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„Es kommt alles wieder hoch“

Die Mutter kämpft immer wieder mit den Tränen. Ein halbes Jahr ist es her, dass ihre 16-jährige Tochter einem grausamen Verbrechen zum Opfer fiel. Erstochen und verbrannt an einem Bahndamm in Trier . Am gestrigen Dienstag sitzt die Mutter nun dem mutmaßlichen Täter gegenüber: einem 25-Jährigen, der sich wegen Mordes vor dem Landgericht Trier verantworten muss. Verstohlen erwidert der Angeklagte im Gerichtssaal die traurigen Blicke der Mutter.

Sie kennen sich: Der gelernte Maler und Lackierer wohnte in der Nachbarschaft der Familie. Das Opfer und der 25-Jährige waren Bekannte und feierten auch mal zusammen. So auch am Tatabend Mitte März, gemeinsam mit Freuden. Dann wollte die Schülerin noch zu ihrem Ex-Freund fahren, vom Trierer Bahnhof aus, mit dem Bus. „Der Angeklagte sollte sie begleiten, weil sie sich im Dunkeln fürchtete“, sagt Staatsanwalt Volker Blindert. Auf dem dunklen, abgelegenen Weg entlang der Bahngleise habe der 25-Jährige das Mädchen dann angegriffen, um sie zu vergewaltigen. Doch sein Vorhaben scheiterte, weil sie sich heftig wehrte: „Sie zappelte, kratzte und schrie“, sagt der Staatsanwalt. Da habe sich der Angeklagte entschlossen, sie zu töten, „aus Sorge, dass sie ihn verraten könnte“. Mit einem Klappmesser stach er demnach viermal in ihren Oberkörper, sie verblutete sofort. Am nächsten Tag zündete er die Leiche mit Grillanzünder an, „um sämtliche Spuren zu verwischen“.

„Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte sein Opfer erstochen hat, um eine versuchte Vergewaltigung zu verdecken“, sagt Blindert. Die Verdeckungsabsicht sei ein Mordmerkmal. Der Mann habe die Vergewaltigung geplant. „Er hat noch am Tattag im Internet zum Thema Vergewaltigung recherchiert.“ Zudem habe er ein Seil am Tatort deponiert, mit dem er das Mädchen fesseln wollte.

Ja, es stimme, der 25-Jährige habe seine Bekannte getötet, sagt dessen Anwalt Thomas Julien. Er bestreite aber „mit Nachdruck, dass er die Schülerin vergewaltigen wollte“. Es sei an jenem Abend zwischen den beiden zu einem heftigen Streit gekommen: Der Angeklagte habe die 16-Jährige davon abhalten wollen, zu ihrem Ex-Freund zu fahren. „Ein Wort gab das andere, er wollte sie nach Hause zerren“, trug der Anwalt vor.

„Plötzlich hatte er das Messer in der Hand.“ Schon beim letzten Stich habe es ihm leidgetan, er habe die Tat rückgängig machen wollen. In Panik sei er davongerannt und habe die Leiche im Gebüsch hinter einer alten Werkzeughalle versteckt. Später habe er die Leiche angezündet. Er wolle sich bei Familie und Freunden entschuldigen. Mutter und Vater im Saal reagieren darauf nicht. „Es ist ein ganz, ganz schwerer Gang für die Eltern, den Prozess zu begleiten“, sagt deren Anwalt Otmar Schaffarczyk, der sie als Nebenkläger vertritt. „Es kommt alles wieder hoch.“

Der Halbbruder der Getöteten hofft, dass der 25-Jährige eine gerechte Strafe bekommt. „Es ist immer noch schwer für uns.“ Und eine Halbschwester der 16-Jährigen fügt hinzu: „Er hat es verdient, dass er ins Gefängnis kommt, damit er nie wieder jemandem wehtut.“

Rund 60 Zuschauer, vor allem Bekannte des Opfers, waren zum Auftakt des Prozesses ins Trierer Gericht gekommen. Der erste Tag endet schon am Mittag, weil es dem Angeklagten gesundheitlich schlecht geht. Das Verfahren dürfte am heutigen Donnerstag weitergehen. Insgesamt sind Termine bis Ende November geplant – rund 50 Zeugen sind geladen.
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