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„Es wird kein Wundermittel geben, aber bessere Medikamente“

Herr Professor Matzdorff, ist Krebs vollständig heilbar? Matzdorff: Krebs ist im Vergleich zu vor 20 Jahren in vielen Fällen heilbar geworden. In noch mehr Fällen ist aber Krebs heute keine tödliche Krankheit mehr, sondern eine chronische. Zum Beispiel bestimmte Leukämien, Lympdrüsenkrebs oder Lebermetastasen: Früher konnte man dagegen wenig ausrichten, heute hat ein großer Teil der Patienten die Chance, über viele Jahre mit der Krankheit zu leben, sie oft tatsächlich zu besiegen.

Wie hat sich die Krebs-Therapie verändert? Matzdorff: Neben den klassischen Behandlungsmethoden Bestrahlung und Chemotherapie sind in den vergangenen 15 Jahren Medikamente dazugekommen, die ganz gezielt gegen die Krebszelle vorgehen. Wir können damit die Heilungschancen deutlich verbessern. Genau wie mit Antikörpern, die wir etwa bei Darm- oder Brustkrebs spritzen und die künstlich in Mäusen hergestellt werden. Diese sind so gut verträglich, als wären sie vom Menschen selbst gemacht.

Manchmal wird behauptet,eigentlich habe jeder Mensch Krebs. Matzdorff: Da ist tatsächlich etwas dran. Beispiel Lymphdrüsenkrebs: Der entwickelt sich möglicherweise aus Zellen, die auch beim gesunden Menschen in sehr kleiner Zahl vorhanden sind. Nur ist der Körper eines Gesunden in der Lage, diese Zellen zu unterdrücken, während beim Kranken die Selbstregulationsmechanismen versagen. Deshalb sagt man auch: Wer Krebs verhindern will, soll gesund leben, soll Sport treiben. Das Immunsystem kann viel unter Kontrolle halten.

Warum bekommt man Krebs? Matzdorff: Es gibt genetische Ursachen. So besteht bei Brustkrebs ein höheres Riskio, wenn Erkrankungen in der Familie vorgekommen sind. Und es gibt Umweltfaktoren und den persönliche Lebensstil – Rauchen, Bewegungsmangel, Ernährung. Es geht immer um Wahrscheinlichkeiten: Wer viel Fettes isst, erhöht sein Krebs-Risiko, wer sich eher mediterran ernährt, wenig Fleisch, mehr ungesättigte Fettsäuren, verringert sein Risiko.

Wenn es um Wahrscheinlichkeiten geht – was ist mit Pech? Matzdorff: Ja, es gibt auch junge Leute, die haben Krebs, und keiner weiß, warum. Man vermutet heute, dass auch Infektionen eine Rolle spielen, dass bestimmte Viren und Bakterien Formen von Krebs auslösen.

Wird die Menschheit Krebs in absehbarer Zeit besiegen? Matzdorff: Es wird kein Wundermittel gegen Krebs geben, das halte ich nicht für wahrscheinlich. Dafür sind die verschiedenen Arten der Krankheit und die einzelnen Patienten zu unterschiedlich. Aber es wird bessere Medikamente geben. Von zentraler Bedeutung wird auch sein, dass die Zusammenarbeit der Spezialisten, nicht nur der Ärzte, noch enger wird. Therapien gegen Krebs werden besser.

Kann sich unser Gesundheitssystem das überhaupt leisten? Matzdorff: Der Diskussion, wieviel eine Behandlung kostet und ob wir das wirklich allen anbieten sollen/können, werden wir auch in Deutschland nicht ausweichen können. Eine Tabuisierung dieses Themas hilft uns nicht weiter. In den USA, wo die Patienten einen Teil der Therapie aus eigener Tasche bezahlen müssen, ist das schon verbreitet. Und in England bekommt man ab einem bestimmten Alter schon heute keine Chemo mehr.
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