schnell genug voran. Sie fordert, dass Umweltminister Reinhold Jost ( SPD ) noch vor seinem geplanten Besuch der Plattform im September das Gespräch mit den Betreibern suchen und auf eine schnelle Lösung drängen.
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