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Es liegt oft nur noch am Deutsch: Wie Flüchtlinge an Saarbrücker Schulen für ihren Abschluss kämpfen

Mohammad Khademi möchte Erzieher werden, Ebrahim Haydari lieber Automechatroniker. Beide sind anerkannte Flüchtlinge , leben seit zwei und drei Jahren in Saarbrücken . Und sie haben eine echte Chance, ihren Traumberuf zu erlernen. „Mohammad und Ebrahim sind in Deutsch und in anderen Fächern in den vergangenen Jahren so weit gekommen, dass ich zuversichtlich bin, dass die den mittleren Bildungsabschluss schaffen“, bescheinigt ihnen Stefan Dörr, Rektor der Gemeinschaftsschule Ludwigspark. Der 18-Jährige Ebrahim kam 2012 aus Afghanistan hier her, Mohammed, 15, flüchtete aus dem Iran und lebt seit 2013 in der Landeshauptstadt. Beide besuchen mittlerweile die 9. Klasse der Schule am Ludwigspark.

Dass sie gerade hier gelandet sind, ist vermutlich ein Glücksfall. Denn Stefan Dörr und seine Kollegen haben eine Menge Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien. Allein seit September 2014 hat die Schule 82 Schüler meist ohne Deutschkenntnisse aufgenommen, die meisten stammen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und Bulgarien. „Es hat sich rumgesprochen, dass es einem bei uns an der Schule ganz gut gehen kann“, meint der Rektor. In diesem Schuljahr kamen 40 neue Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings- oder Zuwandererfamilien auf die Ludwigsparkschule, 29 von ihnen sprechen kaum ein Wort Deutsch.

Rund 3300 Kinder aus Flüchtlingsfamilien wurden in diesem Schuljahr im Saarland eingeschult. „Im vergangenen Schuljahr gingen in Saarbrücken 259 Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien auf eine allgemeinbildende Schule. Wie viele es in diesem Schuljahr sind, wissen wir noch nicht genau. Es sind aber erheblich mehr“, erläutert Marija Herceg, Pressereferentin im saarländischen Bildungsministerium. Und die Zahl derer, die eingeschult werden müssen, könne sich täglich ändern.

Ganz neu in einer der 9. Klassen der Schule am Ludwigspark sind der 16-jährige Abdulrahim El Mahmoudi aus Lybien und Cornel-Mihai Putyer, 15, aus Rumänien. „Abdulrahim und Cornel-Mihai haben beide den Bildungshintergrund und die Bildungserwartung für die mittlere Reife. Es liegt jetzt nur noch am Deutsch“, erklärt Rektor Stefan Dörr.

Alle Schüler aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien werden neben dem normalen Unterricht in Deutsch gefördert. Nicht nur an der Saarbrücker Gemeinschaftsschule. Im Rahmen des Sofortprogramms zur „Bildung und Förderung von Flüchtlingskindern“ hat das saarländische Bildungsministerium eine Million Euro bereitgestellt, um Sprachförderungsprogrammen wie „Früh Deutsch lernen“ oder „Sprachförderung im Sekundarbereich I“ auszuweiten. „Die Programme werden im neuen Schuljahr weiter ausgebaut. So wurden 24 zusätzliche Lehrkräfte eingestellt“, erläutert Marija Herceg.

Auch die vier Jungs von der Gemeinschaftsschule Ludwigspark bekommen Förderstunden in der deutschen Sprache, bis zum Schulabschluss. Und sie nehmen ganz normal am Unterricht teil. „Die Einbindung in die Klassen ist sehr wichtig. So integrieren sich die Schüler viel schneller“, meint Rektor Stefan Dörr.

Der Deutschunterricht wird an der Ludwigsparkschule in diesem Schuljahr mehr danach ausgerichtet, wie die Schüler im Unterricht zurechtkommen. „Gibt es etwa Probleme in Chemie, dann konzentrieren wir uns im Sprachunterricht darauf“, erläutert Dörr. Und dennoch: „Dass sie im regulären Deutschunterricht, der auf Deutsch als Muttersprache basiert, mehr als die Note fünf bekommen, ist utopisch“, erklärt Dörr. Deshalb müssen sie umso besser in den anderen Fächern abschneiden, um den Abschluss zu bekommen. Und ihren Traumberuf zu erlernen.
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