A623 Friedrichsthal Richtung Saarbrücken Zwischen AS Saarbrücken-Herrensohr und Einmündung Rodenhof Bauarbeiten, linker Fahrstreifen gesperrt, Stau zu erwarten bis 19.10.2017 05:00 Uhr (17.10.2017, 16:49)

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Erst schauen, dann reden: Wo ist Saarbrücken schön, wo ist es häßlich?

Das wäre zu schön gewesen: Publikum wirft Namen von Gebäuden in den Ring, und die Experten schlagen oder loben drauflos. Nein, da waren der Soziologe und FDP-Politiker Professor Olaf Kühne und der Architekt Carsten Diez am Dienstag beim Saarbrücker „Stadtgespräch“ beziehungsweise „Bürgerfoyer der Villa Lessing“ zum Thema „Die Saarbrücker Baukultur: hässlich, schön und/oder wertvoll“ einig: Solche Urteile fällt man nicht nach Tagesform und aus der Hüfte. Sondern es sei so, dass „Schönheit“ – ohnehin ein wieseliger Begriff –, Zweckmäßigkeit und Nachhaltigkeit von Bauwerken erst nach zehn, 20 oder noch mehr Jahren zu beurteilen seien.

So hatte Diez Verständnis für das Sehnen eines Zuhörers nach der Häuserzeile, die dem Sparkassen-Bau in der Eisenbahnstraße wich. Anderseits: Zeuge dieses neue Bankgebäude nicht auch von guter Architektur? Man müsse stets „erinnern und abwarten“ und dürfe nicht „in Aktionismus verfallen“ warb Diez um Langmut. Ob der vierte Museums-Pavillon der Stadt Saarbrücken gut anstehe? „In 40 Jahren werden wir weiser sein“, sagte Kühne und äußerte grundsätzliches Unbehagen an „Monumentalbauten“, die den Rang einer Stadt dokumentieren sollten und an Deutungshoheiten, was gut und schlecht zu sein habe.

Sein Plädoyer galt der Freiwilligkeit und der demokratischen Entscheidung, wie die Leute beziehungsweise ihre Vertreter in den Parlamenten das Bauen gern hätten: ein Wohngebiet ohne Autos wie in Zürich? Warum nicht, aber bitte nicht per Verordnung.

Oder, noch weitergehend: Warum überhaupt so viel zu Arbeitsplätzen fahren, wo man in der digitalen Welt doch gut von daheim schaffen könne?

Wenn denn auch die Frage des Abends unbeantwortet bleiben musste, so herrschte Einvernehmen über das Fazit der Moderatorin Ilka Desgranges: „Wenn Baukultur Gesprächsthema wird, dann ist das gut für die Stadt“, sagte die leitende Redakteurin der Saarbrücker Zeitung – und empfahl die Teilnahme an Architektur-Stadtspaziergängen oder an den öffentlichen Sitzungen des Gestaltungsbeirates. Hier sei Gelegenheit, Einblick in diverse Sichtweisen von Bauen zu nehmen und auch hier und da zu Wort zu kommen.
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