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Erster Arbeitstag als SR-Intendant für Kleist

St. Wendel. Hätte Thomas Kleist für diesen Interview-Termin auf seiner Terrasse in Oberlinxweiler ein Langarm-Hemd gewählt – die Ärmel wären spätestens nach fünf Minuten aufgekrempelt. So viel druckvolles Nach-Vorne- und Anpacken-Wollen vermittelt der neue Mann an der Spitze des SR. Als strahlend gut gelaunter Hausherr tritt Kleist auf, saugt sich nach wenigen Bemerkungen über Gärtnern statt Golfen am SR als Thema fest: Visionen, Veränderungen, Sparszenarien. Man spürt: Da ist einer mit Leidenschaft Medien-Experte. Kleist war es – bis auf seine Zeit als Staatssekretär einer SPD-Landesregierung – fast sein ganzes Berufs-Leben lang: als Gründungsdirektor der saarländischen Landesmedienanstalt als Lehrbeauftragter, Rechtsanwalt und nicht zuletzt als Vorsitzender des Verwaltungsrats des SR.

Nun kann Kleist endlich von der Theorie-Leine: „Das ist wie beim Bergwandern, einmal will man dann doch noch auf den Gipfel“, so formuliert er das. Er erklärt damit zugleich, warum nach 1999 eine politische Karriere keine Option mehr war.



Der Neue auf dem Halberg wird sich nicht sechs Jahre lang lediglich an der prachtvollen Aussicht von seinem Schloss-Büro auf das Funkhaus mit 570 Mitarbeitern erfreuen. Kleist hat sich tüchtig was vorgenommen, wie bereits an anderer Stelle in dieser Zeitung zu lesen war: eine neue Online-Programmsäule, Organisations- und Personal-Veränderung, Verjüngung des SR-Fernsehens. Kleist kommuniziert offen, ja geradezu offensiv.  Selbst sein Gehalt – nach eigener Aussage rund 200 000 Euro – ist kein Duckdichweg-Thema wie sonst so oft.

„Ich bin kein Unterlasser, ich bin ein Unternehmer“, sagt er. Kleist packt offensichtlich gerne tüchtig an, ist ein nahezu prototypischer saarländischer Häuslebauer. In Gehweiler (Namborn) geboren, baute er 1985 in St. Wendel, half selbst mit. Großzügig ist es, hell, bis zur Akkuratesse aufgeräumt und an keiner Stelle protzig. Alles zeugt von einem energischen Gestaltungswillen und -Vermögen. Darf man Rückschlüsse auf Kleists Führungsstil ziehen? Er berichtet über seine tägliche „Freude an einem langen Tag“ bis nach Mitternacht und von nur sechs Stunden Schlaf. Aktiv- und Unterwegssein prägen Beruf wie Freizeit: Unzählige Dienstreisen, kürzlich Sondierungs-Besuche bei den ARD-Intendanten, Gartenarbeit, Radfahren, Laufen, Wandern. Ohne Sport kein Urlaub (Südtirol, Mallorca). Ruhe kehrt ein, wenn Kleist zur Gitarre greift, was er seit seinem zwölften Lebensjahr täglich tut. Drei Instrumente stehen im Wohnzimmer, prominenter als der Fernseher. Kleist spielt alles zwischen Chanson und Blues, musiziert gerne auch mit Freunden: „Das ist Labsal für die Seele.“ Zu Luxus hat er, wie er sagt, als Kind aus kleinen Verhältnissen kein Verhältnis. Geld gebe er ausschließlich für saarländische Kunst aus: etwa für Rolf Viva, Till Neu, Volker Lehnert. Das ist kein sich stapelndes Beutematerial eines Sammlers, sondern wohl geordnetes Wand-Dekor.  Aus nichts macht Kleist einen Kult, setzt aber alles punktgenau ein.



31 Jahre ist er verheiratet, seine Frau arbeitet als Immobilienmaklerin. Mit Tochter und Sohn pflegt man eine intensive, wenn nicht gar innige Beziehung. Tochter Damaris (23) lebt in Saarbrücken, ist bereits mit dem Betriebswirtschafts-Studium durch, hat zeitgleich eine Banklehre absolviert. Alexander (27), ein Doktor in Medienrecht, startet in Singapur durch. Samstags führt Kleists Weg zudem um acht Uhr zu seinen Eltern zum Frühstück. Wenn er danach einkaufen gehe, läuft das, wie er berichtet, nach dem Motto: „Für drei Sachen brauche ich drei Stunden.“ Er ist gern unter Menschen. Freunde nennt er nur ganz wenige. Alfons Lauer (SPD) zählt dazu, der Oberbürgermeister von Merzig. Dieser Bodenständigkeits-Faktor dürfte den SPD-Mann Kleist auch für „schwarze“ Rundfunkrat-Mitglieder wählbar gemacht haben. Für die Selbstständigkeit des Senders wird Kleist wohl wie ein Löwe kämpfen. Jedoch nicht blind. Er sieht zwar eine „Schicksalsgemeinschaft“ zwischen Land und Sender, lässt sich aber durchaus ein auf den Gedanken einer föderalen Gesamt-Neuordnung Deutschlands: „Wogegen ich mich allerdings wehre, ist die solitäre Debatte über die Auflösung des Saarlandes und eine Fusion mit Rheinland-Pfalz, das ist der grundsätzlich falsche Ansatz.“



Medienpolitisch würde er gern Staats- und Bundesländergrenzen überwinden: „Wir müssen nach Kulturräumen fragen und dann Kommunikations-Räume schaffen.“ Die Großregion bis nach Wallonien und die  Westpfalz wäre für ihn ein Pionierfeld für eine neue Frequenzpolitik samt neuem Sendeverbund.

Von Säbelgerassel hält er grundsätzlich wenig. Im aktuellen Rechts-Konflikt zwischen Verlegern und der ARD wegen der „Tagesschau“-App rät er allen, „von den hohen Rössern abzusteigen“. Hierzulande will er es vormachen: für die neuen SR-Online-Angebote eine Kooperation mit der Saarbrücker Zeitung. Nein, Konfrontation ist nicht sein Ding, sondern kontakten, vernetzen, moderieren. Das war bereits seine Stärke, als es um die entscheidende Stimme bei seiner Wahl zum Intendanten ging. Er wird sein Talent intensivieren müssen, will er die SR-Mannschaft für seine für seine Umstrukturierungs-Ideen gewinnen.


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