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Erste Einblicke in Völklinger Ägypten-Schau – Eröffnung am 25.07.

Reichlich profan wird die Tochter des Hohepriesters Ankh-Khonsu ins Licht der Welt zurückgeholt – mit zwei Akkuschraubern. Keine zwei Minuten, dann steht die klimatisierte Transportbox aus dem Turiner Museum Egizio, einer der weltweit größten Schatzkammern für Artefakte aus dem alten Ägypten, offen da. Und Renpet-Nofret wird in der Gebläsehalle aufgebahrt. „Ein erhebender Augenblick“, flüstert Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, mit bebender Stimme.

Tatsächlich schweigen die um die Mumie versammelten Journalisten und Museumsmitarbeiter für Sekunden. Doch die Andacht verfliegt so rasch, wie sie kam. Vielleicht, weil es zwei Wochen vor Eröffnung der Ägypten-Schau in der Gebläsehalle ansonsten wenig weihevoll, dafür aber sehr nach Baustelle aussieht. Die bis zu drei Tonnen schweren Panzerglasvitrinen, die die 250 Objekte aus der Turiner Sammlung aufnehmen werden, sind noch fast alle leer. Zwar traf der Transport aus Italien bereits am Montag in Völklingen ein, doch die Exponate müssen sich erst ans Klima in der Gebläsehalle gewöhnen, erläutert Grewenig.

Noch fehlt also die Ordnung in den Papyrusrollen, Plastiken und Grabbeigaben, die einen Einblick in die altägyptische Hochkultur von 4000 vor Christus bis hinein in die so genannte Spätzeit (bis 332 vor Christus) geben sollen. Da Großes auch groß annonciert sein will, lupfte Grewenig gestern schon mal pressewirksam einen Sarkophagdeckel und stieß so das Tor zu einem der bedeutendsten Ausstellungsprojekte im einstigen Eisenwerk auf. „Es sind die ältesten Ausstellungsstücke, die wir je hier hatten“, sagt er. „Sechsstellig, mindestens“ soll darum am Ende die Besucherzahl sein. Gemessen an früheren Gästerekorden, etwa 2011 bei der Keltenschau 196 000 Besucher, klingt das bescheiden. Doch die Rechnungshof-Kritik an der eigenwilligen Zählweise im Weltkulturerbe lässt nun wohl die Erwartungen des Generaldirektors dezenter ausfallen.

Trotzdem, 100 000 Besucher sollten zu schaffen sein. Fasziniert doch keine der alten Hochkulturen die Menschen so anhaltend wie die ägyptische. Bereits römische Kaiser ließen Obelisken als frühe „Beutekunst“ nach Italien schaffen.

In Völklingen werden Renpet- Nofret und ihre Schwester Tapeni, die zu Zeiten der 25. Dynastie (712-655 vor Christus) am Nil lebten, die Glanzstücke der Schau sein. Wobei Glanz in die Irre führt. Viel Gold und funkelnde Edelsteine werde man nicht sehen, dämpft Grewenig falsche Erwartungen.

Die Qualität der Turiner Leihgaben liege vor allem in ihrem trefflichen Erhaltungszustand begründet. Renpet-Nofrets äußerer wie innerer Sarkophag beeindrucken vor allem durch die aufwändige Holzbemalung. Und die Binden, in die die junge Frau nach ihrem Tod gewickelt wurde, scheinen bestenfalls wenige Jahre alt.

Nur wenige Ägypter bekamen eine solche Bestattung: Pharaonen, die als Götter verehrten Herrscher am Nil, und ihre Hohepriester wurden so etwa für das jenseitige „Leben“ vorbereitet. Woran die 14-jährige Renpet-Nofret starb – das aber bleibt ein Geheimnis. Eine Durchleuchtung mit einem Computertomographen, bei anderen Mumien bereits geschehen, fand bei ihr nie statt.

Dass die Turiner ihre Objekte überhaupt in dieser Menge außer Landes lassen, sei schon etwas Besonderes, betont Grewenig. Nur für eine Schau in Japan und eine in Speyer, wo Grewenig 1993 die nahezu gleich heißende Ausstellung „Götter.Menschen. Pharaonen“ zeigte, war das Museo Egizio ähnlich spendabel. „Doch wer in Speyer war, kennt noch nicht das, was hier zu sehen ist“, baut Grewenig Wiederholungsängsten vor.

Da das Museum in Turin derzeit umgebaut wird, habe man nun aber 250 Exponate für Völklingen freigegeben.  „Ägypten – Götter. Menschen. Pharaonen“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte: 25. Juli 2014 bis 22. Februar 2015, täglich von 10 bis 19 Uhr. Infos: www.voelklinger-huette.org

HINTERGRUND

Das Turiner Museo Egizio beherbergt eine der ältesten und bedeutendsten ägyptologischen Sammlungen der Welt. Über 32 000 Exponate sind in ihrem Besitz. Die Bestände gründen auf Ankäufen des Königs Karl Felix von Sardinien- Piemont, der 1824 über 5000 altägyptische Kunstwerke, Statuen und Papyri erwarb. Glanzpunkte der Sammlung sind die Grabausstattung des Architekten Cha aus der 18. Dynastie und Funde aus dem Tal der Königinnen. red

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