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Europa-Galerie: Kunden-Magnet oder Laden-Killer?

Wenn die Europa-Galerie öffnet, »werden die Umsätze der Einzelhändler in der Bahnhofstraße einbrechen« - fürchtet zumindest die Diplom-Ökonomin Monika Walther von der Universität Hamburg.

Wenn die Europa-Galerie öffnet, »werden die Umsätze der Einzelhändler in der Bahnhofstraße einbrechen« - fürchtet zumindest die Diplom-Ökonomin Monika Walther von der Universität Hamburg.

Saarbrücken. Am 21. Oktober öffnet die Europa-Galerie ihre Tore. 24 000 Besucher sollen dann täglich in den neuen Konsumtempel strömen. Wir haben Fachleute gefragt: Was bedeutet das für die künftige Entwicklung der City, der Bahnhofstraße und des Einzelhandels?

„Besonders in der Anfangszeit werden die Umsätze der Einzelhändler in der Bahnhofstraße einbrechen“, meint Diplom-Ökonomin Monika Walther von der Hafen-City Universität Hamburg. Walther untersucht seit 1995 Auswirkungen innerstädtischer Einkaufszentren auf die Einzelhändler in der Umgebung. In Saarbrücken, so fürchtet die Wirtschaftswissenschaftlerin, drohe dasselbe, das schon in anderen deutschen Städten geschehen sei.

Umsatzeinbrüche in der Bahnhofstraße?

Die neue Galerie könnte Passantenströme ablenken. Die Bahnhofstraße werde dann nicht mehr so stark frequentiert wie bisher. Umsatzeinbrüche würden die Folgen sein. Dies wiederum könnte die Mieten für Gewerbe-Immobillien drücken. Das bestätigt auch der Gewerbeimmobilienexperte Hermann Hansen von Hansen & Blum. „Einige Einzelhändler versuchen jetzt, neue Mietverträge abzuschließen, die den Umsatz im Geschäft an die Miete binden“, sagt Hansen. Immer weniger Umsatz führe aber auch vielfach zu Geschäftsaufgaben. Zeitweilige Leerstände seien die Folge. Doch diese würden neubesetzt durch Döner-Läden, Handy-Shops oder Ein-Euro-Läden. Dem entgegnet Saarbrückens Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer: „Mieterwechsel müssen nicht zwangsläufig dazu führen, dass Billigläden einziehen. Zudem wirkt die Landeshauptstadt der verstärkten Anziehung von Billigläden bewusst entgegen, zum Beispiel durch die Gestaltungsrichtlinien.“

Viele der jetzigen Geschäfte in der Bahnhofstraße werden auch in der neuen Galerie vertreten sein. Bisher wollen die meisten Filialunternehmen wie Deichmann, Douglas, Roland-Schuhe, Pimkie, Runners Point, WMF und Christ bleiben, wie SZ-Anfragen bei den Konzernleitungen ergaben.

Nischenangebote finden

Saturn aber geht, bestätigt Geschäftsführer Jan Danielsen. Der Elektroladen schließt sein Geschäft in der Bahnhofstraße und zieht in die Europa-Galerie um. Die anderen Konzerne behalten größtenteils ihre Filialen in der Bahnhofstraße. Doch für wie lange? „Das kann keiner genau sagen. Die großen Filialketten sind bekannt dafür, dass sie die Filialen schließen, die mittelfristig keinen ausreichenden Umsatz generieren“, sagt Walther. Da seien die Konzerne nicht gerade zimperlich. So könnten nach ein paar Jahren nur noch die kleinen Einzelhändler übrig bleiben. Die Einzelhändler könnten sich aber gegen Umsatzeinbußen wehren. „Sie müssen versuchen, ein Nischenangebot zu finden, das es in der Galerie nicht gibt“, empfiehlt Walther.

Das könne sich aber als relativ schwierig erweisen: Denn in den 110 Geschäften in der Europa-Galerie gibt es von Kleidung über Schmuck, Schuhe, Haushaltsgeräte, Geschenkartikel, Lebensmittel bis hin zu Friseuren und Reiseunternehmen fast alles.

„Die Einzelhändler müssen zudem in die Attraktivität investieren, um auch weiterhin Kunden anzulocken“, sagt Walther. Der Bau der Europa-Galerie war schon 2006 bekannt. Da hätten sich die Händler schon Gedanken machen sollen. Eine Werbegemeinschaft Bahnhofstraße, wie von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz auf der letzten Stadtratssitzung vorgeschlagen, sei aber nicht effektiv.

Saarländer, Pfälzer und Franzosen müssten in Scharen einkaufen

„Der Monopolstellung eines großen Einkaufszentrums hat eine Werbegemeinschaft aus Einzelhändlern nicht viel entgegen zu setzen“, glaubt Walther. Dass die Kaufkraft durch die Eröffnung des Einkaufszentrums steige und die Bahnhofstraße davon profitiere, bezweifelt sie: „Es müssten Saarländer, Pfälzer und Franzosen in Scharen in Saarbrücken einkaufen, um die Kaufkraft spürbar zu steigern, damit die Bahnhofstraße auch davon profitieren könnte.“

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