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Europa: Muss das Saarland sich besser verkaufen?



Saarbrücken. Ein Autobahnschild auf der A 620 kurz vor Saarlouis ist für Hanno Thewes der beste Beweis dafür, dass von Europa zwar immer viel gesprochen wird, aber zu wenig passiert. Vor Wochen hatten politische Würdenträger aus dem ganzen Land die Bundesstraße 269 neu eröffnet – ein gefeiertes Millionenprojekt, das die A 620 mit dem französischen Autobahnnetz verbindet. Doch Thewes, Landesvorsitzender der Europa- Union, wunderte sich: An der Abfahrt der A 620 auf die Bundesstraße fehlt ein Hinweis, dass es nach Frankreich geht (die SZ berichtete). Der Landesbetrieb für Straßenbau will sich nach Thewes’ Intervention nun darum kümmern und die Beschriftung „nach Möglichkeit nachholen“, wie ein Sprecher auf Anfrage versicherte.

Als Chef der überparteilichen, 400 Mitglieder starken Europa-Union ist Thewes so etwas wie der Chef-Lobbyist des europäischen Gedankens an der Saar. Wenn es darum geht, die Großregion näher zusammenrücken zu lassen, denkt er zuerst an die Dinge des Alltags. An Straßen – oder auch ans Fernsehen. Seine Idee: Der Saarbrücker „Tatort“ sollte das spezielle Profil der Region besser herausstellen, etwa durch französische Schauspieler („Patricia Kaas wäre geeignet“) oder Drehorte jenseits der Grenze. Vielleicht auch durch einen neuen Max Palu? „Der wurde viel kritisiert, aber er hat etwas gebracht und imagebildend gewirkt“, sagt Thewes über den pensionierten frankophilen TV-Kommissar.

Dabei weiß auch Thewes, dass das Thema europäische Einigung sehr sperrig sein kann. „Es ist sehr schwer, dieses Thema volksnah zu transportieren, weil es für die Menschen immer noch abstrakt ist.“ Die Wirklichkeit sehe aber anders aus. Denn 80 Prozent aller Regelungen in Deutschland seien mittlerweile von europäischem Recht beeinflusst. Thewes sieht den Zeitpunkt für eine „Politik-Innovation“ gekommen: Das Saarland müsse sich im föderalen Wettbewerb stärker als „europäischstes Bundesland“ vermarkten, das müsse auch in der Dachmarke, an der Marketing-Experten von Regierung und Saar- Wirtschaft basteln, „ganz nach vorne“. Und es müsse sich in der Bundespolitik als die Lobby der Grenzregionen verstehen.

„Dreh- und Angelpunkt“ sei die Sprachkompetenz, sagt Thewes. Wegen der Vielzahl französischer Kunden gebe es bereits Unternehmen, die für ihre Mitarbeiter Französisch- Unterricht organisierten. „Das muss Schule machen“, fordert er. Dem Fachkräftemangel hierzulande könne man begegnen, indem man mehr Jugendliche aus Lothringen anwerbe, für die man problemlos mehrwöchige Intensiv-Sprachkurse anbieten könne. Thewes denkt auch an eine gemeinsame Infrastruktur – gerade in Zeiten knapper Kassen.

„Mit Luxemburg oder Lothringen sollte man genauso Kooperationen suchen wie mit Rheinland-Pfalz“, fordert der Landesvorsitzende der Europa- Union. Eine neue Event- Halle oder eine neue Messe könne man doch auf der Grenze oder jedenfalls in unmittelbarer Nähe bauen und dann auf beiden Seiten der Grenze vermarkten. Eine „Saarphilharmonie“ brauche das Saarland nicht, sie schade eher dem Zusammenwachsen der Großregion, sagt Thewes. Man solle lieber eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Luxemburger Philharmonie suchen. Die Erinnerung von Saarländern und Lothringern an den Bergbau könne man gemeinsam auf der Gruben-Brache Carreau Wendel konzentrieren. Ob sich die Saarländer dafür begeistern könnten? „Die Menschen sind da weiter als die Politik“, glaubt Thewes.
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